In über 30 Ländern soll "Team Jorge" Wahlkämpfe und Abstimmungen manipuliert haben. Dies sagte die israelische Firma gleich selbst. Sie habe dazu auf Fake News und Hacking-Methoden gesetzt. Erzählt hat der Firmenchef Tal Hanan dies vermeintlich potenziellen Kunden, die sich aber
als Journalisten entpuppten.Diese haben 6 Stunden Gespräch auf Video, in denen der CEO die Tools und Services seiner Firma anpreist, darunter 30'000 Bots, die systematisch Social-Media-Plattformen bewirtschaften. Auch will Hanan mehrfach Telegram und Gmail gehackt haben, um Schmutzkampagnen gegen die Betroffenen führen zu können.
Im absoluten Gros der Abstimmungen will das Team erfolgreich gewesen sein. Was davon aber Werbung und Bluff, was Fakten und Wahrheit sind, lässt sich im Nachhinein nur schwer eruieren. Dies berichtete das Team von Investigativ-Journalisten. Der
'Tages-Anzeiger' (Paywall), dessen Team an den Recherchen beteiligt war, hat weitergeforscht.
Bankdaten des Firmenchefs zeigen laut der Zeitung, dass eine Schweizer Jetsetterin zum Kundenkreis von "Team Jorge" gehört. Die ehemalige Schönheitskönigin liess von der Firma ihren Mann im Scheidungsstreit durchleuchten. Kostenpunkt: 22'000 Franken. Aber auch ein privater Sicherheitsdienst, der für das kasachische Regime in der Schweiz arbeitet, hat fast 30'000 Franken an das Konto überwiesen.
500'000 Dollar sollen schliesslich aus Nigeria an den Firmenchef geflossen sein. Und zwar drei Monate bevor gehackte Daten aus E-Mails im Wahlkampf des Landes auftauchten. Der Fall dient "Jorge" als Werbemittel. Im Gespräch mit den als Kunden getarnten Journalisten prahlte er mit einem grossen Skandal im Land. Man habe damit die Wahl verlängert, was das Ziel gewesen sei.
Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat bereits 2015 in Sachen "Team Jorge" ermittelt. Sie liess den Fall aber ohne Anklage fallen, obwohl sie unter anderem im Besitz von Kontoangaben war, die verdächtige Bewegungen belegen. Damals hatte ein Schweizer Spion über die Firma Bankkundendaten erlangt.
"Jorge" wurde daraufhin verhört, aber trotzdem freigelassen. Man sei jedem Tatverdacht gegen den Israeli nachgegangen, teilte die Staatsanwaltschaft dem 'Tagi' mit, aber die Kundendaten hätten sich als Fälschung erwiesen. Dem Mann habe darum keine wirtschaftlichen Nachrichtendiensttätigkeiten nachgewiesen werden können.