EU vergibt Millionen-Aufträge für souveräne Cloud

20. April 2026 um 11:33
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Foto: Fabian Kleiser / Unsplash

Vier europäische Unternehmen und Konsortien haben den Zuschlag erhalten. Die EU rechnet mit ersten Kosten von bis zu 180 Millionen Euro.

Mit einem neuen Auftrag will die Europäische Kommission die digitale Souveränität in der EU stärken. Wie sie mitteilt, hat sie dafür europäische Anbieter ausgewählt, die in den nächsten sechs Jahren souveräne Cloud-Dienste zur Verfügung stellen. Diese sollen von den Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen der EU bezogen werden können.
Ausgewählt wurden Scaleway aus Frankreich, das Cloud-Unternehmen der deutschen Schwarz Gruppe, Stackit, und zwei Konsortien: Deep von der Post Luxembourg Group zusammen mit den französischen Anbietern OVHcloud und Clever Cloud sowie Proximus aus Belgien mit seinen Partnern S3NS – einem Joint Venture von Thales und Google Cloud – sowie Clarence und Mistral.

Strenge Sicherheitsanforderungen

Die Auswahl der Anbieter ist laut Mitteilung aufgrund ihrer Übereinstimmung mit dem Rahmen für Cloud-Souveränität erfolgt, mit dem die Kommission die Souveränität anhand von acht Zielvorgaben prüft. Dazu würden strategische, rechtliche, operative und ökologische Belange gehören ebenso wie Transparenz der Lieferketten, technologische Offenheit, Sicherheit und Einhaltung des EU-Rechts. Eine sehr breite Nutzung der EU-Cloud gelte als Voraussetzung für die Verbesserung der digitalen Souveränität der EU, so die Kommission.
"Um überhaupt in Betracht zu kommen, mussten die Anbieter strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen, die sicherstellen, dass Beteiligte von ausserhalb der EU nur eine begrenzte Kontrolle über die von den Anbietern verwendeten Technologien oder die von ihnen erbrachten Dienste haben", heisst es weiter.

Modelle mit mehreren Anbietern

Das Konsortium mit Deep, OVHcloud und Clever Cloud schreibt in einer Mitteilung: "In einer Zeit zunehmender Abhängigkeit von aussereuropäischen Technologien zeigt diese Entscheidung, dass drei europäische Organisationen in der Lage sind, wettbewerbsfähige und praxisorientierte Lösungen anzubieten, die technologische Leistungsfähigkeit und strategische Kontrolle im Einklang mit den Grundwerten der Union gewährleisten." Dieses Modell mit mehreren Anbietern gewährleiste zudem technologische und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und verhindere eine Abhängigkeit von einer einzelnen Organisation.
Ähnlich äussert sich das Konsortium rund um Proximus: "Souveränität, Sicherheit und Vertrauen werden zu zentralen Anforderungen für europäische Institutionen – sei es in den Bereichen Cloud, Daten, Künstliche Intelligenz oder Edge-Computing." Mit der Entscheidung für Proximus und sein europäisches Partner-Ökosystem würde die EU-Kommission auf eine Lösung setzen, die souveräne Cloud, Cybersicherheit, europäische KI und lokale Betriebsabläufe vereine.

Höhere Kosten in der Schweiz

Budgetiert sind für die souveränen Cloud-Dienste für die nächsten sechs Jahre durch die EU-Kommission bis zu 180 Millionen Euro. Zum Vergleich: Für die Swiss Government Cloud (SGC) geht der Bund von Kosten von insgesamt 320 Millionen Franken bis 2032 aus.
Die SGC soll für die Anforderungen und Bedürfnisse der Bundesbehörden konzipiert sein, aber auch Kantonen, Städten und Gemeinden zur Verfügung stehen. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisierte aber kürzlich in einer ersten Prüfung des Projekts, dass der wirtschaftliche Nutzen des Projekts auf Bundesebene noch unklar sei.


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