Vogt am Freitag: Die Cloud ist alternativlos, aber ...

8. September 2023 um 11:20
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Der Vendor Lock-in ist Tatsache. Weil es keine technische Alternative zur Cloud gibt, braucht es jetzt eine politische Lösung. Und zwar schnell.

Die Zahl der öffentlichen Verwaltungen, die auf M365 migrieren, wächst fast wöchentlich. Dabei ähneln sich die Begründungen für die Wahl von Microsoft: "Sie ist alternativlos", heisst es jeweils sinngemäss. Ähnliches höre ich auch von vielen privaten Unternehmen, mit denen ich über die Thematik spreche.
Blicken wir der Tatsache ins Auge: Bürosoftware mit so einer hohen Verfügbarkeit, diesem Security-Level und dem Funktionsumfang zu diesen Preisen gibts nebst Microsoft höchstens noch von Google. Aber damit hat es sich auch schon.

On-Premises heisst weniger Sicherheit für mehr Geld

Die ganze Geschichte on-premises selbst zu betreiben, mag zwar vielleicht in puncto eigener Souveränität eine bessere Lösung sein. Aber sie ist in jedem Fall komplizierter zu managen, bietet mit grosser Sicherheit weniger von eben dieser und ist erst noch teurer. Oder kurz: Das ist für viele Unternehmen und Behörden keine valide Option – zu Recht.
Aus technologischer Sicht führt also faktisch kein Weg an M365 (oder eben dem anderen amerikanischen Konzern) vorbei. Während private Unternehmen ausserhalb des regulierten Umfelds ihre Daten und die ihrer Kunden dort speichern dürfen, wo sie möchten, können dies Banken, Versicherungen oder öffentliche Verwaltungen nicht. Auch dies zu Recht.

Der Cloud Act kann angewandt werden

Sie müssen die Daten in der Schweiz halten. Das können sie zwar bei Microsoft und Google nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Aber durch den berühmten "Cloud Act" kann der amerikanische Staat auf die Daten zugreifen, wenn er dies für nötig hält. Nicht nur theoretisch, sondern ebenfalls auch praktisch.
Augen zu und durch: Das ist nun die Antwort vieler Behörden, wenn sie sich für M365 aus der Cloud entscheiden. Die meisten berufen sich dabei auf ein Rechtsgutachten des Anwalts David Rosenthal. Dies ist aber letzten Endes nichts anderes als eine mehrbessere Wahrscheinlichkeitsrechnung, welche voraussagt, dass zu so und so vielen Prozenten schon nichts Schlimmes passiert.

Bei M365 bleibt eine Rechtsunsicherheit

Ich halte die Statistik zwar für valide, aber letzten Endes ist sie im Fall der Fälle nutzlos. Es ist ein Dilemma: Einerseits gibts keine technologische Alternative zu amerikanischen Konzernen, andererseits gibts für öffentliche Verwaltungen sowie Unternehmen des regulierten Umfelds eine Rechtsunsicherheit. Das ist eine schlechte Grundlage, um die alternativlosen Produkte einzusetzen.
Ich sehe nur einen Ausweg: Es braucht eine Lösung auf dem politischen Parkett. Die Schweiz, oder noch besser, die Europäische Union, muss mit den USA ein Abkommen schliessen. Der Cloud Act darf nicht mehr greifen, wenn die Daten in Rechenzentren auf europäischem Boden gespeichert sind.

Für die "Swiss Cloud" haben wir zu wenig Zeit und viel zu wenig Geld

Dass eine entsprechende Vereinbarung zustande kommt, liegt auch im Interesse von Big Tech. Ihr Business Case ist viel wertvoller, wenn das letzte Quäntchen Rechtsunsicherheit beseitigt ist, das europäische Unternehmen davon abhält, ihre Produkte einzusetzen. Wenn sie mithelfen, einen entsprechenden Vertrag zu ermöglichen, sehe ich eine realistische Chance dafür.
Es ist im Interesse der Wirtschaft und schlussendlich von allen Bürgerinnen und Bürgern, dass Daten rechtssicher in einer sicheren, hochverfügbaren Cloud gespeichert werden können.
Bestenfalls kommt der Vertrag zustande, bevor sich die Schweiz in drölfzehn Jahren dazu entschliesst, nun doch für eine fantastilliarde Franken eine eigene Cloud-Infrastruktur zu bauen. Denn erstens haben wir nicht so viel Zeit und zweitens auch nicht so viel Geld.

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