Europas Fesseln der Innovation: der hohe Preis des Digital Services und AI Acts

11. Juni 2024 um 09:30
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Midjourney

Eine Lockerung des Digital Services Act und des AI Act könnte dazu beitragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Regulierung und Innovationsförderung herzustellen, schreibt KI-Unternehmer Christian Fehrlin in einem Gastbeitrag.

Während die USA und Asien in der Technologiebranche unaufhaltsam voranschreiten, droht Europa durch überzogene Regulierungen wie den Digital Services Act und den AI Act ins Hintertreffen zu geraten. Ein kritischer Blick auf die unbeabsichtigten Folgen dieser Gesetze für Europas technologische Zukunft.

Europas Angst vor digitalem Fortschritt

Mit dem Digital Services Act (DSA) und dem AI Act hat die EU umfangreiche Regelwerke geschaffen, die die Sicherheit, Transparenz und den ethischen Umgang mit künstlicher Intelligenz in der digitalen Welt erhöhen sollen. Diese gut gemeinten Massnahmen bremsen jedoch Innovationen aus. Strenge Vorgaben zur Kontrolle von Inhalten, zum Schutz vor Desinformation und zum ethischen Einsatz von KI zwingen Plattformen und Entwickler, in einem Klima der Rechtsunsicherheit zu agieren, das innovative Ansätze direkt behindert. Das Gegenteil von dem, was der Gesetzgeber mit den Regelungen erreichen wollte, tritt ein.

Internationale Dynamik

Im Gegensatz zur restriktiven Regulierung in Europa bieten Regionen wie die USA und Asien ihren Technologieunternehmen mehr Freiraum. Diese flexiblen Rahmenbedingungen fördern die rasche Entwicklung und Einführung neuer Technologien. Europas starker Regulierungsansatz bremst das Wachstum und verdrängt die Region langfristig von der globalen Innovationsbühne.

Zensur durch Krisenreaktion?

Der Digital Services Act der EU fordert von Plattformen, in Krisenzeiten Inhalte schnell zu entfernen, um Fehlinformationen zu bekämpfen. Dies kann jedoch zu übereilter Zensur führen, wobei legitime Meinungen oft unterdrückt werden. Diese Vorgehensweise gefährdet die Meinungsfreiheit und könnte demokratische Prozesse unterminieren, indem sie einen offenen Diskurs einschränkt. Ähnlich verhält es sich mit dem AI Act, der strenge Auflagen für die Nutzung von KI in sensiblen Bereichen festlegt, was die Entwicklung und Implementierung neuer Technologien behindern könnte. Es bedarf einer Neubewertung dieser Politik, um Freiheit nicht der Sicherheit zu opfern.

Innovation unter Regulierungsdruck

Sowohl der Digital Services Act als auch der AI Act zeigen, wie Regulierung trotz guter Absichten die europäische Technologiebranche lähmen kann. Der verpflichtende Umgang mit Online-Inhalten und der Druck zur Umsetzung von Compliance-Massnahmen führen zu einem Innovationsstau. Dies hindert Europa daran, auf eigene technologische Durchbrüche zu setzen und schränkt seine Wettbewerbsfähigkeit auf globaler Ebene ein.

Fazit: Dringender Handlungsbedarf

Es ist an der Zeit, dass Europa seine Regulierungsstrategie überdenkt. Eine Lockerung des Digital Services Act und des AI Act könnte dazu beitragen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen notwendiger Regulierung und Innovationsförderung herzustellen. Flexiblere Gesetze sind unerlässlich, um das volle Potenzial europäischer Kreativität und technologischer Innovation freizusetzen und sicherzustellen, dass Europa in der globalen Technologiearena mithalten kann.
Interessenbindung: Christian Fehrlin ist Inhaber der Firma Ava-X, die wie Inside IT zum Unternehmen Deep Impact gehört. Die Meinung des Autors muss sich nicht mit jener der Redaktion decken.

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