GPK kritisiert IT-Führung des Kantons Zürich scharf

24. August 2017 um 12:57
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Der wichtige IT-Bereich könne heute nicht wirksam und im Interesse des Kantons geführt werden.

"Gravierende Mängel" bei der Steuerung, "vernachlässigte Verantwortung" und "fehlendes Bewusstsein" für die Bedeutung der kantonalen IT, so die Kritik der Geschäfts­prüfungs­kommission an der IT-Organisation des Kantons Zürich. In einem Bericht gibt die GPK Empfehlungen ab, um frühere Fehler zu vermeiden.
Bei der Führung und Steuerung der IT in der Kantonsverwaltung Zürich bestünden "gravierende Mängel". Der Regierungsrat habe seine Führungsverantwortung vernachlässigt und an ungeeigneten Organisationsstrukturen festgehalten. Zu diesem Schluss kommt die Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates (GPK) nach einer vertieften Untersuchung. Ausserdem fehle es am Bewusstsein für die grosse strategische Bedeutung des Informatikbereichs. Heute sei nicht gewährleistet, dass der strategisch wichtige IT-Bereich wirksam und im Interesse des Kantons geführt werden könne, heisst es im Bericht.
Die IT-Strategie des Kantons von 2008 wurde schon in einem externen Prüfungsbericht von BDO als gescheitert beurteilt. Wie auch BDO bemängelt nun die GPK, dass die direktionsübergreifende Zusammenarbeit ungenügend sei. Die GPK habe für den heute publizierten Bericht das IT-Management der Kantonsverwaltung in den letzten zwei Jahren vertieft untersucht und empfiehlt unabhängig vom eigenen Bericht, dass der Regierungsrat alle Empfehlungen im BDO-Bericht "unvoreingenommen und mit einer konstruktiven Grundhaltung" prüfen solle.
Nach dem Start der GPK-Untersuchung ist der Regierungsrat tätig geworden, schreibt die Kommission. Anfang 2017 hat er erstmals öffentlich Handlungsbedarf bei der IT-Organisation eingestanden. Ende Jahr will die Regierung die Grundzüge der künftigen IT-Organisation des Kantons festlegen.
"Fehlende Kompetenzen und mangelnder Austausch"
Dem Regierungsrat habe es bisher an Führungswillen gegenüber den Direktionen gemangelt, so ein Kritikpunkt der GPK. Ausserdem hätten die Gremien, die die direktionsübergreifende IT steuern sollten, keine Weisungskompetenzen gegenüber den Direktionen, schreibt die GPK.
Sowohl bei der Regierung als auch in der Verwaltung würden die Interessen der einzelnen Direktionen regelmässig höher gewichtet als gesamtkantonale Interessen. Daneben kritisiert die GPK das ungenügende IT-Controlling, das Management des Projektportfolios sowie den mangelnden Austausch. Dies mache eine zielgerichtete Steuerung und Koordination von IT-Vorhaben über die Direktionen hinweg, in vielen Fällen unmöglich.
"Regierungsrat muss kantonale IT stärker führen"
Im Bericht listet die GPK 14 Empfehlungen an den Regierungsrat auf. Mit diesen, so die Mitteilung, sollte die kantonale IT künftig nach den übergeordneten Bedürfnissen des Kantons ausgerichtet werden, so dass sich frühere Probleme – föderalistische Strukturen, fehlende Kontrolle – bei der Umsetzung einer neuen IT-Strategie nicht mehr wiederholen.
Die strategische Bedeutung der kantonalen IT soll auch organisatorisch sichtbar sein, heisst es im Bericht. Der Regierungsrat soll ein Gremium zur strategischen Steuerung einsetzen, in dem sowohl Regierungsratsmitglieder als auch Führungspersonen aus der Verwaltung vertreten sind.
Der Gesamtregierungsrat soll eine starke Führungsrolle für das IT-Management übernehmen und dabei gesamtkantonalen Interessen unmissverständlich Vorrang einräumen. Für die Zusammensetzung des Organs soll auf strategische Kompetenzen und auch IT-Fachkompetenzen geachtet werden. Auch der Einsatz eines zentralen, wirksamen IT-Controllings nennt die GPK als eine der wichtigsten Empfehlungen.
Im anlaufenden Projekt "Neue kantonale IKT" soll sichergestellt werden, dass Fragen der Führung, Strategie und Organisation gegenüber fachtechnischen IT-Fragen prioritär behandelt werden. Ausserdem soll dem Change-Management und dem vom neuen Projekt betroffenen Personal grosse Beachtung geschenkt werden. (Katharina Jochum)

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