St. Galler Polizeien setzen auf menschliche statt künstliche Intelligenz

15. Juli 2024 um 07:59
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Foto: zVg

"Super Recognizer" sollen der St. Galler Polizei helfen, Gesichter wiederzuerkennen. Das Pilotprojekt läuft bis Ende Jahr.

Die St. Galler Polizeien setzen im Kampf gegen Kriminelle neu auf Menschen mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten, Menschen wiederzuerkennen. Super Recognizer sollen Gesichter teils zuverlässiger erkennen können als Künstliche Intelligenz. Sechs von ihnen arbeiten bei den St. Galler Korps. Auch die Stadtpolizei Winterthur beschäftigt Super Recognizer.
"Super Recognizer sind Menschen, die ausgeprägte Fähigkeiten haben, Gesichter wiederzuerkennen, und sich diese besonders gut merken können", sagte Stefan Helfenberger, Leiter Ermittlungsunterstützung bei der Kantonspolizei St. Gallen, der Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA'. Die Wissenschaft gehe davon aus, dass nur 2% der Menschen diese Fähigkeiten haben.

Sechs Polizisten als Super Recognizer identifiziert

Helfenberger leitet ein Pilotprojekt der Kantons- und Stadtpolizei St. Gallen. Dabei testen die Polizeien den Einsatz von Super Recognizern. Sechs Polizisten können sich gemäss wissenschaftlichen Tests der Universität Lausanne Gesichter aussergewöhnlich gut einprägen und sie wiedererkennen. Somit sind sie in der Lage – im Prinzip wie Gesichtserkennungssoftware – verschiedene Gesichter miteinander zu vergleichen und Aussagen darüber zu treffen, ob es sich um die gleichen Personen handelt.
Stefan Helfenberger nannte als aktuellen Schwerpunkt für die Super Recognizer die Bildfahndung. Konkret: Die Polizei verfügt beispielsweise über Überwachungsbilder von verschiedenen Raubüberfällen. Super Recognizer schauen sich die Bilder an, vergleichen sie und können anhand ihrer Fähigkeiten eine Einschätzung abgeben, ob es sich um dieselben Täter handelt.

Mehrstufiger, wissenschaftlicher Test

Die Super Recognizer bei der Kantons- und Stadtpolizei mussten ihre Fähigkeiten in einem mehrstufigen wissenschaftlichen Test unter Beweis stellen. In einem Test merkten sie sich zunächst unbekannte Gesichter.
Später sollten sie die Gesichter unter erschwerten Bedingungen wiedererkennen: Veränderte Gesichtsausdrücke, andere Blickwinkel oder schlechtere Bildqualität. Die Polizisten mussten entscheiden, welches von drei gezeigten Gesichtern sie sich bereits in der Lernphase gemerkt hatten. In einem anderen Test verglichen sie Bilder von jungen Erwachsenen und Personen mittleren Alters und mussten angeben, auf welchen Bildern dieselbe Person zu sehen ist.

Gegenüber Software im Vorteil

Durchgeführt hat die Tests die Neurowissenschaftlerin Meike Ramon. Sie ist Professorin an der Universität Lausanne und eine führende Expertin auf dem Gebiet der Super Recognizer. Vom Nutzen dieser Fähigkeiten für die Polizei ist sie überzeugt. Pauschale Aussagen, ob eine Gesichtserkennungssoftware oder ein Super Recognizer Gesichter zuverlässiger erkenne, seien zwar nicht möglich. Aber: "Unsere Forschung zeigt, dass es Personen gibt, die mit nur wenig Bildmaterial, trotz schlechter Bildqualität und alterungsbedingten Veränderungen die Identität unbekannter Personen so erschliessen können, wie es Algorithmen nicht schaffen."
Das Pilotprojekt in St. Gallen läuft voraussichtlich bis Ende Jahr. Dann wollen Kantons- und Stadtpolizei entscheiden, ob die Super Recognizer zum festen Bestandteil der Polizeiarbeit werden und ob diese in weiteren Bereichen eingesetzt werden.

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