Cern führt Phishing-Test durch – und spricht von "traurigem Ergebnis"

29. August 2022 um 09:30
  • security
  • f&e
  • Cern
image
Foto: Michal Matlon / Unslash

Bei dem Test des internen Security-Teams gaben 1800 Personen mit einem Cern-Mail-Konto ihre Passwörter preis. Jetzt wird überall die 2-Faktor-Authentifizierung verlangt.

Am 1. August verschickte das IT-Security-Team des Cern 22'731 E-Mails. Eines an jede In-Box einer Person, die über eine E-Mail-Adresse der Forschungseinrichtung mit Hauptsitz in Meyrin nahe Genf verfügt. Die Mails enthielten als Absender ebenfalls eine Cern-Adresse, dazu Vor- und Nachnamen, die ähnlich klingen wie die von Cern-Mitarbeitenden, aber fiktiv waren.
Die Mails hatten als Betreff Titel wie "Neue Voicemail von +41792231243", "Update auf Ihrer Rechnung", "Der neuste Covid-2022-Bericht", Informationen über "Ihr Office 365-Abonnement" oder "Ihren unterschriebenen Vertrag". Wer auf den enthaltenen Link klickte, wurde auf eine Anmeldeseite weitergeleitet und zur Eingabe des Cern-Benutzernamens und des persönlichen Passworts aufgefordert.

"Sie setzen ihr Gerät und digitales Leben aufs Spiel"

Mehr als 1800 Personen – ca. 10% aller Mitarbeitenden und am Cern involvierten Forschenden von ausserhalb – seien dieser Aufforderung nachgekommen und in die Falle getappt. Sie gaben ihren Benutzernamen auf der gefälschten Single-Sign-On-Seite ein und versuchten auch, ihr Passwort einzugeben, schreibt das Security-Team in seinem Bericht.
Zum Glück seien die E-Mails "Teil unserer jährlichen Kampagne zu Cybersicherheitsrisiken" gewesen. Trotzdem sei das Resultat des Tests "traurig" ausgefallen. "Für diejenigen, die diesen letzten Schritt getan haben, BOOM! Sie haben nicht nur ihr Gerät und ihr digitales Leben aufs Spiel gesetzt, als sie auf den ursprünglichen Link geklickt haben, indem sie ihr Cern-Passwort an eine bösartige Website weitergegeben haben, haben sie Betrug und Sabotage Tür und Tor geöffnet."

Interner Widerstand gegen 2-Faktor-Authentifizierung

image
Empfehlungen der Cern-IT-Security zum Umgang mit Phishing-Mails. Grafik: Cern
Das Security-Team des Cern gibt in seinem Bericht Empfehlungen zum Umgang mit möglichen Phishing-Mails und den hauseigenen Sicherheitsmechanismen ab. "Ergänzen sie ihr Passwort, indem sie ihr Konto mit einem zweiten Faktor, d.h. ihrem Mobiltelefon oder einem Hardware-Token, schützen", werden die Mitarbeitenden aufgefordert.
Ende Juli hatte das Team bereits eine Mitteilung dazu veröffentlicht. Man habe begonnen, die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu implementieren. Diese gelte als "der heilige Gral" für den Schutz von IT-Konten. "Dennoch stossen wir auf Widerstand", schrieben die Sicherheitsverantwortlichen. Sie würden sich allmählich fragen, "warum Mitglieder der Cern-Gemeinschaft bereit sind, ihr Bankkonto mit Zwei-Faktor-Authentifizierung zu schützen, die Verwendung aber bei der Arbeit vermeiden, wenn ihr Job das Geld auf diesem Konto einbringt".
Cern-Ciso: "Die Neugierde mancher Menschen ist maximal" Im Nachgang zu diesem Artikel hat inside-it.ch ein Interview mit Cern-Ciso Stefan Lüders geführt. Lesen Sie hier seine Antworten: Was hinter dem Test steckte, welche Erkenntnisse man dazu beim renommierten Genfer Kernforschungsinstitut gewonnen hat und wie das Cern versucht, mit dem Problem umzugehen.


Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

image

Kritische PHP-Lücken gefährden Webserver weltweit

Zwei kritische Schwachstellen in PHP könnten Angreifern ermöglichen, Webserver aus der Ferne zu übernehmen. Die Sicherheitsupdates sollen umgehend eingespielt werden.

publiziert am 21.10.2026
imageAbo

Zürich plant Phishing-Tests für 13'000 Angestellte

Das Amt für Informatik des Kantons Zürich will über 13'000 Verwaltungsangestellte mit Phishing-Simulationen für den Ernstfall sensibilisieren. Dafür soll eine Software angeschafft werden.

publiziert am 21.10.2026
image

Datenleck bei Publica gefährdet auch Sicherheitsbehörden

Der Cyberangriff auf den IT-Dienstleister der Pensionskasse könnte sensible Personendaten von Bundesangestellten betreffen. Die Ransomware-Gruppe Akira soll Lösegeld gefordert haben.

publiziert am 20.10.2026
image

Microsoft Teams wird bevorzugter Angriffsvektor

Vermeintlich vertrauenswürdige Plattformen wie Microsoft Teams werden je länger, je mehr von Cyberkriminellen für Angriffe auf Unternehmensinfrastrukturen missbraucht.

publiziert am 19.10.2026