Ein Blockchain-Angebot soll Adnovum und Kunden neue Geschäftspotentiale erschliessen. Welche Fragen sich stellen, zeigt ein erster Vorzeige-Case.
"Business-Ökosysteme sind ein Trend", sagte Stéphane Mingot, Innovation Engineer und Product Owner bei Adnovum an einem IT-Frühstück hoch über Zürichs Dächern vor Interessierten von Banken oder aus der Autobranche.
An diesem Trend will der Zürcher Software-Hersteller teilhaben, indem er "Secure Blockchain for Business" lanciert, ein Permission-based Enterprise-Blockchain-Angebot. Die drei Eckpfeiler der Lösung, so Mingot, bilden ein "Plug & Create"-Konzept, Security by Design und dass Adnovum den Lifecycle aller Objekte im Blockchain-Ökosystem von A bis Z managen könne.
Für Ökosysteme oder solche, die ein solches begründen wollen, könnte eine Private Blockchain businessrelevant sein. Dies glaubt und hofft Adnovum nach zwei Jahren Beschäftigung mit dem Thema und einem ersten Vorzeigeprojekt.
Blockchain for Business ist noch ein erklärungsbedürftiges Angebot, dies zeigte sich am Adnovum-Event. Man muss sowohl für das Konzept eines Ökosystems sensibilisieren, als auch die Blockchain-Technologie in Abgrenzung zu Bitcoin erklären. So warben die Referenten denn auch für beides.
Und es gibt kritische Faktoren bei der Implementierung einer Private Blockchain zu berücksichtigen. Dazu gehören nicht triviale Themen wie die Datenqualität, Datenabgleich, Daten-Ownership und die Orchestrierung von Prozessen aller Art. Dies ganz abgesehen von regulatorischen Fragen und Security-Anforderungen sowie dem Willen der Beteiligten, gar unter Konkurrenten.
Hürden und Fragen für ein Blockchain-Ökosystem
Ein konkretes Beispiel konnte Adnovum zeigen: ein Axa-Vertreter erläuterte die Car-Dossier-Blockchain, welche ein Konsortium aus Universität Zürich, der Hochschule Luzern, AMAG, Axa, Mobility und dem Strassenverkehrsamt Aargau
zusammen mit Adnovum aufbauen möchte und von einem Schweizer Standard träumt. Das Konsortium will 800'000 jährliche Besitzerwechsel von Autos mit einer Private Blockchain sicher und gesetzeskonform in den Griff kriegen. In der Blockchain soll von der "Geburt" eines Autos bis zum Schrottplatz alles registriert werden, alle Besitzer, Kilometerstände und Garagisten-Services. Via QR-Code oder Hash sollen bei einer Handänderung für alle Beteiligten die verfügbaren Daten abrufbar sein, sofern vorhanden, und dies abgestuft zwischen individuellen Daten und einem Ranking der Auto-History und des Verkaufspreises basierend auf allenfalls anonymisierten Informationen.
Als Basisinfrastruktur dafür setzen Adnovum und das Car-Dossier-Konsortium auf die Open-Source-Lösung Hyperledger.
Aktuell sind im Projekt einige Hürden zu meistern. Die Security scheint dabei die kleinste zu sein. Einige der grösseren Hürden sind nur indirekt beeinflussbar. So die "E-ID", der digitale Fahrzeugausweis oder erteilt der EDÖB das "Gütesiegel" des Bundes oder eine andere Stelle. Es stellen sich weitere Fragen: Wie kann man eine Blockchain bei noch fehlenden technischen Standards entwicklungsfähig bauen? Wie kann man die wachsenden Datenberge rückwärts im Griff behalten? Wie kann man Smart Contracts updaten oder auch Verschlüsselungen? Darauf muss man Antworten finden. Vier PhD-Absolventen sollen einige beantworten, Informatiker und Anwälte andere.
Noch steckt "Car Dossier" in den Anfängen. Axa und die anderen Partner suchen weitere Stakeholder für das Ökosystem, damit das heutige Innosuisse-Projekt 2020 live gehen könnte.
Unabhängig, ob Car Dossier erfolgreich verläuft, verspricht Mingot der Welt schon heute: "Unsere Plattform erlaubt eine schnelle und kostengünstige Implementierung von Blockchain-basierten Ökosystemen."
Im Visier hat Adnovum erklärtermassen die Immobilienbranche, in welcher ein blockchainbasiertes Ökosystem aus Investoren, Architekten, Behörden, Facility Managern und andern Interessierten entstehen soll. Ein erster Roundtable habe schon stattgefunden, in Workshops will man bald die identifizierten Use Cases vertiefen.
Immobilien? Das sei nicht aussergewöhnlich an sich. Adnovum stehe seit 30 Jahren für die Digitalisierung von Firmen, die sich differenzieren wollen, erklärt Adnovum-CCO Peter Gassmann im Gespräch. Und darum gehe es auch mit "Secure Blockchain für Business". Die Blockchain soll Adnovum aber auch die Türen zu Branchen öffnen, die traditionell nicht auf der Referenzenliste der Zürcher stehen. (Marcel Gamma)