E-Collecting-Entscheid ebnet Weg für Pilotversuche

22. Juni 2026 um 10:02
  • politik & wirtschaft
  • e-government
  • e-Collecting
  • Schweiz
image
Foto: ParlCH / Tim Loosli

Beide Räte haben einer Gesetzesrevision zugestimmt. Was jetzt die nächsten technischen Schritte sind.

Zum Abschluss der Sommersession haben beide Kammern der Revision des Bundesgesetzes über die politischen Rechte (BPR) in den Schlussabstimmungen zugestimmt. Im Gesetz enthalten ist auch die Möglichkeit für landesweite Pilotversuche zur digitalen Unterschriftensammlung.
Sandro Scalco leitet seit Dezember 2024 das schweizweite Pilotprojekt E-Collecting in Kooperation mit der Stiftung für direkte Demokratie. Im Rückblick auf die Debatte in den Räten erklärt er gegenüber inside-it.ch: "Es stand die Frage im Raum, wie der Versuchsbetrieb für einen E-Collecting-Pilot ausgestaltet werden soll: schweizweit oder zwingend örtlich begrenzt." Mit dem definitiven Entscheid würden jetzt schweizweite Pilotversuche möglich.

Prinzip der Datensparsamkeit

In den Diskussionen im Bundesparlament war auch wiederholt der Datenschutz ein Thema. Was bedeutet der Entscheid für die technische Lösung? "Konkret hat sich der Nationalrat bei der technischen Ausgestaltung dem Ständerat angeschlossen: Sie soll sich an den Prinzipien der Datensparsamkeit und der Quelloffenheit orientieren. Und bei der Stimmrechtsbescheinigung bleibt es bei dezentralen Registern bei Gemeinden und Kantonen – ein zentrales Bundesstimmregister ist ausdrücklich nicht vorgesehen", so Scalco. Aus Sicht der E-Collecting-Befürworter seien diese beiden Punkte erst durch die Erfahrungen aus der E-ID-Abstimmung und den "Unterschriftenbeschiss" in dieser Deutlichkeit in die Debatte gekommen.
Aktuell würden in einem partizipativen Prozess mit einem "morphologischen Kasten" verschiedene Ausprägungen von E-Collecting dokumentiert. "Daraus lassen sich unterschiedliche Varianten ausgestalten, die schliesslich die Stossrichtung für einen Entscheid des Bundeskanzlers liefern. Der nächste Schritt ist, daraus konkrete Bedingungen abzuleiten – analog zu dem, was wir aus dem E-Voting mit der Veles (Verordnung über die elektronische Stimmabgabe) kennen –, damit die passende Kryptografie und ein entsprechendes System geschaffen werden können", erläutert Scalco.

Variantenentscheid fällt im Herbst

Daniel Graf, Gründer der Online-Plattform Wecollect und Campaigner beim Verein Public Beta, ergänzt: "Der Bundeskanzler wird im Herbst einen grundsätzlichen Variantenentscheid für den E-Collecting-Versuchsbetrieb treffen. Die zur Diskussion stehenden Vorschläge wurden im Rahmen eines Hackathons entwickelt, an dem wir teilgenommen haben. Wir hoffen, dass die Bundeskanzlei bei dem Technologie-Entscheid den Faktor Zeit klar im Blick behält."
Die analoge Unterschriftensammlung genüge den Ansprüchen einer barrierefreien Demokratie und eines zeitgemässen Datenschutzes nicht mehr, ist Graf überzeugt. Der Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen sowie der Schutz persönlicher Daten seien "ein zunehmendes Risiko für das Vertrauen in den Staat und in eine funktionierende direkte Demokratie".
Das Parlament habe eine Lernkurve mit der E-ID gemacht. "Ohne griffigem Datenschutz fehlt das Vertrauen in E-Collecting, und genau dieses Vertrauen in die digitale Demokratie entscheidet, ob die Bevölkerung das neue Angebot nutzt", betont Graf.

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

So will der Bund den Umgang mit KI regeln

Der Bundesrat setzt auf die Umsetzung der KI-Konvention des Europarats. Eine Bestandsaufnahme soll zeigen, wo Behörden mit KI arbeiten und wo Risiken bestehen.

publiziert am 28.10.2026
image

Zwei Anbieter dominieren die Kernbankensysteme

An Finnova und Avaloq gibt es fast keinen Weg vorbei, zeigt eine IFZ-Studie. Schweizer Retailbanken bevorzugen Stabilität.

publiziert am 28.10.2026
imageAbo

Illnau-Effretikon vergibt ICT-Aufträge erneut an OBT

Der bisherige Anbieter darf für rund 4,2 Millionen Franken weiterhin das ICT-Outsourcing und den Netzwerkbetrieb für die Stadt verantworten.

publiziert am 28.10.2026
imageAbo

Schweizer Eishockeyverband erleidet Datenleck

Ein Hacker bietet ein Datenpaket mit Angaben zu SIHF-Mitgliedern zum Verkauf an. Der Verband bestätigt, dass die Daten wohl echt sind.

publiziert am 27.10.2026