Rund zwei Dritteln der Schweizer SAP-Kunden steht die S/4Hana-Migration noch bevor

22. März 2023 um 15:19
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Die Zeit für die S/4Hana-Migration wird knapp, sagt die SAP-Anwendergruppe, und kritisiert die mangelnde Kommunikation beim deutschen Softwarehaus. SAP hält dagegen und sagt: "Es gibt keine Ausreden mehr."

Seit rund 8 Jahren steht SAP S/4Hana zur Verfügung, aber die Migration hat einen Grossteil der Unternehmen bislang erfolgreich hinausgezögert. Erst rund ein Drittel der Schweizer SAP-Kunden haben diese mehr oder weniger hinter sich gebracht, schätzt Sebastian Westphal, Technologievorstand der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). Diese Zahl hänge zwar von verschiedenen Faktoren wie dem Stand einer Migration ab, komme aber ungefähr hin, erklärt er gegenüber inside-it.ch.
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Sebastian Westphal, Technologievorstand DSAG

Preiserhöhungen erwartet und befürchtet

Zwei Drittel der hiesigen SAP-Kundschaft muss also noch migrieren oder eine Alternative finden. Und die Zeit dafür drängt. Das bisherige Kernprodukt SAP ECC wird 2027 beerdigt, aber noch sei vieles unklar, sagt Westphal, und meint damit einerseits die Roadmap von SAP und andererseits die Preise. Die DSAG befürchtet, dass das deutsche Softwarehaus analog Microsoft quasi durch die Hintertür die Preise erhöht, wenn Kundinnen und Kunden auf das neue Produkt migrieren. Aktuelle Diskussionen und "Schmerzpunkte" mit SAP würden sich ganz klar "ums Portemonnaie" drehen.
Immerhin gebe es aus technologischer Sicht – anders als in den Vorjahren – kaum mehr einen Dissens mit SAP, so Westphal auf die Frage, ob die DSAG zahmer geworden ist. "Diesbezüglich sind die wichtigsten Grundsteine gelegt." Ausserdem komme im Oktober diesen Jahres ein wichtiges Release von S/4 Hana, was quasi Funktionsgleichheit mit dem bisherigen ECC-Kernprodukt herstellt.

"Es braucht Klarheit, was nach 2027 kommt"

Wichtig sei deshalb vor allem, dass SAP "lieber gestern als heute" Klarheit schafft, wie es nach 2027 weitergeht. Angeblich, so Westphal, gebe es die Möglichkeit, die Laufzeit "gegen den Einwurf von Münzen" bis 2030 zu verlängern. Aber wie gross die Münzen sein müssten und für welche Produkte der entsprechende Münzschlitz überhaupt zur Verfügung steht, sei offen. Er fordert nebst Klarheit auch den "Weiterbetrieb ohne Zusatzgebühr".
Die Gefahr eines Lock-ins sieht Sebastian Westphal, der hauptberuflich den Bereich ERP Operations und Transformation bei Swiss Post Solutions leitet, nicht. Darauf angesprochen nennt er den Zuschlag des Bundes an SAP mit der Begründung der Alternativlosigkeit "ein trauriges Beispiel". Es gebe immer Alternativen, diese seien jedoch immer eine Frage des Know-hows, der Komplexität und der Kosten.

SAP: Keine Ausreden mehr für Migration

Wichtig sei ausserdem, dass SAP in den nächsten 4 bis 5 Jahren nicht mit noch einer neuen Idee oder einem neuen kommerziellen Produkt auf den Markt komme, sondern zuerst die bestehenden Unsicherheiten auflöse. Jürgen Müller, CTO des Softwarehauses, machte ihm allerdings wenig Hoffnung. Auf die Frage von inside-it.ch sagte dieser: "KI ist ein relevantes Thema für SAP." Man habe da schon viel gemacht und sei daran, weitere Ideen zu entwickeln. Müller kündigte die Schaffung einer Arbeitsgruppe an, zu der auch Microsoft und OpenAI Mitarbeitende entsenden wollen. Er freue sich, im Bereich der Künstlichen Intelligenz mit Microsoft auf Augenhöhe reden zu können.
Ohnehin, so Müller, gebe es jetzt für eine Migration auf S/4Hana "keine Ausreden" mehr.
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der DSAG.

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