Die führenden Industrienationen G7 wollen das Kryptogeld Libra des US-Konzerns Facebook nicht ohne ordnungsgemässe Regulierung an den Start gehen lassen. Dies geht aus einem Entwurf für das Treffen von Finanzministern und Währungshütern der G7-Staaten hervor, welcher
der Nachrichtenagentur 'Reuters' vorliegt.
Zur G7-Gruppe gehören die USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Grossbritannien.
Facebooks Libra wäre eine sogenannte Stablecoin, eine Kryptowährung, deren Kurs fix an eine Landeswährung gebunden ist. Sowohl die G7 als auch die Gruppe der 20 grössten Industrienationen (G20) beschäftigen sich gegenwärtig damit, wie solche Währungen reguliert werden sollten.
Eigentlich, so besagt der G7-Entwurf laut 'Reuters', wäre die Möglichkeit, internationale Zahlungen via Stablecoins zu tätigen, eine gute Sache. Dies könnte die Effizienz verbessern und die Kosten senken und in der Folge zum Beispiel würde auch der Bevölkerung in ärmeren Ländern geholfen. Im Papier werde aber auch vor Risiken von nicht ausreichend regulierten Kryptowährungen gewarnt, da sie beispielsweise für Geldwäsche und Terrorfinanzierung genutzt werden könnten.
Während der G7-Entwurf nicht öffentlich ist, hat das Financial Stability Board (FSB) der G20 gerade
Empfehlungen für internationale Regeln für Stablecoins herausgegeben, zusammen
mit einem detaillierten Zeitplan (PDF), wann was geschehen könnte. Diese Empfehlungen sollen an einem Treffen am morgigen 14. Oktober von Finanzministern und Zentralbankchefs der G20 besprochen werden.
Das FSB betont, dass die Verbesserung der Infrastrukturen für internationale Zahlungen während der G20-Präsidentschaft von Saudi-Arabien eine Priorität geworden sei. Auch das FSB betont die Vorteile, welche Stablecoins mit sich bringen könnten. Das Ziel der G20 sei es, ihre Verwendung als Zahlungsmittel zu fördern. Aber, so wird betont: Alle potentiellen Herausgeber sollten gleich lange Spiesse haben, und deshalb sei es notwendig, internationale Regulierungs-Standards auszuarbeiten.
Das bedeutet insbesondere, dass eben auch Privatunternehmen wie Facebook die gleichen Regeln befolgen müssen wie Zentralbanken, wenn sie Stablecoins ausgeben wollen.
Facebook hat mit seinen Plänen für ein eigenes Digitalgeld Regierungen, Aufseher und Zentralbanken weltweit auf den Plan gerufen.
Im April 2020 stellte die für den Aufbau der "Cyber-Devise" gegründete Libra Association in der Schweiz einen Antrag für die Bewilligung als Zahlungsmittel bei der Finma.