Die Justizdirektion des Kantons Zürich sucht eine Smart Prison Plattform, kurz: "Smapp". Ein Software-Anbieter soll eine Lösung liefern, damit Vollzugsanstalten und Massnahmeeinrichtungen den Inhaftierten digitale Services bieten können. Zudem sollen die Mitarbeitenden des Strafvollzugs sowie externe Userinnen und User Zugang zur Plattform erhalten.
Beschafft wird Smapp für die Organisation Justizvollzug und Wiedereingliederung (Juwe), die für den Strafvollzug und die Haftanstalten im Kanton zuständig ist. Sie beschäftigt rund 1200 Mitarbeitende und unterhält 14 Institutionen, darunter die JVA Pöschwies und das Massnahmezentrum Uitikon.
In den Zellen der Anstalten seien digitale Services sehr verschieden zugänglich, heisst es in den Unterlagen zur Ausschreibung. In einigen "Haftsettings" gebe es kaum Angebote. Der Auftrag, zur "Normalisierung" und Wiedereingliederung beizutragen, bedeute aber auch, Zugang zu digitalen Tools zu bieten. Denn in der zunehmend digital vernetzten Welt müssten auch Inhaftierte lernen, damit umzugehen.
Darum sollen die Tools ähnlich aussehen, wie die in der Aussenwelt gebräuchlichen, etwa Outlook oder Whatsapp. Neben Kommunikations-Kanälen sucht die Juwe auch Dienste wie ein Infoboard, digitale Formulare, einen Kalender, ein Einkaufssystem und ein Umfragetool.
Die Mitarbeitenden müssten die Services je nach Bedarf ab- und zuschalten können. Sie sollen über die Kanäle aber auch Kommunikation und Überwachung steuern können. Was das genau bedeutet, geht aus den Unterlagen nicht hervor. Wer die Details einsehen will, muss eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben.
Das Mengengerüst ist beachtlich: Das Besuchermanagement für die rund 65'000 Besuchenden im Jahr soll künftig über Smapp abgewickelt werden. Rund 1500 inhaftierte Personen und 2200 vom Bewährungsdienst Betreute sollen die Plattform nutzen können. Pro Jahr erwartet die Juwe deshalb über 340'000 Telefonanrufe und 15'000 Videocalls. Rund 460'000 Gesuche im Jahr muss die Administration verarbeiten.
Von der neuen Plattform versprechen sich die Justizbehörden mehr Sicherheit und weniger Administrationsaufwand. Bis Ende 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein.