Universität Zürich beschafft neue Prüfungssoftware

11. Mai 2022, 12:42
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Foto: Ursula Meisser / Universität Zürich

Die Software des norwegischen Anbieters Inspera soll bestehende Systeme ergänzen. Prüfungen überwachen soll sie vorerst nicht.

Die University of Oxford und die Universität Sydney gehören bereits zu den Kunden von Inspera. Nun kommt mit der Universität Zürich (UZH) eine Schweizer Hochschule dazu. Mit dem Produkt aus Oslo soll neben dem bestehenden System Olat eine zweite Prüfungssoftware eingeführt werden, "um möglichst viele Anforderungen abzudecken, insbesondere in den Bereichen Auftragsmanagement und Analysetool", wie uns die Medienstelle erklärt.
Laut Pflichtenheft erwartet die Universität von der neuen Software auch einen deutlich erkennbaren Mehrwert gegenüber Olat, "insbesondere durch ihren hohen Benutzerkomfort und nahtlose Workflows von Prüfungsdesign, -durchführung, -korrektur, -benotung und -auswertung innerhalb ein und derselben Lösung". Damit sollen moderne Prüfungsformate in allen Fakultäten, mit Ausnahme der Medizinischen Fakultät ermöglicht werden. Diese ist in der Schweiz gesetzlich an die Software Examic Measured gebunden.
Eingegangen sind vier Angebote. Der Entscheid für Inspera sei aufgrund der Kriterien Usability, Anforderungen, Unternehmensprofil und Kosten gefällt worden, so die Medienstelle. Primäres Einsatzgebiet sollen Remote-Online- und Bring-your-own-device-Prüfungen sein.

Keine Prüfungsüberwachung in Echtzeit

Im Einklang mit den gesetzlichen Auflagen verzichte die UZH gegenwärtig auf Prüfungsüberwachung in Echtzeit beziehungsweise auf die Aufzeichnung von elektronischen Prüfungen (Proctoring), heisst es im Pflichtenheft. "In der angebotenen Software gegebenenfalls inkludierte Proctoring-Funktionen müssen in jedem Fall transparent und zuverlässig deaktiviert werden können und dürfen in diesem Fall keine Lizenzkosten verursachen." Wegen zu erwartender Entwicklungen im technologischen und hochschulpolitischen Umfeld sollte die Software jedoch eine spätere Erweiterung mit Proctoring-Funktionen unterstützen.
Während der Pandemie hatte eine solche Proctoring-Funktion bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) für Diskussionen gesorgt. Studierende monierten, die eingesetzte Software Proctorio greife zu stark in Privatsphäre ein. Proctorio misst während der Prüfung die Kopf- und Augenbewegungen der Studierenden. Zeigt sich dabei ein Verhalten, das auf Schummeln schliessen lässt, wird dies markiert. Proctorio zeichnet zudem den Ton- und den Netzwerkverkehr auf.

Proctorio kam für die UZH nicht in Betracht

Wie uns die Uni Zürich erklärt, sei Proctorio bei der Beschaffung nicht in Betracht gezogen worden: "Die Gründe liegen beim Datenschutz." Falls bei Inspera irgendwann Proctoring-Funktionen aufgeschaltet würden, werde sich die UZH, falls nötig, mit der kantonalen Datenschutzbeauftragten austauschen.
Ursprünglich war ein erster Pilotbetrieb der Software für August vorgesehen. Dieser Zeitpunkt habe sich aber verschoben. Die UZH und die norwegische Firma würden nun einen neuen Zeitplan ausarbeiten. Zu den Kosten der Software macht die Medienstelle "aus Gründen der Vertraulichkeit und des laufenden Verfahrens keine Angaben". Laut dem Zuschlag auf Simap bewegte sich der Preis der vier eingegangen Angebote zwischen 461'000 und 787'000 Franken.

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