Bündner Open-Source-App nützt der Katastrophenhilfe in Tonga

1. Februar 2022 um 15:55
  • technologien
  • analytics
  • open source
  • opengis.ch
image
Eines der Teams, die im vergangenen Dezember auf Tonga Landwirtschaftsdaten erfasst haben. Foto: Opengis.ch

Die App Qfield wurde zur Erfassung von Landwirtschaftsdaten verwendet, die nun nach dem Vulkanausbruch äusserst nützlich sind.

Vor sieben Jahren startete in Laax im Kanton Graubünden das auf Geoinformationssysteme spezialisierte Jungunternehmen Opengis.ch. Es entwickelte die Open-Source-App Qfield und den dazugehörigen Cloud-Service Qfield Cloud Mittlerweile werde das Produkt an vielen Orten der Welt eingesetzt, teilt das Unternehmen mit Qfield kann auf handelsüblichen Smartphones oder Tablets eingesetzt werden und dient der Erfassung von Daten im Feld, die dann mit Geolokalisationsdaten verknüpft werden.
Im pazifischen Inselstaat Tonga wurden damit im Dezember 2021 Landwirtschaftsdaten erfasst, als noch niemand etwas von dem verheerenden bevorstehenden Vulkanausbruch am 15. Januar 2022 ahnen konnte. Die eigentlich für einen anderen Zweck gesammelten Daten erweisen sich nun als hilfreich bei der Bewältigung der Folgen der Naturkatastrophe, wie Opengis.ch mitteilt. Ein bisschen Glück im grossen Unglück, könnte man also sagen.
Wie uns der Opengis-Mitgründer Marco Bernasocchi erklärte, haben auf Tonga Ende des vergangenen Jahres 40 Leute in 6 Wochen mit Qfield Daten von 11'000 landwirtschaftlichen Betrieben erfasst. Dies geschah im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, Wald und Fischerei. Zu den erfassten Daten gehörte beispielsweise, wo und auf wieviel Fläche welche Pflanzensorten angebaut werden. Nun können diese sehr aktuellen Daten dem Ministerium unter anderem dabei helfen, Schäden in der Landwirtschaft und Ernteausfälle schnell abzuschätzen und die Katastrophenhilfe und den Wiederaufbau zu steuern.
Dies freut auch John Duncan, von der University of Western Australia, der an dem Projekt zur Unterstützung von Tonga mitarbeitet: "Die Daten waren ursprünglich für Ernährungssicherheit und Landwirtschaftsplanung vorgesehen. Doch jetzt haben sie plötzlich einen enormen Wert erhalten und können für die Katastrophenhilfe verwendet werden."
Wie auch in anderen Projekten beispielsweise auf Fiji, sah das ursprüngliche Projekt vor, die vor Ort gesammelten Daten zu verwenden, um KI-Lösungen zur Analyse von Satellitenbildern zu trainieren und deren Resultate zu validieren. Dies soll die Überwachung von Entwicklungen in der lokalen Landwirtschaft später automatisieren und effizienter machen.
Qfield kann kostenlos genützt werden. Laut Bernasocchi ist ihm dies sehr wichtig: "Ich möchte, dass nicht nur die privilegierten Nationen von unserer Arbeit profitieren. Wir entwickeln das Produkt stets weiter und verdienen unser Geld vor allem mit Support, bezahlten Weiterentwicklungen und Spezial-Lösungen. Unser Produkt jedoch ist öffentlich zugänglich." Das Unternehmen finanziere sich zu 90% durch Schweizer Kunden, sei aber stolz darauf, dass sein Produkt auf der ganzen Welt eingesetzt wird.

Loading

Mehr zum Thema

image

Kommando Cyber verabschiedet sich von Microsoft

Statt mit M365 sollen die Cyberspezialisten der Armee schon ab Oktober mit Opendesk arbeiten. Grund ist der "US Cloud Act".

publiziert am 13.7.2026
image

Apple klagt gegen OpenAI

Der Konzern wirft dem KI-Unternehmen den Diebstahl von Firmengeheimnissen vor. Im Fokus steht die Entwicklung von Hardware.

publiziert am 13.7.2026
imageAbo

Bundesrats-App kommt bald auf Smartphones

Die App soll der Bevölkerung Informationen von Bundesrat und Bundesverwaltung anbieten. Ein Auftrag für Entwicklung und Support wurde an die Firma Apps with love erteilt.

publiziert am 23.6.2026
image

Schweizer Hochschulen erfassen KI-Betrug kaum

Eine Umfrage unter 31 Schweizer Hochschulen zeigt, dass Fälle unerlaubter KI-Nutzung selten dokumentiert werden. Dennoch verzichten viele Institutionen auf eine systematische Erfassung.

publiziert am 23.6.2026