Die Programmiersprache R ist heute der Quasistandard für statistische Berechnungen am Computer. Für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der quelloffenen Basissoftware zeichnet seit rund 30 Jahren ein Kernteam verantwortlich. Eines der Teammitglieder war von Anfang an Martin Mächler, mittlerweile emeritierter Professor am Seminar für Statistik der ETH Zürich. Er und vier weitere Mitglieder des Kernteams sind für ihr jahrzehntelanges Engagement mit dem Rousseeuw-Preis für Statistik ausgezeichnet worden, teilt die ETH mit.
Der belgische Rousseeuw-Preis sei mit einem Preisgeld von einer Million Dollar dotiert. Von der Preissumme gehe die Hälfte an die fünf Open-Source-Pioniere, die R federführend begleitet haben: Es sind dies neben Mächler die Professoren Peter Dalgaard von der Copenhagen Business School, Kurt Hornik von der Wirtschaftsuniversität Wien, Brian Ripley von der University of Oxford und Luke Tierney von der University of Iowa, so die Mitteilung.
Die andere Hälfte des Preisgeldes gehe an die weiteren Mitglieder des R-Kernteams, unter ihnen die beiden Erfinder, Robert Gentleman und Ross Ihaka. Sie hatten R Anfang der 1990er-Jahre für Forschung und Lehre an der Universität Auckland entwickelt. Der Name R sei sowohl eine Anlehnung an ihre Vornamen als auch eine Reminiszenz an die Programmiersprache S, auf die unter anderem R aufbaut, so die ETH. Entsprechend zähle auch S-Erfinder John Chambers zu den Preisträgern.
Open Source als Erfolgsfaktor
Mächler sei früh in den 1990er-Jahren dem R-Kernteam beigetreten. Er war seit 1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 2020 Professor am Seminar für Statistik der ETH. Zu seinen fachlichen Beiträgen zählen, dass Algorithmen auch nach Updates oder Erweiterungen korrekt funktionierten und verlässliche Ergebnisse lieferten. Gleichzeitig habe Mächler sein Know-how dazu genutzt, dass die Software allfällige Probleme transparent macht und die Nutzerinnen und Nutzer verständliche Fehlermeldungen erhalten. Ebenso habe der ETH-Wissenschaftler einen Beitrag zu den Visualisierungsfunktionen von R geleistet.
Als einen wichtigen Beitrag Mächtlers zu R hebt die ETH heraus, dass er sich früh dafür eingesetzt habe, die Programmiersprache unter einer freien Lizenz zu veröffentlichen. Damit konnte die Software kostenlos genutzt, verändert und weitergegeben werden. Der öffentlich einsehbare Quellcode schaffe Transparenz und Vertrauen, da sich nachvollziehen lasse, wie die Software funktioniert.
Die acht Preisträger müssen der ETH zufolge allerdings noch bis im Spätherbst auf ihre Ehrung warten. Denn der Preis werde am 4. November 2026 im belgischen Leuven in Anwesenheit des Königs verliehen, heisst es.