Riesige Gesichts-Datenbank: Der EDÖB wird aktiv

23. Januar 2020 um 10:33
  • security
  • datenschutz
  • privatsphäre
image

Der Datenschutzbeauftragte will bei Clearview stellvertretend für alle Schweizerinnen und Schweizer ein Auskunfts- und Löschgesuch stellen.

Durch einen Artikel in der 'New York Times' ist vergangene Woche das US-Unternehmen Clearview in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Clearview hat das Internet abgegrast und eine riesige Gesichts-Datenbank mit rund drei Milliarden Fotos und dazugehörigen Daten wie Namen oder Ortsdaten zusammengestellt. Das Unternehmen bietet seine Datenbank Strafverfolgungsbehörden aus aller Welt an.
Der Bericht der 'Times' ist auch dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten EDÖB nicht entgangen. Wie er mitteilt, geht er davon aus, dass "die Anbieter von Clearview bei der Beschaffung von Gesichtsdaten die Persönlichkeit der betroffenen Personen in der Schweiz wie auch die Nutzungsbedingungen von sozialen Plattformen verletzen". 
Nun will Adrian Lobsiger persönlich bei Clearview ein Auskunfts- und Löschgesuch zu den zu seiner eigenen Person gespeicherten Daten stellen. Er tue dies stellvertretend für alle betroffenen Personen aus der Schweiz, so Lobsiger, und er werde die Öffentlichkeit darüber informieren, wie Clearview mit seinem Antrag umgeht.
Gleichzeitig rät der EDÖB Privaten und Behörden in der Schweiz davon ab, die Clearview-Datenbank zu benützen. Er werde diesbezüglich auch an die Strafverfolgungsbehörden des Bundes gelangen.
Wie der bekannte, auf Internetrecht spezialisierte Anwalt Martin Steiger in einem Kommentar festhält ist es gut möglich, dass die Schlagzeilen über Clearview auch bei Schweizer Sicherheitsbehörden ein Interesse an der Nutzung der Datenbank entfacht hätten.
Den Nutzern von sozialen Netzwerken rät der EDÖB dazu, zu versuchen, ihr Fotomaterial durch entsprechende Voreinstellungen für Suchmaschinen unzugänglich zu machen.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

Behörden schalten grosses Hacker-Forum aus

Auf Breachforums wurden zuletzt die Datensätze von Dell und Europol verkauft. Beteiligt an der internationalen Aktion war auch die Kantonspolizei Zürich. In der Schweiz wurden Server sichergestellt.

publiziert am 16.5.2024
image

Epic führt zu Datenschutzdiskussionen am Inselspital

Der Berner Datenschützer äussert sich zum Einsatz des US-Klinik-Informationssystems Epic am Inselspital. Es führt zu einem Paradigmenwechsel, bei dem das Spital nachjustieren musste.

publiziert am 16.5.2024
image

ETH-Forschende tricksen Easyride der SBB aus

Den Standortdaten eines Smartphones sollte nicht vertraut werden, bilanzieren ETH-Forschende nach einem Experiment, das es ihnen ermöglichte, gratis Zug zu fahren.

publiziert am 15.5.2024
image

Noch mehr Daten von Dell gestohlen

Dell ist von einem grossen Data Breach betroffen. Jetzt behauptet der verantwortliche Hacker, auch noch ein anderes System geknackt zu haben.

publiziert am 15.5.2024