Der Cyberangriff auf einen externen IT-Dienstleister der Pensionskasse des Bundes Publica könnte weitreichende Folgen für die Sicherheit der Schweiz haben. Bei dem
Angriff auf PK Softech Ende September wurden Daten aus der IT-Infrastruktur des Unternehmens entwendet. Die Bundesanwaltschaft hatte umgehend Ermittlungen aufgenommen.
Nach Einschätzung involvierter Bundesstellen könnten persönliche Daten von weit über 100'000 aktuellen und ehemaligen Bundesangestellten abgeflossen sein. Darunter befänden sich auch Mitarbeitende von Sicherheitsbehörden. Das geht aus einer Recherche der
'Tamedia'-Zeitungen (Paywall) hervor.
Laut Bericht sind in den Datensätzen auch Arbeitgeberangaben zu Personen enthalten, die unter Tarnidentität für das Bundesamt für Polizei (Fedpol) oder den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) tätig sind. Einer internen Einschätzung zufolge, auf die sich der Bericht stützt, besteht für einzelne Betroffene sogar eine "Gefährdung für Leib und Leben". Der NDB verzichte deshalb vorerst auf bestimmte Operationen, heisst es weiter. Einen Rückruf von Agentinnen oder Agenten aus dem Ausland habe es bislang aber nicht gegeben.
Akira fordert Lösegeld
Laut der Zeitung gehen die involvierten Bundesstellen davon aus, dass die Ransomware-Bande Akira für den Angriff verantwortlich ist. Die Gruppe habe die gestohlenen Daten zurückgehalten und fordere Lösegeld. Für den Fall einer ausbleibenden Zahlung drohe sie damit, die Informationen zu veröffentlichen oder zu verkaufen. Weder Bund noch Publica haben die Täterschaft oder eine angebliche Lösegeldforderung bisher bestätigt.
Umfangreiche Personendaten betroffen
Nach Angaben von Publica könnten unter anderem Namen, Geburtsdaten, AHV-Nummern, Adressen, geschäftliche und private Telefonnummern sowie E-Mail-Adressen abgeflossen sein. Auch Vorsorgedaten wie Lohnangaben, Informationen zum Zivilstand und Angaben zu Partnerinnen oder Partnern könnten betroffen sein. Die Informationsseite der Pensionskasse führt zudem IBAN als möglicherweise betroffenes Datenfeld auf.
Gemäss Bericht hat das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik bereits erste betrügerische Kontaktversuche im Zusammenhang mit Publica festgestellt. Publica selbst warnte am 14. Oktober vor möglichen Betrugsversuchen und erklärte, dass zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf eine Veröffentlichung der Daten im Darknet vorlägen. Die Analyse des tatsächlichen Datenabflusses dauere an.
Bund setzt Taskforce ein
Wie die Zeitung weiter berichtet, hat Staatssekretär Markus Mäder eine Taskforce eingesetzt. Sie soll die Folgen des Datenabflusses für die Sicherheit des Bundes untersuchen. Die Leitung liege bei Anne Rivera, der Beauftragten für Informationssicherheit beim Bund.
Welche Daten tatsächlich entwendet wurden, welche Personen betroffen sind und ob die gestohlenen Informationen bereits weitergegeben wurden, ist weiterhin Gegenstand der laufenden Abklärungen. Neben Publica könnten
weitere grosse Pensionskassen vom Angriff auf PK Softech betroffen sein. Auch dort laufen derzeit Abklärungen zu einem möglichen Datenabfluss.