Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) von Grenchen hat einen Bericht "Audit Informatik" erstellt. Darin hat sie sich mit der Dienststelle Informatik und der IT der Stadt befasst. Kommissionspräsident Marcel Chatelain-Ammeter hat inside-it.ch auf Anfrage den Bericht zur Verfügung gestellt.
Das Positive vorneweg: Die von der GPK ausgewerteten Unterlagen und Gespräche ergaben, "dass die DS Informatik im zugewiesenen Aufgabenfeld sehr gute Arbeit leistet". Auch von Seiten der Stadt heisst es: "Die Verwaltung hat auf den Bericht positiv reagiert und unterstützt grundsätzlich die vorgeschlagenen Massnahmen." Denn die GPK erwähnt auch einige kritische Punkte und gibt Empfehlungen ab.
GPK fordert eine Aufstockung der IT-Stellen
"Der Stadt Grenchen fehlt eine kohärente, zukunftsfähige und vor allem politisch abgestützte IKT- und Digitalisierungsstrategie", schreibt die Kommission. Der Online-Schalter sei im Vergleich mit den digitalen Möglichkeiten und den bestehenden Angeboten in anderen Kantonen und Gemeinden unterentwickelt. Weiter heisst es: "Die finanziellen (jährlich rund 600'000 Franken über die gesamte Verwaltung) und personellen (DS Informatik mit 2,5 Stellen) Mittel reichen nicht, um die Digitalisierungsoffensive und die Empfehlungen der GPK umzusetzen."
Die GPK empfiehlt ein 4-jähriges Umsetzungsprogramm Informatik und digitale Transformation mit einem Verpflichtungskredit von 1 Million Franken zu starten – ohne Personalkosten. Das Stellenetat der IT-Abteilung sei aufzustocken, um weitere 2,5 Vollzeitstellen, darunter einen Digital Officer. Denn: "Auch wenn das Informatik-Team mit Energie, Herzblut und Veränderungswillen sehr gute Arbeit leistet, kann sich die GPK aber des Eindrucks nicht erwehren, dass die Mitarbeiter stark belastet sind."
Online-Schalter: "Benutzerkonto 'MyServices' ist unbrauchbar"
IT-Leiter Thomas Herren erklärt uns: "Die Verwaltung verfügt seit einigen Jahren über Digitalisierungsgrundsätze. Eine übergeordnete Strategie soll mit einem neuen Digital Officer angegangen werden, gemäss Empfehlungen im Bericht. So oder so wurden in den letzten Jahren viele kleinere Digitalisierungsprojekte umgesetzt." Die Dienststelle betreue in der Verwaltung rund 230 IKT-Arbeitsplätze und in den Schulen gegen 750 Arbeitsgeräte in technischen Belangen. Ausserdem gewähre sie Unterstützung an verwaltungsnahe Organisationen, wie zum Beispiel der ARA Regio Grenchen.
Relativ scharf fällt die GPK-Kritik des Online-Schalters aus: "Das individuelle Benutzerkonto 'MyServices' ist unbrauchbar." Nur vereinzelt seien Online-Formulare aufgeschaltet. "Auch weitere Online-Angebote fehlen, welche vielerorts schon eingeführt sind." Als "Lichtblick" wird der E-Umzug erwähnt. Die GPK schlägt vor: "Der Aufbau eines Online-Schalters liesse sich mit dem Kanton Solothurn oder anderen kommunalen Anbietern koordinieren."
Grenchen wünscht sich mehr digitale Angebote vom Bund
"Die Verwaltung steht hierzu im Austausch mit dem Kanton und seiner SO!Digital-Strategie. In den Abteilungen und Bereichen werden derzeit mögliche Vereinfachungen für den Bürger geprüft", erklärt IT-Leiter Herren. Zu weiteren geplanten Projekten sagt er: "Die Verwaltung, wie auch die Schulen, setzen Microsoft 365 Applikationen lokal und in der Cloud ein. Die zentralen Registerdaten werden im lokalen Rechenzentrum verwaltet. Dieses Jahr wird die Auslagerung in die Cloud geprüft, mit der Vision, das eigene Rechenzentrum auflösen zu können."
"Die Prozesse der Verwaltung sind durch entsprechende gesetzliche Regulierungen bereits heute sehr hoch standardisiert und digitalisiert. Deshalb besteht aktuell kein dringender digitaler Handlungsbedarf", hält er fest. Die Empfehlungen der GPK würden zurzeit noch geprüft und eine entsprechende Priorisierung erarbeitet.
Generell wünscht sich Herren: "Die Stadt Grenchen würde es begrüssen, wenn der Bund oder die Kantone den Gemeinden Dienstleistungen innert einer angemessenen Frist zur Verfügung stellen würden, welche für die Digitalisierung der Schweiz unerlässlich sind. Eine durch den Bund bereitgestellte Plattform mit Diensten, wie zum Beispiel das Einwohnerregister, wäre ein zukunftsgerichteter Ansatz und bürgerfreundlich."
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