Cablecom tauscht Datenpakete mit den Providern wieder kostenlos aus. Proteste gegen kostenpflichtiges Peering haben ihre Wirkung getan.
Cablecom ist zurückgekrebst: Der Kabelnetzbetreiber gab gestern bekannt, dass die sogenannten Internet-Peerings in der Schweiz "optimiert" werden sollen. Unter Peering versteht man den Datentransfer unter Providern. Datenpakete werden günstig oder sogar kostenlos ausgetauscht, damit für die Internet-Kunden die Wartezeit bei einer Anfrage (Latenzzeit) gering gehalten werden kann. Cablecom hatte
vergangenen Herbst von den Providern plötzlich Geld für diese Agreements verlangt und die kostenlosen Peerings per 1. November abgeschaltet. Dies führte zu längeren Latenzzeiten – vor allem auch bei Cablecom-Kunden – denn nur wenige Provider waren bereit, 320 Franken für 10 Mbps oder 680 Franken für 100 Mbps im Monat zu bezahlen.
Mit "Optimierung" dieser Peerings meint nun Cablecom bloss, dass sie für die Provider wieder kostenlos sind. Zwar wird jetzt angegeben, dass Kunden von tieferen Latenzzeiten profitieren, weil Cablecom in die Netzwerkstrukturen der Muttergesellschaft UPC integriert worden ist, doch genau der Wechsel auf den Backbone AS6830 von UPC gab Cablecom im Herbst als Grund für die Zahlungspflicht bei Peerings an.
"Lassen Sie es uns besser machen"
Cablecom-Mediensprecher Martin Wüthrich sagt auf Anfrage, man habe gemerkt, dass "paid peering" für den Schweizer Markt nicht funktioniere. Auf die Frage, ob Cablecom damit auf Kundenreklamationen und Kritiken vor allem aus der Blogger-Szene um Init7-Chef
Fredy Künzler reagiere, sagt Wüthrich nur: "Lassen Sie es uns jetzt besser machen."
Nun sollen also Datenpakete nicht mehr über einen Umweg über das Ausland zwischen Internetnutzern und Providern ausgetauscht werden, sondern "auf dem direktesten Weg." Dies dürfte so ziemlich alle Internet-User und Provider zufrieden stellen. Cablecom wird in den nächsten Tagen "potenzielle Peering-Partner" in der Schweiz kontaktieren. Init7-Chef Künzler hofft, dass dies bald geschieht. "Der Peering-Verantwortliche bei UPC ist wohl im Moment etwas überschwemmt mit Peering-Anfragen", so Künzler. (Maurizio Minetti)