BIT steckt bis zu 15 Millionen in seinen Chatbot "Robit"

7. Dezember 2023 um 10:52
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Foto: Tobias Reich / Unsplash

Das Bundesamt musste einen Zuschlag korrigieren – aus rein formellen Gründen, wie das BIT erklärt. Zum Zuge kommt die Firma Innovation Process Technology, die bereits am Konzept von Robit beteiligt war.

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) bezahlt Innovation Process Technology (IPT) bis zu 15 Millionen Franken für die Weiterentwicklung des Chatbots "Robit". Die Firma konnte sich in einem offenen Verfahren in allen Losen durchsetzen – gegen bloss einen Kontrahenten.
IPT hielt bereits ein Mandat für Robit. Vor gut einem Jahr war ein Auftrag über 1,3 Millionen Franken freihändig an die Firma gegangen. Das im weit fortgeschrittenen Projekt gewonnene Wissen mache den Freihänder nötig, hiess es zum Zuschlag. Die Firma hatte sich 2019 einen ersten Auftrag in einer öffentlichen Ausschreibung ergattert.
Nun gehen also bis zu 15 Millionen über 10 Jahre an das Unternehmen. Wir hatten im Oktober noch von 1,5 Millionen geschrieben. Das hatte das BIT damals auch publiziert, musste den Zuschlag aber widerrufen. Es sei irrtümlich nur das Jahresvolumen statt der gesamten Laufzeit publiziert worden, heisst es auf Anfrage. Das Amt schreibt uns: "Es handelt sich mithin einzig um eine formale Berichtigung der vergangenen Zuschlagspublikation, nicht um eine materiell-inhaltliche Korrektur".

130'000 Tickets aus 80 Ämtern

Es wird also keine neue Ausschreibung geben. Um den Wettbewerbsvorteil von IPT auszugleichen, wurden deren Vorleistungen in der Ausschreibung publiziert und Referenzen zu Robit nicht als Vorleistungen akzeptiert, wie den Unterlagen zu entnehmen ist. Die im Projekt erworbenen Kenntnisse würden nicht in die Bewertung einbezogen. Dennoch hatte sich lediglich ein einziger Kontrahent ins Rennen gewagt und dieses nun verloren.
Das Bundesamt für Informatik hatte seinen Chatbot gegen Ende 2020 in Betrieb genommen, um Mitarbeitenden in der Bundesverwaltung bei Störungen zu helfen. Das BIT erhoffte sich eine Entlastung des menschlichen Servicedesks durch Ratschläge für die Selbsthilfe, aber auch dank besserer Support-Tickets. Die Supportorganisation des BIT muss mit ihren 32 Vollzeitstellen (FTEs) jährlich über 130'000 Tickets aus 80 Ämtern bearbeiten.
Robit wurde seit der Inbetriebnahme 2020 stetig weiterentwickelt. Der Chatbot kommuniziert nun in mehreren Sprachen und verfügt in Vorbereitung auf einen Einsatz von KI bereits heute über Freitextfelder. Zur Entlastung des Servicedesks sollen nun dank Künstlicher Intelligenz Informationen weiter konsolidiert, Problemmuster erkannt und die Online-Ticketerfassung besser gesteuert werden können.

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