EU-Parlament stimmt gegen Chat-Kontrolle

26. März 2026 um 15:24
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Foto: Asterfolio / Unsplash

Die Übergangsregelung zum Aufspüren von kinderpornografischem Material läuft damit in wenigen Tagen aus, während die EU weiterhin nach einer langfristigen Lösung sucht.

Ein letzter Versuch zur Beibehaltung des aktuellen Systems im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch im Internet ist gescheitert. Eine Mehrheit der Abgeordneten des Europaparlaments lehnte bei einer Abstimmung in Brüssel die Verlängerung der freiwilligen Kontrolle von Chats durch Online-Plattformen wie Facebook oder Instagram ab. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollten strengere Bedingungen für die Ausnahme von europäischen Datenschutzregeln. Die Übergangsregelung läuft nun zum 4. April aus.
Die bis Freitag kommender Woche befristete Ausnahme von europäischen Datenschutzregeln erlaubt es bislang Diensten und Unternehmen wie Google, Instagram, Microsoft und Whatsapp, Nachrichtenverläufe zu scannen, um verbotene Darstellungen von sexuellem Kindesmissbrauch aufzuspüren und zu melden. Dabei geht es vor allem um Bilder und Videos. Datenschützerinnen und Datenschützer kritisieren die Möglichkeit zum flächendeckenden Scannen.
Zum Schutz von Minderjährigen war die Verlängerung von mehreren Seiten vehement gefordert worden. So wiesen grosse Tech-Unternehmen wie Meta, Tiktok und Snapchat darauf hin, dass sonst weniger Fälle von Kindesmissbrauch entdeckt werden könnten. Dem Präsidenten des Bundeskriminalamts Holger Münch zufolge wird der Wegfall der Regelung "gravierende negative Auswirkungen auf die Möglichkeiten der strafrechtlichen Verfolgung kinder- und jugendpornografischer Inhalte im Internet" haben.

Langfristige Lösung geplant

Grundsätzlich will die EU eine langfristige Lösung für gesetzliche Vorgaben zum Schutz von Kindern im Internet finden. Allerdings müssen der Rat der EU-Staaten und das Europäische Parlament noch über den Gesetzestext verhandeln. Erst wenn beide Institutionen eine Einigung finden, können die neuen Regeln in Kraft treten. "Wir hoffen, so rasch wie möglich eine Einigung mit dem Parlament zu erzielen, um die durch die Gesetzeslücke entstehenden negativen Auswirkungen zu begrenzen", teilte eine Sprecherin der zyprischen Ratspräsidentschaft mit.
Die EU-Kommission hatte ursprünglich 2022 vorgeschlagen, die Kontrollen verpflichtend zu machen. Dies scheiterte auch am Widerstand der deutschen Bundesregierung. Die EU-Staaten setzten stattdessen auf freiwillige Kontrollen durch die Apps und Plattformen, so wie es die Übergangsregelung vorsieht, die nun ausläuft.
Um während der andauernden Verhandlungen nicht komplett ohne Regelung dazustehen, hatte die EU-Kommission eine Verlängerung der Übergangsregelung vorgeschlagen. In einer Abstimmung vor zwei Wochen sprach sich das Parlament noch dafür aus – allerdings unter Bedingungen. So sollten sich die Kontrollen etwa darauf beschränken, nur Material zu kontrollieren, das bereits bekannt ist. Die anschliessenden Verhandlungen des Parlaments mit EU-Staaten zu dem Vorhaben scheiterten allerdings. Mit der jetzigen Ablehnung gibt es keine Aussicht mehr auf eine Einigung in letzter Minute. 311 Abgeordnete stimmten dagegen, 228 dafür und 92 enthielten sich.

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