Bern will Übergangslösung für Bict-Lernende mitfinanzieren

31. August 2026 um 10:43
image
Foto: Giulia Squillace / Unsplash+

Der Kanton will sich an einer Übergangslösung für die rund 120 Lernenden des Bict beteiligen. Gleichzeitig hat das zuständige Gericht eine provisorische Nachlassstundung gewährt.

Der Ausbildungsbetrieb Bict will seinen Betrieb Ende September einstellen. Rund 120 Lernende in Informatik und Mediamatik sind davon betroffen. Der Kanton Bern, die IT-Branche und Bict seien inzwischen an einer Übergangslösung für die Lernenden im ersten und zweiten Lehrjahr dran.
Wie die 'Berner Zeitung' (Paywall) schreibt, sollen die betroffenen Jugendlichen das laufende Ausbildungsjahr entweder bei der Bict oder in einer ähnlichen Ausbildungsumgebung abschliessen können. Anschliessend sollen sie im Sommer 2027 in einen regulären Ausbildungsplatz bei einem Unternehmen wechseln.

Suche nach regulären Lehrbetrieben läuft

Der Hintergrund: Unter dem Jahr seien nur wenige entsprechende Lehrstellen verfügbar. Das Eidgenössische Personalamt bestätigte der Zeitung demnach, dass der Bund im kommenden Sommer weiterhin zehn bis elf Lernende der Bict für das dritte Lehrjahr übernehmen wolle. Bis dahin seien die entsprechenden Lehrstellen jedoch besetzt und keine Kapazitäten vorhanden. Auch die Post plane, im Sommer sieben Lernende für das dritte Lehrjahr zu übernehmen. Laut Zeitungsbericht soll auch hier das laufende Lehrjahr zunächst überbrückt werden.
Der Kanton Bern sei bereit, sich gemeinsam mit Arbeitgebern an den Kosten einer solchen Übergangslösung zu beteiligen, sagt Yves Brechbühler, Sprecher der Bildungs- und Kulturdirektion, gegenüber der Zeitung. Federführend sei der Verein ICT-Berufsbildung Bern.
Ein Teil der Bict-Lernenden wechselte nach den ersten beiden Ausbildungsjahren bereits zu grösseren Unternehmen. Andere blieben formell bei der Bict angestellt und hätten ein zweijähriges Praktikum bei Unternehmen absolviert, die selbst keine Lehrstellen anbieten. Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt des Kantons Bern unterstütze diese Jugendlichen nun bei der Suche nach einem regulären Lehrbetrieb.
Wie viele der rund 120 Lernenden inzwischen eine Anschlusslösung gefunden haben, ist laut dem Zeitungsbericht allerdings weiterhin offen.

Bict unter Nachlassstundung

Unterdessen hat sich die finanzielle Situation der Bict weiter zugespitzt. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat dem Unternehmen eine provisorische Nachlassstundung gewährt. Die entsprechende Eintragung im Handelsregister erfolgte diese Woche, wie die Zeitung berichtet.
Während der Nachlassstundung ist die Bict vorläufig vor Betreibungen durch ihre Gläubiger geschützt und muss einen Sanierungsplan ausarbeiten. Das Unternehmen steht dabei unter der Kontrolle eines vom Gericht eingesetzten Sachwalters. Diese Aufgabe habe der Berner Rechtsanwalt Thomas Gisselbrecht übernommen.
Derweil fand der angekündigte zweite "Round Table" statt. Dieser wurde von Regierungsrat Reto Müller, Bildungsdirektor des Kantons Bern, geleitet. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die die Bict auf ihrer Website veröffentlicht hat. Ein gemeinsames Communiqué der beteiligten Parteien sei derzeit in Arbeit und werde nach der Freigabe veröffentlicht, schreibt die Bict weiter.

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Zürich plant Phishing-Tests für 13'000 Angestellte

Das Amt für Informatik des Kantons Zürich will über 13'000 Verwaltungsangestellte mit Phishing-Simulationen für den Ernstfall sensibilisieren. Dafür soll eine Software angeschafft werden.

publiziert am 21.10.2026
image

Berner IT-Millionenprojekt ist schon in der Krise

Die Einführung des neuen Fallführungssystems im Kanton Bern verzögert sich massiv. Pilotprojekte wurden sistiert, Mehrkosten drohen.

publiziert am 20.10.2026
image

Martin Resel übernimmt Swisscoms Geschäftskundenbereich

Der bisherige Enterprise-Chef von A1 Telekom Austria wird Leiter des B2B-Geschäfts von Swisscom Schweiz. Er folgt auf Urs Lehner.

publiziert am 20.10.2026
image

Drohnen der St. Galler Kantonspolizei in der Kritik

Die Kantonspolizei St. Gallen nutzt neu Drohnen für Verkehrskontrollen. Nach Ansicht von drei Kantonsräten fehlen die rechtlichen Grundlagen für den Drohneneinsatz.

publiziert am 20.10.2026