Für insgesamt 55 Millionen Franken will das Seco IT-Dienstleister in 8 Arbeitsgebieten für die Zeit von Anfang Mai 2023 bis Ende April 2028 an Bord holen. Laut Ausschreibung auf Simap läuft die Beschaffung unter dem Titel "IT-Dienstleistungen für Projekte der ALV 2023 – 2028". Und weil die zu realisierenden Projekte zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nur teilweise zu definieren sind, sollen jeweils nur Rahmenverträge geschlossen und somit keine Abnahmegarantien gegeben werden.
Bei der Arbeitsvermittlung (RAV) und Arbeitslosenversicherung (ALV) sind
bereits im letzten Jahr fast 40 Millionen Franken für die SAP-Migration zu S/4Hana gesprochen worden. Weil es damals schon hiess, die RAV-IT-Modernisierung des Informationssystems AVAM für rund 67 Millionen Franken sei noch im Jahr 2021 abgeschlossen, haben wir nachgefragt, wofür nun weiterer teurer Digitalisierungsbedarf besteht.
Auf Anfrage erklärt man beim federführenden Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), dass es um eine Auftragsverlängerung gehe. Die bisherigen, über eine WTO-Ausschreibung im Jahr 2017 vergebenen Rahmenverträge enden 2023, erklärt SECO-Sprecher Fabian Maienfisch. Wobei erste Lose bereits ausgeschöpft seien, wie er nachschiebt.
Zu der Aufschlüsselung nach Projekten führt das Seco aus, dass zusätzlich über die nun ausgeschriebenen IT-Dienste erneut Gelder ins RAV-Informationssystems AVAM fliesen sollen. Jetzt sei zwar die Modernisierung plangemäss Ende 2021 abgeschlossen worden und der "technische Life-Cycle dieser strategischen Fachapplikation ist für die kommenden Jahre gesichert". Doch in diesen Jahren soll AVAM "grundlegend neu konzipiert und von Grund auf erneuert werden". Zudem sei, so Maienfisch weiter, Unterstützung in den 2 strategischen Projekten ASALfutur und der Online-Dienst eALV nötig. Sie hätten aufgrund der Covid-19-Pandemie Verzögerungen erfahren und beide können "voraussichtlich erst Ende 2024 abgeschlossen werden".
Die meisten der nun ausgeschriebenen bis zu 55 Millionen Franken für IT-Dienstleistungen über die kommenden 5 Jahre werden in diese 3 strategischen Projekte fliessen, erklärt Maienfisch weiter. Es gehe dabei um die "konsequente vollständige Digitalisierung der öffentlichen Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung nach Innen und Aussen, die Integration von Innovationen sowie die weitere Integration der Fachapplikationen in eine umfassende integrierte Anwendungslandschaft".
Die Lose im Detail
Konkret werden mit Rahmenverträgen und damit ohne Abnahmeverpflichtung im 1. Los 5 IT-Dienstleister für die "Projekt- und Teilprojektleitung" gesucht, mit denen Rahmenverträge über insgesamt maximal 18,5 Millionen Franken geschlossen werden. Im 2. Los werden 4 Unternehmen gesucht, die den Bereich "Projektmanagement Office" abdecken können, für den maximal 6,5 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Weiter sollen im 3. Los 4 Zuschläge fürs "Business Engineering" erfolgen, wofür ein maximales Kostendach von 2 Millionen Franken budgetiert ist. Das Los 4 adressiert den Sektor "Business Analyse / Requirements Engineering", für den 4 Anbieter maximal 7 Millionen Franken erwarten können.
Im 5. Los sollen im Bereich "IT-Architektur" 5 Zuschläge erfolgen, für die ein Kostendach von maximal 8,5 Millionen Franken ausgeschrieben ist. Im 6. Los geht es um "Testmanagement und Testing", für das 4 Dienstleister gesucht werden, an die bis zu 6 Millionen Franken fliessen sollen. Ausserdem sollen im 7. Los noch 4 Zuschläge für insgesamt höchsten 2,5 Millionen Franken in "Operatives Qualitäts- und Risikomanagement auf Stufe Projektleitung" fliessen. Und schliesslich geht es im 8. Los um den Bereich "Softwarecode-Qualitätsmanagement", das ebenfalls von 4 Firmen übernommen werden soll und wofür ein maximales Kostendach 4 Millionen Franken vorgesehen ist.
Wenig verwunderlich ist bei dieser Ausschreibung, dass Qualitätsanforderungen in allen 8 Arbeitsgebiete mit zwischen 60 % und 70% deutlich stärker gewichtet werden als der Preis. Vertragsverlängerungen sind übrigens bei keinem Los vorgesehen.