In der Stadt Zürich ist es Pflicht IT-Projekte nach dem Projektmanagementstandard Hermes durchzuführen. Entsprechend müssen Anbieter bei Ausschreibungen darauf hingewiesen werden, dass die Methode verbindlich ist. Dies soll sich ändern, geht es nach dem Willen der Gemeinderäte Barbara Wiesmann (SP) und Flurin Capaul (FDP). Sie fordern den Stadtrat auf, zu prüfen, ob bei Softwareprojekten auf die Methode Hermes verzichtet werden könnte.
Für erfolgreiche Digitalprojekte sei die Projektmethodik von entscheidender Bedeutung, heisst es im Vorstoss. Projekte könnten heute mit agilen Methoden erfolgreich abgewickelt werden. Mit der Hermes-Verpflichtung würden die Anzahl der möglichen Anbieter bei einer Ausschreibung aber eingegrenzt, ohne dass dies einen Mehrwert biete. Mit einem Verzicht könnte die Auswahl von Angeboten vergrössert werden, glauben die Initianten.
Hermes-Methode ist weit verbreitet
Für IT-Projekte auf Bundesebene besteht ebenfalls eine Hermes-Pflicht. Die Methode wird aber auch bei Kantonen und in der Privatwirtschaft eingesetzt. Da auch der Kanton Zürich Hermes einsetze, erleichtere das die Zusammenarbeit, so der Stadtrat auf eine schriftliche Anfrage von Capaul und Wiesmann, die dem Vorstoss vorangegangen ist. Man könne so auch von gegenseitigen Erfahrungen profitieren.
Hermes diene als übergeordnete Methode, um ein Gesamtprojekt zu leiten. Dies schliesse agiles Vorgehen aber nicht aus. Die Phasen für Initialisierung und Abschluss seien zwar klassisch, so der Stadtrat. Dazwischen, sprich während der Umsetzung respektive Lösungsentstehung, könne auch agil mit Scrum, Kanban oder ähnlichem gearbeitet werden.
Entsprechend würden auch die städtischen IT-Fachleute weitergebildet. Die Organisation und Informatik (OIZ) will alle Mitarbeitenden bis Ende 2024 in der Anwendung von agilen Methoden geschult haben, hiess es vom Stadtrat weiter. Auch in den städtischen Schulungen für Hermes 2022 sowie den allgemeinen Projektmanagement-Ausbildungen werde auf agile Methoden eingegangen. Mit dieser Eingliederung werde den aktuellen Trends Rechnung getragen, schliesst der Stadtrat.