Klage: Facebook saugt Gesundheitsdaten aus passwortgeschützten Bereichen ab

2. August 2022 um 10:18
  • security
  • datenschutz
  • facebook
  • usa
  • justiz
image
Foto: Sharon McCutcheon / Unsplash

Laut einer Klage sammelt Meta mit Trackern sensible Daten aus Patientenportalen von US-Spitälern. Diese nutzt Facebook für gezielte Werbung.

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist eine Sammelklage gegen die Facebook-Mutter Meta und zwei Gesundheitsorganisationen eingereicht worden. Die drei Unternehmen sollen rechtswidrig sensible Gesundheitsdaten über Patienten sammeln und bei Facebook für gezielte Werbung nutzen. Dies berichtet 'Bleeping Computer'.
Laut der Klage werden hochsensible Informationen über Krankheiten, behandelnde Ärzte und Medikamente abgegriffen, die die Patienten in ihren passwortgeschützten Konten eingeben. Weiter ist in der Klageschrift zu lesen, dass keine Einwilligung der Nutzer eingeholt worden sei und auch keine Hinweise auf die Sammlung der Daten zu finden sei. Die sensiblen Informationen sind gesetzlich durch den "Health Insurance Portability and Accountability Act" geschützt, der eine Weitergabe der Daten ohne ausdrückliche Einwilligung untersagt.
Die Kläger erkannten die Verletzung ihrer Privatsphäre offenbar erst, als sie über Facebook Werbung erhielten, die ihren konkreten medizinischen Zustand ansprach. Die Klage hat aber grössere Dimensionen: In der Klageschrift wird behauptet, dass Tracking-Code von Meta auf einem Drittel der Websites der 100 grössten Krankenhäuser in den Vereinigten Staaten zu finden sei. In sieben Fällen soll der Code auch in passwortgeschützten Patientenportalen laufen.
Dies hatte das von einer NGO betriebene investigative Tech-Portal 'The Markup' bereits im Juni öffentlich gemacht. Demnach senden die Tracker etwa immer dann Daten an Facebook, wenn jemand in den betreffenden Portalen einen Arzttermin plant. So könne zum Beispiel festgestellt werden, ob ein Patient an Alzheimer leidet oder auch ob eine Person einen Schwangerschaftsabbruch durchführen möchte. Letzteres ist seit dem Verbot durch den Supreme Code für Patientinnen besonders bedrohlich.
Nicholson Price, Rechtsprofessor der University of Michigan, sagte nach der Entdeckung der Praxis im Juni: "Dies ist ein extremes Beispiel dafür, wie weit die Tentakel von Big Tech in das hineinreichen, was wir für einen geschützten Datenraum halten." Damals war aber noch nicht klar, wofür Facebook die Daten konkret verwendet. Mit der Klage dürfte nun Licht ins Dunkel gebracht werden. Die Schrift wird von 'Bleeping Computer' zum Download angeboten.

Loading

Mehr zum Thema

image

Breach von Easypark könnte 21 Millionen Datensätze umfassen

Nach dem Angriff auf den auch in der Schweiz aktiven Park-App-Anbieter verkauft ein Hacker ein grosses Datenpaket. Es soll auch Kreditkarten- und IBAN-Details enthalten.

publiziert am 29.2.2024
image

Noch mehr Kritik für inter­kantonale Polizei­daten­bank

Eine neue Vereinbarung soll den Austausch von polizeilichen Daten unter den Kantonen regeln. Der Gesetzesentwurf dazu ist kantonalen Datenschützern zu unpräzise und eine "Art Blanko­ermächtigung" für die Polizei.

publiziert am 28.2.2024 1
image

Bank schickt USB-Sticks an Geschäftskunden

Eine deutsche Sparkasse hat 15'000 USB-Sticks mit neuen Geschäftsbedingungen verschickt. Wenn das Schule macht, öffnet das Cyberkriminellen Tür und Tor.

publiziert am 28.2.2024 2
image

Ransomware-Banden greifen vermehrt Fertigungsbetriebe an

Sobald die Produktion stillsteht, sind viele Unternehmen bereit, Lösegeld zu bezahlen. Das wiederum lockt nur noch mehr Cyberkriminelle an.

publiziert am 28.2.2024