Weltweit grösste ICT-Messe – auch mit Schweizer Beteiligung

25. Oktober 2024 um 07:45
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Foto: Harald Weiss

In Dubai ist soeben die diesjährige "Gitex" zu Ende gegangen. Dabei handelt es sich um eine ICT-Messe der Superlative, die in Europa bislang kaum beachtet wird.

Zusammen mit ihrer zugehörigen Startup-Ausstellung verzeichnete die Gitex-Messe in Dubai 8300 Aussteller. Das ist weitaus mehr als bei der CeBIT in ihren besten Zeiten. In über 40 Hallen war alles vertreten, was in der IT Rang und Namen hat: SAP, Oracle, Dell, Lenovo, HPE, AWS, Huawei, ZTE, Bosch, Deepl, Software AG, Salesforce, IBM, Google, China Telecom, Cisco, Ericsson, AWS u.v.m.
Bedeutendes Highlight bei den Ankündigungen war ein fliegendes Auto des chinesischen Herstellers Xpeng, das in Dubai zugelassen ist und ab dem 1. November dort verfügbar ist. Insgesamt waren 180 Länder vertreten – ein Plus von 40% gegenüber dem Vorjahr.
Die europäische Präsenz erreichte mit rund 1500 Firmen aus 38 Ländern Rekordniveau. Hier kamen die neuen Aussteller vorwiegend aus Österreich, Portugal, Lettland, Serbien, Bosnien-Herzegowina und der Schweiz.

Schweiz mit eigenem Pavillon

Auf dem "Swiss Pavillon" waren zwölf junge Technologie-Unternehmen vertreten. Zudem präsentierten die Forschungs- und Bildungsinstitute ETH, Wyss Zürich, Hochschule Luzern und die CSEM verschiedene Showcases aus ihrem Umfeld. Die Hälfte der Teilnehmer war zum ersten Mal auf einer Messe in Dubai. Gemanagt wurde der gesamte Schweizer Auftritt von der Firma T-Link Management, die schon seit vielen Jahren Schweizer Messe-Auftritte in der ganzen Welt organisiert.
In einem Gespräch mit inside-it.ch erläuterte Carl Ziegler, CEO von T-Link, die Hintergründe für das Schweizer Engagement auf der Gitex in Dubai. "Es gibt eine ganze Reihe an Gründen hier vertreten zu sein, an erster Stelle steht die hohe Kompetenz der Besucher und das Umfeld an attraktiven internationalen Unternehmen", gibt er als Hauptmotiv an. Ebenso wichtig sei aber die Marktausrichtung. "Wir erreichen hier die dynamischen Märkte in Indien, Afrika und dem Nahen Osten, in denen es einen grossen Bedarf an Infrastruktur-orientieren Lösungen gibt", so Ziegler weiter.
Hinzu kommen im Rahmen eines Schweizerauftrittes an einer solch bedeutenden Messe dann die üblichen politischen Unterstützungen und Netzwerkmöglichkeiten. Beispielsweise nahm sich der Schweizer Botschafter in den UAE, Arthur Mattli, ausgiebig Zeit, um mit jedem Aussteller zu sprechen und um einen persönlichen Kontakt aufzubauen.
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Das fliegende Auto des chinesischen Herstellers Xpeng. Foto: Harald Weiss
Über den geschäftlichen Erfolg der Aussteller lässt sich bekanntermassen direkt im Anschluss einer Messe wenig sagen. Direkte Abschlüsse gibt es nur, wenn sie von langer Hand vorbereitet sind; ansonsten ist der einzige Messwert die Leads. Eine erste Auswertung hat bereits ergeben, dass die Aussteller die Leads mit "sehr gut" bewerten. Insgesamt kamen 200'000 Besucher zur Gitex. Das sind zwar weniger als die Cebit in ihren besten Jahren hatte, doch bei Eintrittspreisen von 106 bis 2400 Franken, plus Flug- und Hotelkosten, kann man davon ausgehen, dass sich wirklich nur Fachbesucher in den Hallen tummelten.

Hochkarätiges Fachprogramm und Minister für KI

Was den Gitex-Erfolg angeht, so ist es nicht nur die globale Ausrichtung, sondern auch ein anspruchsvolles Begleitprogramm. Beispielsweise hielt Isabella Gradert von Airbus einen vielbeachteten Vortrag zum Thema "Quantum Mobility Quest". Darin gab sie einen Ausblick auf die zukünftige Nutzung von Quanten-Computing zur Simulation komplexer physikalischer Abläufe. Unter dem Namen DevSlam gab es eine eigene Halle mit 250 Ausstellern allein zum Thema Softwareentwicklung, die immerhin von 18'000 Besuchern aufgesucht wurde. Im zugehörigen Workshop-Bereich fanden über 100 seminarähnliche Vorträge statt, wo Referenten von der ETH Zürich, Linkedin und Google praktische Entwicklungstipps gaben. Weitere Diskussionen drehten sich um 5G, Edtech, digitale Städte und Energiewende.
Doch in den meisten Vorträgen ging es um Künstliche Intelligenz. Die UAE sind übrigens das einzige Land, in dem es mit Omar Sultan Al Aloma einen Minister für "Künstliche Intelligenz, Digital-Wirtschaft und Remote-Work" gibt. Er und viele andere Regierungsvertreter wiesen immer wieder auf die wirtschaftliche Attraktivität von Dubai hin. Beispielsweise auf die gut ausgebaute Infrastruktur. So ist der Flughafen ist mit rund 90 Millionen Passiergen hinter Atlanta der zweitgrösste der Welt ist und den Messbesuchern standen 800 Hotels mit 150'000 Zimmern zur Verfügung.
Hervorzuheben ist auch, dass die Regierung alle Geschäftsaktivitäten vereinfacht. Gerade auf der Startup-Messe wurde das immer wieder von den Venture-Financiers erwähnt: "Es gibt keinen Platz auf der Welt, wo man schneller und einfacher eine Firma gründen kann", sagte Bilal Baloch vom UAE-Venture Shorooq Partners. Er verwies auch auf einen weiteren Punkt: "Wir haben hier keinen Mangel an hochqualifiziertem Personal; bei uns bewerben sich die Besten aus der ganzen Welt – wir haben häufig die Qual der Wahl", lautet sein Problem, von dem viele andere Länder nur träumen können. UAE-Wirtschaftsminister Abdullah Bin Touq Al Marri bestätigt das: "Das Ökosystem der UAE zieht viele qualifizierte Menschen aus der ganzen Welt an und damit werden wir schon bald das F&E-Zentrum der Welt sein", lautet seine Prognose.

Gitex kommt nach Berlin

Verwöhnt vom internationalen Erfolg in Dubai, wagt man jetzt auch den Schritt in regionale Märkte. So wird es demnächst auch eine Gitex in Marokko, Nigeria, Singapur, Thailand, und im Mai 2025 auch in Berlin geben. Davon erhoffen sich die Dubaier Messemacher, dass es ihnen gelingt, einen erfolgreichen Nachfolger für die Cebit zu schaffen.

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