Bis 2030 braucht die Schweiz 120'000 neue ICT-Fachkräfte

8. September 2022, 13:03
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Foto: ThisisEngineering RAEng / Unsplash

ICT-Fachkräfte sind weiterhin gesucht. Und in den nächsten Jahren entsteht eine grosse Lücke, die aktuell nicht gedeckt werden kann, zeigt eine Studie von ICT-Berufsbildung.

Die Nachfrage nach ICT-Fachkräften wächst weiter. Eine Studie vom Institut für Wirtschaftsstudien Basel (IWSB) im Auftrag von ICT-Berufsbildung Schweiz zeigt: Bis ins Jahr 2030 braucht die Schweiz aufgrund von Pensionierungen, Abwanderung und der digitalen Transformation etwa 119'600 zusätzliche ICT-Fachkräfte.
Wertschöpfungsverlust von 30 Milliarden Franken
Insbesondere Security-Fachkräfte seien gefragt. Obwohl sich die Anzahl der Mitarbeitenden im Bereich Sicherheit seit 2010 verdreifacht habe, würden bis 2030 zusätzliche 60% dieser spezialisierten Fachkräfte benötigt werden.
Der allgemeine Mangel von 119'600 könne jedoch teilweise gedeckt werden, heisst es. Das Bildungssystem bringt bis 2030 weitere 37'800 ICT-Fachkräfte ein, die Zuwanderung aus dem Ausland noch zusätzliche 43'600. So bleibt also eine Lücke von 38'700 ICT-Fachkräften, wie das IWSB berechnet. Mit Konsequenzen: Aus einer solchen Lücke würde hochgerechnet ein Wertschöpfungsverlust von 30 Milliarden Franken hervorgehen, sagte der Präsident von ICT-Berufsbildung Schweiz Andreas Kaelin an einer Medienkonferenz.
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Foto: ICT-Fachkräftesituation Bedarfsprognose 2030 / ICT-Berufsbildung Schweiz

Der Schlüssel für dieses Problem sei die Berufsbildung. "Nur dank der Berufsbildung können der Wirtschaft die ICT-Fachkräfte zugeführt werden, die für die Prosperität und Innovationskraft der Schweiz notwendig sind", sagte Kaelin weiter.
Betriebe sollen Lehrstellen schaffen
Die Berufsbildung sei mit Abstand die grösste Zubringerin an ICT-Fachkräften auf allen Bildungsstufen. 6 von 10 ICT-Lernenden absolvieren innerhalb von 5 Jahren nach Lehrabschluss eine tertiäre Ausbildung. An den Fachhochschulen verfügen sogar rund 2 von 3 Studierenden im Bereich der ICT über einen Berufsbildungsabschluss. Somit haben insgesamt 79% aller ICT-Abschlüsse ihren Ursprung in der Berufsbildung.
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Foto: ICT-Fachkräftesituation Bedarfsprognose 2030 / ICT-Berufsbildung Schweiz

Um die Fachkräfte-Lücke zu schliessen, fordert der Verband infolgedessen, noch mehr ICT-Fachleute auszubilden. Die Zahl der ICT-Lernenden sei 2021 durch Lehrstellenförderung schweizweit auf 10'414 gestiegen. Im Verhältnis zur Zahl der Vollzeitäquivalente im ICT-Berufsfeld (176'500) ergibt dies eine Lehrstellenquote von 5,9%. Ziel sei es, die Lehrstellenquote im ICT-Berufsfeld auf 8,1% anzuheben. Somit könnte der ICT-Fachkräftebedarf durch inländisch ausgebildeten Berufsnachwuchs gedeckt werden. "Spätestens mit 9 ICT-Beschäftigten sollten Betriebe die Bereitstellung einer ICT-Lehrstelle eingehend in Betracht ziehen – egal in welcher Branche sie tätig sind", sagte Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz.
Mangel in anderen Branchen spürbar
Der Fachkräftemangel betreffe jedoch nicht nur die ICT-Branche. Rund 68% der ICT-Fachkräfte arbeiten nämlich ausserhalb der Kernbranche. "Die ICT-Fachkräfte werden auch in anderen Branchen wie beispielsweise im Gesundheitswesen oder in der öffentlichen Verwaltung benötigt", erklärte Nils Braun, Studienleiter am IWSB, an der Pressekonferenz. "Deswegen sollte sich die gesamte Volkswirtschaft um mehr ICT-Fachkräfte bemühen."
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Foto: ICT-Fachkräftesituation Bedarfsprognose 2030 / ICT-Berufsbildung Schweiz

Die Schweizer ICT-Branche würde zwar nicht schrumpfen, aber in anderen Ländern wächst diese schneller. "Das deprimiert mich sehr", sagte Andreas Kaelin zum Schluss vor den Medien. "Wir müssen die ICT-Branche auf ein anderes Level bringen. Wir sollten in der Schweiz eine Vision formulieren, die heisst: Die ICT-Branche muss ein Standbein in der Schweiz bezüglich Wertschöpfung werden."
Auch die Leiterin von ICTBerufsbildung Zürich Barabra Jasch äussert sich in einem Interview mit inside-it.ch zum Fachkräftemangel. Der Fachkräftemangel bedroht laut ihr nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern auch die Sicherheit der Infrastruktur.

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