US-Firma sammelte Milliarden Fotos für Gesichtsdatenbank

20. Januar 2020 um 09:49
  • international
  • datenschutz
  • facebook
image

Die Jungfirma Clearview hat Fotos von Menschen aus aller Welt bei Facebook und Co. gesammelt und bietet sie Strafverfolgungsbehörden an.

Eine bisher kaum bekannte US-Firma hat laut einem Bericht der 'New York Times' rund drei Milliarden Bilder von Menschen aus dem Internet heruntergeladen, um eine umfassende Datenbank zur Gesichtserkennung zu entwickeln.
Im vergangenen Jahr sei der Zugang dazu mehr als 600 Behörden als Service angeboten worden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf das Unternehmen namens Clearview. Angaben dazu, welche Behörden das waren, macht Clearview nicht. Auf ihrer Website lässt die Firma allerdings auf die Aufklärung von Sexualverbrechen spezialisierte kanadische Ermittler lobend zu Wort kommen.
Für die Datenbank seien öffentlich zugängliche Bilder bei Plattformen wie Facebook und YouTube oder dem US-Bezahlservice Venmo abgesogen worden, hiess es. Eine Sammlung in dieser Dimension würde bisher bekanntgewordene Datenbanken zur Gesichtserkennung weit übertreffen. In den USA etwa prüfen die Behörden die Identität der Einreisenden per Gesichtserkennung – greifen dabei aber auf die Bilder zurück, die speziell dazu aufgenommen wurden.
Die zuvor praktisch unbekannte Firma Clearview trat erst aufgrund der Recherchen der 'New York Times' an die Öffentlichkeit. Ein früherer Geldgeber war der US-Milliardär Peter Thiel.
Der Paypal-Mitgründer und Facebook-Investor ist für seine libertären Ansichten und als einer der wenigen erklärten Unterstützer von Präsident Donald Trump im Silicon Valley bekannt. Sein Sprecher sagte der Zeitung, Thiel habe Clearview im Jahr 2017 mit 200'000 Dollar unterstützt und dafür einen Anteil bekommen. Er sei ansonsten nicht beteiligt.
Gründer von Clearview ist der 31 Jahre alte Hoan Ton-That, der aus Australien in die USA kam. Zuvor hatte er einige wenig erfolgreiche Geschäftsideen gehabt, wie etwa eine App, mit der sich Nutzer auf ihren Fotos Trumps charakteristische Frisur verpassen konnten. Er habe zwischenzeitlich an eine Karriere als Model gedacht, dann aber beschlossen, ins Geschäft mit der Gesichtserkennung einzusteigen, sagte er der 'New York Times'.
Der Bericht löste schon am Wochenende erste politische Reaktionen aus. Der US-Senator Ron Wyden, Mitglied der Demokratischen Partei, zeigte sich besorgt und forderte, Amerikaner müssten wissen, ob ihre Fotos heimlich in einer privaten Datenbank landen.

Loading

Mehr zum Thema

image

Meta zahlt Milliarden-Busse wegen Suchtpotenzial

Der Facebook-Mutterkonzern hat sich aussergerichtlich mit mehreren US-Bundesstaaten geeinigt. Wegen des Suchtpotenzials von Facebook zahlt Meta eine Milliarden-Busse.

publiziert am 26.8.2026
image

Metas KI-Investitionen sorgen für Zweifel

Mark Zuckerberg lässt den Meta-Konzern gewaltige Summen in KI-Infrastruktur investieren. Anleger werden nervös.

publiziert am 30.7.2026
image

Meta will jede zehnte Stelle streichen

Beim Facebook-Konzern beginnen für die knapp 79'000 Angestellten Wochen der Ungewissheit. Denn circa 8000 Stellen sollen bis Ende Mai gestrichen werden.

publiziert am 24.4.2026
imageAbo

Kirchgemeinde Zürich holt Social-Media-Support

Mit der Agentur Blueglass Interactive will die reformierte Kirchgemeinde Zürich die Präsenz in den sozialen Medien ausbauen. Dafür nimmt die Gemeinde eine Million in die Hand.

publiziert am 15.4.2026