In Las Vegas startet mit der Consumer Electronics Show (CES) die wichtigste Technikmesse des Jahres. Zum diesjährigen Event werden – auch dank des Hypes um Künstliche Intelligenz – rund 130'000 Besucherinnen und Besucher aus aller Welt erwartet. Das sind mehr als im Vorjahr und eine deutliche Steigerung gegenüber der Zeit nach der Covid19-Pandemie.
Die Besucher erwartet ein Sammelsurium an neuen Technologien und Innovationen. Besonders im Fokus stehen Chatbots. Sie können die Art und Weise verändern, wie wir mit der Technik interagieren. Auf der CES kann man bereits einen Blick in die Zukunft werfen und sich mit Hausgeräten oder Fahrzeugen in ganzen Sätzen unterhalten.
Zugleich wollen Anbieter von Software mit Künstlicher Intelligenz zu jeder Zeit mehr Daten sammeln, damit ihre Assistenten die Bedürfnisse der Nutzer besser verstehen. Die Firmen versprechen aber, diese Informationen besonders sicher zu lagern.
Das Auto und der Herd sprechen
Der deutsche Autobauer VW beispielsweise integriert den populären Chatbot ChatGPT in seine Fahrzeuge. Die KI-Software werde im hauseigenen Sprachassistenten IDA verfügbar sein, kündigte die Firma auf der Messe an. An der CES gibt es erste Fahrzeuge mit solchen Funktionen zu sehen.
ChatGPT soll in mehrere Serienmodelle des Fahrzeugherstellers kommen. Die Idee ist, die Kommunikation mit dem Auto natürlicher zu machen. VW wird nach eigenen Angaben der erste Volumenhersteller sein, der den Chatbot in Serienfahrzeuge einbaut. Konkurrenten prüfen das ebenfalls.
Der südkoreanische Elektronikhersteller LG stellte auf der CES zahlreiche Haushaltsgeräte in Aussicht, die den Nutzern Hinweise in ganzen Sätzen geben können, statt einfache Benachrichtigungen. Darunter ein Herd, der auf der Messe präsentiert wurde.
Alles sammelt Daten für KI
Damit die KI-Software besser auf die Bedürfnisse der Nutzenden zugeschnitten werden kann, will LG im grossen Stil Daten aus hunderten Millionen Geräten in Haushalten nutzen. Während KI-Programme oft mit Daten aus dem Internet optimiert würden, habe LG die "einzigartige Möglichkeit", dafür Informationen aus dem Alltag zu verwenden, sagte Konzernchef William Cho. Dies werde natürlich nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer passieren, schränkte er ein.
Aus den Interaktionen mit verschiedener Technik im Haushalt könne man Schlüsse über Verhaltensmuster und die Stimmung von Personen ziehen, sagte Cho. Dies sei zum Beispiel über den Tonfall und den Gesichtsausdruck möglich. Mit solchen Daten habe man ein besseres Verständnis davon, was Nutzer brauchen und wollen. Persönliche Daten sollen auf Geräten direkt in den Haushalten verarbeitet und besonders geschützt werden. LG will seine Smarthome-Plattform auch für andere Anbieter öffnen.
Kleine Roboter im Haus
LG und Samsung tüfteln auch an kleinen Robotern, die den Menschen im Haushalt zur Seite stehen sollen und für KI-Assistenten Daten sammeln können. Der "AI Agent" von LG ist mit Kameras und anderen Sensoren ausgestattet und kann so das Haus erkunden und mit den Bewohnern kommunizieren. Er könne zum Beispiel nötige Medikamente vorbeibringen, die Bewohner an der Haustür begrüssen und bei Bedarf Notrufdienste verständigen, erläuterte LG.
Samsung zeigte nach 4 Jahren eine neue Version seines kugeligen Mini-Roboters "Ballie". Er kann dank seiner Kameras helfen, einen 3D-Plan des Hauses zu erstellen, der die Bedienung eines vernetzten Zuhauses erleichtern soll. Das Gerät hat jetzt auch einen Projektor, der Bilder und Informationen an der Wand oder der Decke anzeigen kann. Mit Einblendungen auf dem Boden kann "Ballie" auch Haustiere beschäftigen.
Elektroauto lädt sich selbst
Die Technikmesse wurde in den vergangenen Jahren auch immer mehr zu einer Automesse. Unter anderem Mercedes und der Zulieferer Continental sind in Las Vegas dabei, während sich die amerikanischen Branchenriesen nach dem teuren Streik der US-Gewerkschaft UAW zurückhalten.
Bosch und VW lassen Elektroautos probeweise automatisch zu einer Ladesäule fahren und ihre Batterien auffüllen. Danach suchen sich die Fahrzeuge eigenständig einen freien Platz im Parkhaus. Bosch und Volkswagens Software-Tochter Cariad sehen in der Idee eine Lösung für Wartezeiten vor den Säulen.
Mit dem System entfielen auch Blockierungsgebühren für Fahrer, die ihre Autos nach Abschluss des Ladevorgangs nicht schnell genug wegfahren. Das fahrerlose Laden wird von Bosch in Ludwigsburg getestet. Das Ladekabel wird von einem Roboterarm automatisch ein- und wieder ausgesteckt.
(Mit Material von Keystone-sda)