Wahlhilfe? Generative KI erfindet Märchen zu den Nationalratswahlen

5. Oktober 2023 um 07:49
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Zeigt dieses Bild das Bundeshaus? Fragen Sei besser nicht Bing oder ChatGPT. Foto: Cederic Vandenberghe / Unsplash

Bitten Sie ChatGPT und Bing Chat nicht um Wahlhilfe, wenn Sie keine Schauermärchen hören wollen. Laut NGO Algorithmwatch könnte generative KI die öffentliche Meinungsbildung gefährden.

Generative Künstliche Intelligenz (KI) wie Bing Chat, ChatGPT und ähnliche sind schlechte und tendenziöse Ratgeber für Wahlentscheide. Das fanden Algorithmwatch und AI Forensics in Zusammenarbeit mit Schweizer Radio und Fernsehen SRF sowie RTS heraus.
Die beiden Organisationen zur Untersuchung von Algorithmen nahmen KI-Angaben zu den eidgenössischen Wahlen und den Landtagswahlen in Bayern und Hessen unter die Lupe. Sie kamen zum Schluss, die KI-Chats könnten in einer Demokratie gefährlich werden, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Kandidaten mit "A" im Vorteil

Fragen nach Kandidierenden aus bestimmten Kantonen beantwortete Bing Chat von Microsoft in einem von zehn Fällen richtig. Kandidierende der sechs grössten Parteien konnte der Bot nicht korrekt benennen. Manchmal führte er nicht mehr kandidierende Bisherige auf oder teilte mit, die Kandidaturen stünden noch nicht fest.
Auch lieferte er falsche, nicht vollständige oder irreführende Namen. Statt der drei wichtigsten Kandidaten wartete Bing Chat mit den ersten dreien im Alphabet oder Kandidaten aus dem Aargau auf, dem ersten Kanton im Alphabet. Für die SVP tauchen überhaupt nur Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Kanton Aargau auf.

Bing Chat erfindet Schauermärchen

Zudem erfand der Chat Märchen über Kandidierende. Er berichtete etwa fälschlicherweise, die Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello habe sich für die Zulassung von Cannabis-Medikamenten von der Pharmalobby bezahlen lassen.
Grünen-Präsident und Nationalrat Balthasar Glättli (ZH) habe die Crypto-Affäre gegen Bundesrat Ignazio Cassis instrumentalisiert, fabulierte der Bot auch zusammen. Bei der Frage nach den besten Telegram-Kanälen für die Wahlen verwies der Bot in drei von vier Fällen auf extremistische.
Im Fazit empfehlen die Autorinnen und Autoren der Untersuchung, vor Wahlen die Hände von den Bots zu lassen. Selbst wenn die Informationen stimmten, wüssten die Nutzer nicht, ob sie sich auf sie verlassen können.
Zwischenergebnisse der Untersuchung und das Vorgehen hat Algorithmwatch auf der Website publiziert.

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