Twitter hat sich nach der Übernahme durch Elon Musk und dem Chaos um Fake-Accounts mit Verifikations-Häkchen eine scharfe Warnung der US-Verbraucherschutzbehörde FTC eingehandelt. "Wir beobachten die jüngsten Entwicklungen bei Twitter mit grosser Sorge", erklärte ein Sprecher. Kein Unternehmen oder dessen Chef stünden über dem Gesetz.
Keine Prüfung mehr für blaues Häkchen
Twitter hatte zuvor Neuerungen bei der Vergabe der blauen Häkchen umgesetzt. Bisher wurden sie von Twitter nach einer Prüfung Prominenten, Politikern und Unternehmen zugestanden. Nach dem neuen System bekommt das Häkchen jeder, der 8 Dollar pro Monat in einem Abo bezahlt.
Eine Identitätsprüfung gibt es nicht. Das Häkchen sieht dabei in beiden Fällen gleich aus. Ob man es mit einem früheren tatsächlich verifizierten Account oder mit einem neuen gekauften Häkchen zu tun hat, erfährt man nur aus dem Text nach Anklicken des Symbols.
Nutzer legten Fake-Accounts an
User nutzten diese Situation aus, um täuschend echt aussehende Fake-Accounts anzulegen: von Stars oder von Unternehmen oder auch von Musk selbst. Der Pharmakonzern Eli Lilly beispielsweise entschuldigte sich bei Twitter-Nutzern, die ein Fake-Account glauben liess, Insulin werde künftig kostenlos vertrieben.
Twitter müsste neue Features in Bezug auf Datenschutz prüfen
Twitter hatte sich nach früheren Verstössen bei der FTC unter anderem verpflichtet, neue Funktionen vor der Einführung einer Prüfung in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit zu unterziehen.
Musk versicherte laut Medienberichten in einer E-Mail an die Mitarbeiter nach der FTC-Warnung, Twitter werde alles tun, um die Vereinbarung mit der Behörde einzuhalten.
Musk warnt vor Geldproblemen
Neben der Rüge der FTC lastet ein Kredit von rund 13 Milliarden Dollar auf Twitter, den Musk für den Kauf aufgenommen hat. Bei einem Auftritt vor Mitarbeitern am 10. November warnte er Medienberichten zufolge, dass bei Twitter im kommenden Jahr ein Milliarden-Loch in der Bilanz klaffen könnte.
Wenn es unter diesen Umständen nicht gelinge, mehr Geld reinzubringen als man ausgebe, sei "eine Insolvenz nicht ausgeschlossen", wird er bei 'The Information' zitiert.
Twitter schrieb bereits vor der Übernahme rote Zahlen. Nach dem Deal beklagte Musk einen Umsatzeinbruch, weil einige grosse Werbekunden Anzeigen auf der Plattform ausgesetzt hatten. Sie sorgen sich, dass ihre Werbung neben anstössigen Tweets auftauchen könnte, wenn Musk wie angekündigt die Inhalte-Regeln lockern sollte.
Britischer Minister wendet sich wegen Massenentlassung an Twitter
Musk hatte vergangene Woche
rund jeden zweiten der zuvor etwa 7500 Jobs bei Twitter gestrichen. Nach der Massenentlassung sprach der britische Wirtschaftsminister Grant Shapps Twitter in einem Schreiben eine Mahnung aus,
berichtet der 'Guardian'. Der Konzern, der auch Leute in Grossbritannien beschäftigt, müsse arbeitsrechtliche Regeln einhalten.
Dem Bericht zufolge sollen im Zuge der Kündigungswelle auch Hunderte Beschäftigte der britischen Twitter-Einheit ihren Job verloren haben. Das britische Arbeitsrecht sieht bei Entlassungen von mehr als 20 Beschäftigten vor, dass Arbeitgeber verpflichtende Konsultationen durchführen müssen.
In einem anderen Schreiben habe Shapps sich auch an die Gewerkschaft Prospect gewendet und betont, kein Unternehmen stehe über dem Gesetz, so der Bericht. Die Gewerkschaft vertritt demnach mehrere britische (Ex-)Twitter-Mitarbeitende.
Das Unternehmen sieht sich in den USA bereits mit rechtlichen Schritten konfrontiert, weil Musk die Massenentlassungen so schnell durchgeführt und die Mitarbeiter von den Unternehmenssystemen ausgeschlossen hat, bevor ihnen mitgeteilt worden ist, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren.