Vergangenes Jahr wies die Stadt ein falsches Wahlergebnis aus. Ein externer Bericht zeigt, was passiert ist, und schlägt Massnahmen vor.
Bei den Stadtparlamentswahlen in der Stadt St. Gallen im Herbst 2024 schlich sich bei der Ermittlung der Ergebnisse ein Fehler ein. Der Stadtrat hat deshalb beim Institut für Politikwissenschaft (IPZ) der Universität Zürich eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. Insbesondere sollten Massnahmen vorgeschlagen werden, wie Fehler und Mängel bei der Auszählung und Ermittlung von Wahl- und Abstimmungsergebnissen in Zukunft vermieden werden können.
Die Ergebnisse der Untersuchung liegen jetzt vor. Darauf basierend hat der Stadtrat Massnahmen beschlossen, wie er mitteilt.
Ein Fehler in einem Excel-Dokument
Im Rahmen der Untersuchung sei kein Fehler bei der Auszählung festgestellt worden, so das IPZ. Der Fehler habe sich bei der Ermittlung der Ergebnisse der Stadtparlamentswahlen ereignet. Konkret sei für die Liste "0.2a FDP Die Liberalen" eine falsche Anzahl unveränderter Wahlzettel ermittelt worden. "Die falsche Anzahl geht auf einen Formelfehler in einem Excel-Dokument zurück", so der Bericht.
Statt der FDP-Stimmen von Samstag und Sonntag addierte die Formel das Total von SP und Juso. Quelle: Screenshot SG / Untersuchungsbericht des IPZ, 2025
Die Excel-Formel hätte die am Samstag und Sonntag je separat gezählten unveränderten Wahlzettel addieren sollen (1095 + 75). Aufgrund des Formelfehlers seien stattdessen aber die Total-Werte der Listen SP und Juso addiert (2302 + 205) und in das Total der FDP-Liste übertragen worden.
Auf dieser Basis wiederum hat die Software Voting eine inkorrekte Anzahl von Parteistimmen für die Liste der FDP berechnet – 5 Sitze zu viel. Gleichzeitig wurden der SP zwei und der SVP, der Mitte und den Grünliberalen jeweils ein Sitz zu wenig zugeteilt.
Der Fehler führte auch dazu, dass die Angabe zur Anzahl eingegangener Wahlzettel falsch war und deswegen eine überhöhte Wahlbeteiligung ermittelt wurde.
Organisatorische Massnahmen
Die Wahlresultate seien von den befragten Mitgliedern des Ausschusses des Stimmbüros am Sonntag mit Überraschung zur Kenntnis genommen, schreibt das IPZ. Zunächst aber sei es nicht infrage gestellt worden. Erst nach erneuter Durchsicht der ausgehängten Wahlprotokolle am darauffolgenden Montagmorgen, den 23. September 2024, zweifelte der Präsident des Stimmbüros an der Korrektheit der Ergebnisse.
Das IPZ stellt weiter fest, dass die Zuständigkeiten und Rollen der Mitglieder und die verschiedenen Funktionen des Stimmbüros teilweise unklar und für die geordnete Auswertung der Wahlzettel und Ermittlung der Ergebnisse der Stadtparlamentswahl wenig geeignet gewesen seien. Die Prozesse im Stimmbüro seien pragmatisch und zu wenig formalisiert.
Auf der Basis des Berichts hat der Stadtrat eine Reihe konkreter Massnahmen abgeleitet, die per 28. September 2025 umgesetzt werden. Damit sollen die Zuständigkeiten, Aufgaben und Funktionen der Akteurinnen und Akteure im Stimmbüro geklärt und definiert, die Kontrollmechanismen gestärkt und die verschiedenen Prozesse stärker formalisiert werden.