Alliance Swisspass will weg vom analogen ÖV-Billett

1. Dezember 2022, 12:10
image
Foto: MOZCO Mateusz Szymanski / Shutterstock

Die Vereinigung möchte so schnell wie möglich von Investitionen in physische Billette wegkommen. Ab 2035 soll der Ticket-Verkauf mehrheitlich digital ablaufen.

Der ÖV-Billett-Verkauf soll ab 2035 im Normalfall digital erfolgen. "Die Alliance Swisspass möchte so schnell wie möglich von Investitionen in physische Ticketlösungen wegkommen", sagte René Schmid, Präsident des Strategierats von Alliance Swiss Pass. Der analoge Vertrieb und seine Infrastruktur sei sehr teuer, die Kosten sollen deshalb reduziert werden. ÖV-Fahren soll so einfach werden wie Autofahren, erklärt Schmid in einem Interview mit 'CH-Media'. Im ersten Halbjahr 2023 werde Alliance Swisspass über die Neuausrichtung informieren.
Ganz abgeschafft werde der analoge Vertrieb aber vorerst nicht. Vorstellbar wäre, dass es nur noch an grossen Knotenpunkten und in externen Shops Automaten gibt, heisst es im Interview weiter.
Schliesslich gibt es nicht nur Menschen, die gänzlich auf das Smartphone verzichten, sondern auch solche, die möglichst keine Datenspuren hinterlassen wollen. "Die Branche ist nicht mehr verpflichtet, Bargeld entgegenzunehmen", heisst es seitens Schmid dazu. "Die Bargeldhandhabung ist sehr aufwändig und teuer. Natürlich werden wir bestehende Automaten mit der Möglichkeit, bar zu bezahlen, nicht von heute auf morgen abbauen. Aber 2035 werden die wenigsten noch Bargeld nutzen." Ein minimales Angebot für Bargeldnutzer soll es aber trotzdem noch geben. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass man das ÖV-Guthaben am Kiosk auflädt. "Aber wir müssen nicht mehr an jeder Haltestelle einen Tresorschrank aufstellen – und das sind Automaten mit Bargeld-Bezahlmöglichkeit de facto nun mal."

E-ID durch die Hintertür?

In der hitzigen Diskussion um die Digitalisierung der ÖV-Billette und -Karten gibt es von allen Seiten kritische Stimmen. Erst letztes Jahr wurden neue Funktionen für den Swisspass bekannt gegeben, die man über die nächsten 5 Jahre ausrollen möchte.
Angekündigt war etwa ein EMV-Chip für kontaktloses Bezahlen. Über den sogenannten Fido-Standard sollen zudem vereinfachte Anmeldungen bei Geräten und auf Online-Plattformen möglich sein. Unternehmen, die die sogenannte Legic-Technologie einsetzen, sollen den Swisspass ausserdem als Zutritts- und Identifikationsmedium nutzen können.
Für Kritiker eine Art E-ID durch die Hintertür: "Der Swisspass bietet mit diesen Erweiterungen Funktionen einer E-ID, obwohl das Volk im vergangenen Frühling eine durch Unternehmen betriebene E-ID deutlich verworfen hatte", schrieb der Konsumentenschutz damals in einer Mitteilung. Die rote Karte wäre zwar kein amtlich anerkannter Ausweis, aber die Richtung sei klar. Man befürchtet, dass private Anbieter nun das Feld besetzen, ohne dass sie rechtliche Vorgaben für den Daten- und Konsumentenschutz einhalten müssen.
Die Alliance Swisspass wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe. Es gebe keinerlei Bestrebungen in Richtung E-ID-Einsatz, erklärte Pressesprecher Thomas Ammann damals auf Anfrage von inside-it.ch.

Loading

Mehr zum Thema

image

Schwyz erhält einen neuen CIO

Im Sommer wird Marcel Schönbächler die Leitung des Amts für Informatik im Kanton übernehmen.

publiziert am 27.1.2023
image

Podcast: Wie fair und objektiv ist künstliche Intelligenz?

Der Bundesrat will, dass KI Behörden effizienter macht. Warum das zu einem Problem werden kann, diskutieren wir in dieser Podcast-Folge.

publiziert am 27.1.2023
image

Luzerner können Wille zur Organspende in App hinterlegen

Patientinnen und Patienten des Luzerner Kantonsspitals können ihre Entscheidung zur Organspende neu in der Patienten-App ablegen.

publiziert am 26.1.2023
image

PUK soll Zürcher Datenskandal durchleuchten

Datenträger der Justizdirektion landeten im Sex- und Drogenmilieu. Jetzt soll eine Parlamentarische Unter­suchungs­kommission zum Vorfall eingesetzt werden.

publiziert am 26.1.2023