Im vergangenen August kündigte Google Änderungen für Entwicklerinnen und Entwickler von Android-Apps an. Unter dem Titel "Neue Sicherheitsebene für zertifizierte Android-Geräte" wurde in
einem Blogbeitrag bekannt gegeben: "Ab nächstem Jahr wird Android verlangen, dass alle Apps von verifizierten Entwicklern registriert werden, um von Benutzern auf zertifizierten Android-Geräten installiert zu werden." Der Zeitplan sieht vor, dass die neuen Bedingungen in den ersten Ländern im September 2026 in Kraft treten und ab 2027 weltweit eingeführt werden.
Die neue Regelung schaffe Transparenz und erschwere es Angreifern erheblich, nach der Entfernung einer schädlichen App schnell eine weitere zu verbreiten, begründet der Konzern den Entscheid. Für Entwicklerinnen und Entwickler, die ihre Apps ausschliesslich ausserhalb des Play Stores vertreiben, hat Google eine neue Android Developer Console für die Verifizierung eingeführt.
Offener Brief an Google
Doch die Änderungen stossen auf Kritik. Im Februar wurde
ein offener Brief an Google publiziert mit der Forderung, "die obligatorische Registrierungspflicht für Entwickler für den Vertrieb über Dritte unverzüglich aufzuheben". Ausserdem solle die Plattformneutralität gewahrt werden: "Setzen Sie sich für Plattformneutralität ein, indem Sie sicherstellen, dass Android eine wirklich offene Plattform bleibt, bei der Googles Rolle als Plattformanbieter nicht mit seinen kommerziellen Interessen kollidiert." Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem die Free Software Foundation, die Electronic Frontier Foundation, F-Droid, Open Web Advocacy, Nextcloud und das Tor Project.
Unterzeichnet hat den Brief aus der Schweiz neben Proton auch die Digitale Gesellschaft (Digiges). Sie kritisierte in einer Mitteilung: "Obwohl Google es als Sicherheitsmassnahme darstellt, handelt es sich tatsächlich um die Einführung einer verpflichtenden und zentralisierten Überprüfung der Identität sämtlicher App-Entwicklerinnen und -Entwickler durch Google." Damit könnten User nur noch von Google validierte Anwendungen auf Android-Smartphones installieren. "Google hätte damit die Position, alleine zu entscheiden, welche Apps auf unseren Smartphones installiert werden dürfen."
Forderung nach rechtlichen Schritten
Ausserdem seien alternative App-Stores direkt betroffen, ebenso massgeschneiderte Lösungen und kleine Developer. Für sie werde es unmöglich, Anwendungen ohne vorherige Zustimmung von Google zu verbreiten, so die Digiges. Zudem stehe die Entscheidung auf europäischer Ebene im Widerspruch zum Geist des Digital Markets Act (DMA). Weiter seien auch Regierungen künftig nicht mehr in der Lage, den Zugang zu von ihnen entwickelten Android-Anwendungen für rein nationale Bedürfnisse zu gewährleisten.
Die Organisation ist in der Sache auch mit einer Beschwerde an die Wettbewerbskommission (Weko) gelangt. Darin heisst es: "Der Bund muss handeln, um die Schweiz vor diesen Risiken zu schützen." Die Weko müsse rechtliche Schritte ergreifen, "um Google zur Nichtumsetzung dieser Massnahme zu zwingen". Denn diese Entscheidung betreffe auch App-Entwickler und Geräte mit Bezug zur Schweiz.
"Bevormundung der Nutzer und Entwickler"
Nachgedoppelt mit einer Anzeige bei der Weko hat jetzt die Partei für Rationale Politik, Allgemeine Menschenrechte und Teilhabe (Parat). Nutzerinnen und Nutzer müssten bereits heute die Installation von Apps von ausserhalb des Play Stores explizit erlauben, schreibt Parat in einer Mitteilung. "Statt Sicherheit schafft die Developer Verification also bloss Bevormundung der Nutzer." Auch würden sich viele Developer von Open Source Apps nicht verifizieren lassen wollen, "da sie Google keine Ausweisdaten liefern und keine womöglich zunehmend restriktiven 'Terms of Service' akzeptieren wollen". Parat befürchtet, dass dadurch die Vielfalt an OS-Apps dramatisch zurückgehen werde.
"Das marktmächtige Google will unter dem Deckmantel vorgeblicher Sicherheit die Nutzerinnen und Entwickler bevormunden und Open Source Apps und Custom ROMs benachteiligen. Wir hoffen, dass die Weko hier zugunsten des Wettbewerbs eingreift", sagte Parat-Präsident Stefan Thöni in der Mitteilung.