Crypto Valley: Sehr gute Miene zum sehr bösen Spiel

27. Januar 2023 um 08:51
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Zug beherbergt 510 Firmen aus dem Blockchain-Umfeld. Foto: Timon Stalder / Unsplash

Die Investoren-Vereinigung CV VC befindet im neusten "Top 50"-Report: Der Laden brummt, die Zukunft strahlt. Sie hat dafür einige Fantasie walten lassen.

Das Crypto Valley lebt. Die Top-50-Firmen bringen einen Marktwert von 185 Milliarden Dollar zusammen, es traben 9 Einhörner durch das Zuger Tal und die Anzahl der Firmen und deren Beschäftigten-Heer nimmt weiter zu. Es ist ein schönes Bild, gemalt von der Investorenvereinigung Crypto Valley Venture Capital (CV VC) im neusten "Top 50"-Report.
Man könnte meinen, das Crypto Valley prosperiere, während die übrige Kryptowelt nach den Zinserhöhungen der US-Zentralbank und dem Konkurs von Luna, Celsius, Arrow und zuletzt FTX in einen Negativstrudel geraten ist. Im Report wird auch darauf Bezug genommen und auf die Widerstandsfähigkeit des hiesigen Standortes verwiesen. Tatsächlich sind die Schweizer Blockchain-Finanzfirmen verhältnismässig gut reguliert ein Vorteil in unsicheren Zeiten. Bloss: Die Firmen- und Beschäftigtenzahl steigt deutlich langsamer als bisher, wie im Report eingeräumt wird.
1135 Firmen sind schweizweit im "Valley" aktiv, 7 mehr als letztes Jahr, während die Beschäftigtenzahl von 5184 auf 5766 stieg. Und das ist noch nicht der aktuelle Stand. Bitcoin Suisse wird etwa noch mit 240 Beschäftigten gelistet und führt die Mitarbeitenden-Rangliste der Top 50 an. Erst vor wenigen Tagen hat der Branchenveteran aber Entlassungen angekündigt. Nicht ganz klar ist zudem, welche Firmen mit welchen Abteilungen gezählt werden, im Report sind auch Julius Bär, Swissquote, Swisscom Ventures, SIX oder PwC als "aktiv im Bereich" aufgeführt.
Unübersichtlich wird es schliesslich bei der Marktbewertung. Diese soll für die 50 Topfirmen am 31. Dezember 2022 185 Milliarden Dollar betragen haben, im Jahr zuvor zählte CV VC noch fast 612 Milliarden. Der Marktwert der jeweiligen Kryptowährung wird dabei mit dem Wert der Trägerstiftungen gleichgesetzt. Damit machen es sich die Autoren sehr einfach und der Bericht ist angesichts der volatilen Kurse teils schon überholt, wenn er erschienen ist. Der Ansatz sei aber Branchenstandard, erklärte der damalige Studienautor Ralf Kubli letztes Jahr auf Anfrage von inside-it.ch.

8. Report: Neue Unterteilung in der Bewertung

Nun hat man aber im Valley methodische Fantasie walten lassen. Offiziell will man die Divergenz in der Bewertung von kommerziellen Firmen wie Sygnum oder Seba gegenüber Blockchain-Plattformen wie Ethereum unterstreichen. Darum wurden diese nun im bereits 8. Report aufgeteilt. Zum Vergleich: Ethereum wird mit seinen 11 Angestellten in der Schweiz mit 148 Milliarden bewertet, 21.co, der Primus unter den "kommerziellen Firmen", kommt mit 50 Angestellten auf 2 Milliarden. Die Aufteilung macht durchaus Sinn. Doch warum kommt sie erst jetzt?
Die Erfolgszahlen im Valley stiegen lange so stark, weil der Marktwert der Kryptowährungen anwuchs, was man auch jeweils zu bejubeln wusste. Das hat sich nun umgekehrt. Die Bewertung der "Plattformen" ist von 605 Milliarden Dollar auf noch 175 gefallen: Allein Ethereum verlor fast 290 Milliarden. Die "kommerziellen Firmen" indes, so wird im Bericht rapportiert, sind nach Marktkapitalisierung von 6,3 auf 9,7 Milliarden angewachsen.
Tatsächlich dürfte es ein solideres Geschäft sein, was Seba, Sygnum und Co. betreiben, auch wenn sie unter dem Kryptowinter leiden. Man sollte sich dann aber mit allzu utopisch-schwärmerischen Anpreisungen zurückhalten, wenn man über die regulierten Firmen schreibt. In den "Investment-Thesen" heisst es in grossen Buchstaben: "Wir investieren in die Blockchain, weil sie mehr ist als nur eine Technologie. Blockchain ist eine neue Denkweise sowie eine game changing 'Katalysator-Technologie'." Der Optimismus dazu wird im Report über 70 Seiten ausgebreitet.

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