"Die Zukunft von SAP ist in der Cloud"

6. Juni 2024 um 11:15
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Sebastian Steinhäuser. Foto: SAP

Während SAP Künstliche Intelligenz in den Fokus rückt, geht es für viele Kunden zunächst noch um die ERP-Modernisierung. Wir haben mit Strategiechef Sebastian Steinhäuser über die Transformation des Konzerns und seiner Kunden gesprochen.

Bei SAP läuft derzeit eine grosse Reorganisation. Einerseits werden Stellen abgebaut, respektive umgebaut, wovon bis zu 8000 Mitarbeitende betroffen sind. Gleichzeitig hat der ERP-Anbieter per Anfang 2024 die Bereiche Strategie und Operations unter ein Dach gebracht. Als Chief Strategy & Operating Officer ist Sebastian Steinhäuser für die Organisation verantwortlich. Inside-it.ch hat ihn am Rande der SAP Sapphire in Orlando getroffen und mit ihm über die internen Änderungen, aber auch über die Kunden des ERP-Anbieters und deren Herausforderungen gesprochen.
Warum der Entscheid, Operations und Strategie zu vereinen? Aus strategischer Sicht fokussieren wir uns auf die Agilität des Business, die Widerstandsfähigkeit der Supply Chain und auf Sustainability. Dieser strategische Fokus muss aber auch über alle Teile der Organisation ausgeführt werden. Das ist mein Auftrag. Auf Anfang des Jahres haben wir deshalb Strategie und Business Operations inklusive der IT konsolidiert. Insgesamt haben wir mehr als 50 Organisationen zusammengefügt. Jetzt geht es darum, diese Synergien wirklich zu nutzen, wobei es weniger um Kosteneffizienz als um die engere Zusammenarbeit geht.
Wo setzen Sie mit dieser neuen Organisation für das laufende Jahr ihren Fokus? Für mich geht es jetzt darum, die Transformation, die wir angekündigt haben, erfolgreich umzusetzen. Wir investieren einen hohen einstelligen Milliardenbetrag in die Zukunft von SAP. Dazu gehören Investitionen in das Thema Business AI oder auch Unterstützung für die Kunden im Rise-Programm. Gleichzeitig – das hat SAP bereits angekündigt – werden wir diese Investitionen mit Effizienzen sozusagen gegenfinanzieren.
Effizienzen heisst meist Stellenabbau… Wir haben ein grosses Restrukturierungsprogramm angekündigt, das 8000 Positionen betreffen wird. Unser Ziel ist es, SAP langfristig stark aufzustellen, in die richtigen Rollen zu investieren und die Leute entsprechend weiterzubilden. Es ist mehr als ein Kosteneffizienzprogramm, es geht um unsere Transformation. Wie SAP bereits erklärt hat, werden wir das Jahr mit etwa gleich vielen Mitarbeitenden beenden, wie wir es gestartet haben. Die Rollen werden sich aber verschieben. Es ist wichtig, dass wir das mit Respekt und Empathie umsetzen.
Auch für die SAP-Kunden steht gewissermassen eine Transformation an. Vielen von ihnen steht noch der Wechsel auf S/4Hana bevor. Die Ankündigung von SAP, Innovationen nur noch über die Cloud zur Verfügung zu stellen, hat für viel Kritik gesorgt. Ist es mittlerweile ruhiger geworden? SAP nimmt Feedback sehr ernst, das geht auf unsere Gründer zurück. Wir sind mit unseren Kunden, unseren Anwendergruppen und unseren Partnern gross geworden. Aber, und da wollen wir klar sein, die Zukunft von SAP ist in der Cloud. Das steht für mich absolut nicht im Zweifel. Jetzt geht es natürlich auch darum, den Weg für die Kunden richtig zu gestalten.
Hier kommt das Programm "Rise with SAP" ins Spiel? Wie kommt das bei den Kunden an? Als wir vor zwei, drei Jahren mit den Kunden gesprochen haben, ging es beim Cloud ERP häufig noch um das "Warum". Jetzt geht es vielmehr um das "Wann und Wie". Mittlerweile haben wir 6000 Rise-Kunden. Von den Erfahrungen dieser Kunden können wir profitieren. Wenn diese zeigen können, dass sie ihre Kosten reduziert haben, aber auch ihre Transformation vorantreiben konnten, freut mich das zunächst mal sehr.
Aber…? Gleichzeitig haben wir gesehen, dass es mehr Beratung braucht. Kunden wollen nicht nur ein Cloud-basiertes ERP einführen, sondern müssen auch ihre IT-Architektur vereinfachen. Deshalb haben wir das Programm Rise erweitert: Alle Rise-Kunden erhalten einen Enterprise-Architekten zur Verfügung gestellt. Dieser wird die Kunden bei der Implementierung, aber auch darüber hinaus beraten, um beispielsweise Prozesse zu optimieren oder die Clean-Core-Strategie sicherzustellen. Tools aus Zukäufen wie Signavio und Leanix helfen dabei.
Wie fügt sich die geplante Übernahme von Walkme in das Bild? Bei Signavio, Leanix und Walkme geht es um die Optimierung von Prozessen, Systemlandschaften und Applikationen. Signavio deckt die Business-Process-Transformation ab, Leanix das Thema Enterprise Architecture. Bei Walkme geht es um die End-User-Perspektive. Es geht um die Frage, wie die Endnutzer eine Lösung einsetzen und wo Optimierungspotenzial herrscht.
Kommen noch weitere Übernahmen? Wir priorisieren organische Investitionen und fühlen uns sehr wohl auf dem Weg, auf dem wir sind. Wir müssen nicht akquirieren, um Umsatz dazuzukaufen. Wir kaufen zu, wie aktuell im Fall von Walkme, wenn wir strategische Synergien sehen. Aber wirkliche Eile haben wir keine.
Interessenbindung: Die Autorin wurde vom Hersteller an die Sapphire eingeladen (Flug, Unterkunft).

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