Nun hat US-Präsident Joe Biden die im Frühjahr beschlossenen Neuerungen per Executive Order für US-Behörden für bindend erklärt. Der EU-Gerichtshof hatte am bisherigen Abkommen unter anderem bemängelt, dass die USA damit weiterhin zu grosse Möglichkeiten hätten, Daten aus Europa, die von US-Unternehmen übermittelt werden, zu überwachen. Auch sei es für EU-Bürgerinnen und -Bürger zu schwierig, in den USA Klagen wegen Verstössen gegen ihre Privatsphäre einzureichen.
Im Rahmen des erneuerten Abkommens sollen EU-Bürger nun Klagen bei einem von der US-Regierung unabhängigen US-Gremium, dem Data Protection Review Court (DPRC), einreichen können. Bevor eine Klage zum DPRC geht, wird sie allerdings auch von einem Datenschutzexperten, der zum Büro des Direktors der nationalen Nachrichtendienste gehört, geprüft. Das Büro "Office of the Director of National Intelligence" ist eine Art Zusammenschluss aller 17 US-Nachrichtendienste.
Kritiker wetzen die Messer
Politiker sowohl in den USA als auch in der EU hatten das neue Abkommen gelobt, da es eine deutliche Verbesserung des Schutzes der Privatsphäre mit sich bringe. Kritiker in der EU, allen voran der österreichische Datenschützer Max Schrems, bereiten sich allerdings bereits darauf vor, auch dieses Abkommen durch neue Gerichtsklagen abzuschiessen. Schrems hatte mit seinen Klagen nicht das Privacy-Shield-, sondern zuvor
auch schon das Safe-Harbour-Abkommen zu Fall gebracht.
Laut Schrems werden gewisse Ausdrücke, zum Beispiel "angemessene" Massnahmen ("proportionate") auch im neuen Abkommen nicht genau definiert. Zudem sei der DPRC nach den US-Gesetzen kein wirkliches Gericht. Früher oder später werde die Sache wieder vor den Europäischen Gerichtshof gelangen. Schrems ist bereits jetzt zuversichtlich, dass dieser sich auch gegen die neue Regelung aussprechen wird.
Ohne eine übergreifende Regelung wie das Privacy Shield müssen US-Unternehmen der EU individuell glaubhaft machen können, dass sie Daten gemäss den EU-Datenschutz-Richtlinien übertragen. Dies schafft nicht nur einen Mehraufwand, sondern auch Rechtsunsicherheit auf beiden Seiten.