Kürzlich schrieb der Internet-Provider Init7 in einem viralen Tweet in Richtung UPC: "Wir werten das als aggressiven Akt". Dem war vorausgegangen, dass die Tochter von Liberty Global die Peering Sessions mit Init7 gekappt hatte.
In einer Stellungnahme präzisiert der Winterthurer Provider, dass UPC die Interkonnektionen abgeschaltet habe, die seit über einem Jahr eine direkte Verbindung zwischen den beiden Netzen gewährleisten. Auch im offiziellen Statement spricht Init7 von einem "Akt der Aggression".
UPC reagierte postwendend mit einer Stellungnahme. Darin heisst es, dass Init7 "inakzeptables Verhalten an den Tag gelegt" habe. Der Winterthurer Provider habe seinen Datenverkehr über Grossbritannien und die USA zu UPC geleitet, was die Qualität der Nutzung für gemeinsame Kunden massgeblich beeinträchtigt habe. Init7 habe damit UPC unter Druck setzen wollen, erklärt UPC-Sprecherin Alexandra Bini auf Anfrage von inside-channels.ch.
Init7-Chef Fredy Künzler widerspricht: Der Traffic habe sich im Zuge der Pandemie so entwickelt, dass es zu Übertragungsverlusten gekommen sei. Entsprechend habe man Traffic zwischen Schweizer UPC- und Init7-Kunden über Wien und London geroutet, was eine höhere Latenz zur Folge gehabt habe. Sie sei aber immer noch akzeptabel gewesen, hält Künzler fest.
Und er sagt auch: UPC habe gewusst, dass der Backup-Pfad, der bei Abschaltung aktiviert werde, über die USA führt. Dies habe nun Latenzen zur Folge, die nicht mehr akzeptabel seien.
Liberty Global will Geld für das Peering
Die bestehenden PNI-Peerings zwischen Init7 und UPC in Zürich und Genf mit jeweils 1 Gigabit pro Sekunde sind über die Jahre offenbar an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen. Ein Upgrade der bestehenden Links, das beide Peering-Partner einmalig rund 2000 Franken gekostet hätte, wollte UPC laut Init7 nicht.
UPC verweist seinerseits auf die weltweit gültigen Peering Principles und hält fest: Der Winterthurer Provider habe schriftlich gedroht und anschliessend den Verkehr umgeleitet. Damit habe Init7 eine Sonderlösung erzwingen wollen, so UPC.
Liberty Global wolle kleinere Service-Provider dazu bringen, für Peering zu zahlen, hält Init7 dagegen. Dies obwohl weltweit die allermeisten Interkonnektionen sogenannte Zero-Settlement-Peerings seien. Das bedeutet, dass beide Peering-Partner selbst für ihre Kosten aufkommen.
Dem widerspricht UPC. Allerdings sehen die Principles von UPC tatsächlich vor, dass Provider für ein Peering mit höheren Kapazitäten bezahlen müssen. Man könne hier keine Ausnahmen machen, sonst müsste man alle Kunden berücksichtigen, sagt Bini.
"Vor der Abschaltung setzte uns UPC die Pistole auf die Brust: entweder ihr zahlt oder wir drehen ab. Dies, weil Init7 angeblich (es ist nicht beweisen) die Peering Policy von UPC respektive Liberty Global nicht erfüllen würde", schreibt Init7. Zudem sei das Reglement sukzessive zu Ungunsten kleinerer Marktteilnehmer verändert worden.
Die Vorgeschichte und das vorläufige Resultat
Die Leidtragenden der aktuellen Situation sind die Kunden der beiden Provider. Bis auf weiteres wird die Verbindung zwischen Init7 und UPC beeinträchtigt bleiben. 2006 habe es rund 5 Monate gedauert, bis "UPC auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt" sei, so Init7. Man sei aber an einer konstruktiven Lösung interessiert.