eOperations Schweiz spricht Milliarden für digitale Signaturen

6. November 2023 um 15:00
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Foto: Unsplash+

Weil in der Verwaltung immer häufiger digital unterschrieben wird, beschafft eOperations Schweiz für die nächsten 7 Jahre externe Leistungen von E-Sign-Anbietern.

eOperations Schweiz suchte in einer öffentlichen Ausschreibung elektronische Signaturen, Siegel und Zeitstempel sowie damit verbundene Dienstleistungen. In insgesamt 8 Losen wurden Anbieter gesucht, die den beteiligten Kantonen und ihren verbundenen Einheiten und Gemeinden in Zukunft entsprechende Lösungen offerieren können. 12 Unternehmen haben sich beworben, 9 haben einen Zuschlag erhalten.
Damit jede Bedarfsstelle ihre gewünschten Leistungen beziehen kann, wurde die Ausschreibung in einzelne Lose und Module unterteilt. Die Lose 1 bis 6 beinhalten die Ausstellung von E-Signaturen und E-Siegeln. Die Lose 5 und 6 enthalten elektronische Signaturen und Siegel mit der Funktionalität zur Beglaubigung von Urkundspersonen. Die Lose 7 und 8 betreffen einen E-Zeitstempel, der auch ohne die anderen Zertifikate funktioniert.

Preise nur relativ

Insgesamt sprach eOperations Zuschläge im Umfang von mehreren Milliarden Franken. Diese Zahl wird jedoch auch relativiert: "Das ausserordentlich hohe Zuschlagsvolumen resultiert aus dem aggregierten Bedarf einer grossen Beschaffungsgemeinschaft über 7 Jahre", schreibt die Organisation in einer Mitteilung zur Beschaffung.
Weil elektronische Signaturen und Siegel in der öffentlichen Verwaltung nicht flächendeckend eingesetzt werden, wurde die Nachfrage für die Ausschreibung mit einem Modell geschätzt. Dabei geht eOperations davon aus, dass die Nutzung in den nächsten Jahren steigen wird. "Wir rechnen für die Ausschreibung mit rund 600 Millionen Transaktionen über einen Zeitraum von 7 Jahren", erklärte Daniel Arber, Geschäftsführer von eOperations Schweiz, auf Nachfrage gegenüber inside-it.ch.
Die Angebotspreise stellen dabei einen Gesamtpreis dar, der gemäss der Schätzung für sämtliche Bedarfsstellen und über die gesamte Vertragsdauer berechnet wurde. Zudem müssen die Module für Signaturen und Siegel in allen Losen enthalten sein, da noch nicht bekannt ist, welche Bedarfsstelle aus welchem Los Leistungen beziehen wird. Deshalb bläht sich das Volumen der Beschaffung bei der Berechnung der Preisspanne um etwa das Dreifache aus.
Zudem haben gewisse Anbieter in ihren Offerten auch verschiedene Nutzungsmodelle berücksichtigt, was wiederum zu grossen Diskrepanzen bei den einzelnen Beträgen geführt hat. Laut Daniel Arber wird sich der tatsächliche Preis schlussendlich und beim Bezug der Maximalmengen klar am unteren Rand der Preisspanne befinden.

Die Lieferanten

In Los 1 wurde nach einer Lösung für qualifizierte elektronische Signaturen (QES), fortgeschrittene elektronische Signaturen (FES) und geregelte elektronische Siegel im Hybrid-Cloud-Modell gesucht. Dabei wurden insgesamt 6 Zuschläge vergeben. Zu den Gewinnern zählen Xitrust Secure Technologies, die Glaux Group, Swiss IT Security, Privasphere, Swisssign und Fidentity. Die Preisspanne der eingegangenen Angebote lag zwischen 268 Millionen und knapp 2,4 Milliarden Franken.
In Los 2 wurden weitere 6 Anbieter für dieselben Lösungen im SaaS-Betriebsmodell gesucht. Aus 10 Bewerbungen konnten sich schlussendlich die Glaux Group, Swiss IT Security, Swisssign, Skribble, Xitrust Secure Technologies und Fidentity durchsetzen. Sie reichten Angebote zwischen 198 Millionen und 2,6 Milliarden Franken ein.
Im 3. Los war eine Hybrid-Cloud-Workflowengine mit QES, FES und Siegel gefragt. Dafür gingen insgesamt 8 Angebote ein. Zu den Gewinnern zählen Xitrust Secure Technologies, die Glaux Group, Swiss IT Security, Swisssign, Seccommerce Informationssysteme und Fidentity. Sie offerierten Angebote zwischen 301 Millionen und 2,6 Milliarden Franken.
Dieselbe Lösung, einfach im SaaS-Betriebsmodell, wurde in Los 4 gesucht. Die Zuschläge hier gingen an die Glaux Group, Swiss IT Security, Swisssign, Skribble, Xitrust Secure Technologies, und Fidentity. Die eingereichten Angebote reichten von 198 Millionen bis fast 2,7 Milliarden Franken.

Auch Beglaubigungen möglich

Um elektronische öffentliche Urkunden oder Beglaubigungen erstellen zu können, müssen sich Urkundspersonen in das Schweizerische Register der Urkundspersonen (UPReg) eintragen lassen. Damit können öffentliche Urkunden und Beglaubigungen künftig auch digital erstellt werden.
In Los 5 wurde deshalb eine Signaturlösung mit Beglaubigungsfunktionalitäten im Hybrid-Cloud Betriebsmodell gesucht. Insgesamt haben sich 7 Anbieter für einen Zuschlag beworben. Durchsetzen konnten sich Deepcloud und Glaux. Sie reichten Angebote zwischen 627 Millionen und 2,4 Milliarden Franken ein.
Bei der SaaS-Version wurde neben Privasphere erneut die Glaux Group berücksichtigt. Die offerierten Preise lagen beim 6. Los zwischen 269 Millionen und 2,6 Milliarden Franken. Offerten eingereicht wurden dabei noch von 5 weiteren Anbietern.

Rahmenvereinbarung regelt Bezug

Die Lose 7 und 8 beinhalten einen E-Zeitstempel, der auch ohne die anderen Zertifikate funktioniert. Im Betriebsmodell in der Hybrid Cloud gingen die Zuschläge an Glaux, Swiss IT Security und Swisssign, Seccommerce Informationssysteme. Sie offerierten zwischen 162 Millionen und 716 Millionen Franken.
Im SaaS-Modell in Los 8 wurden Glaux, Swisssign, Xitrust Secure Technologies und Seccommerce Informationssysteme berücksichtigt. Die Preisspanne der eingereichten Angebote lag zwischen 98 Millionen und 807 Millionen Franken.
Mit den Zugschlagempfängern wird nun bis Anfang Dezember eine Rahmenvereinbarung zum Bezug der Leistungen unterzeichnet. Der Vertrag gilt dann ab dem 1. Januar 2024 und ist für 5 Jahre gültig. Zusätzlich sind zwei Mal ein Jahr Verlängerung möglich. Dabei besteht für die Bedarfsstellen keine Pflicht zum Bezug eines Mindestvolumens und einzelne Aufträge werden in Mini-Tender-Verfahren vergeben.

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