Das Marktforschungsunternehmen Gartner hat seine traditionelle Liste von aufstrebenden Technologien publiziert, welche die ICT-Welt in den kommenden Jahren dominieren könnten und mit denen sich ICT-Strategen und -Architekten schon jetzt auseinandersetzen sollten. Es wird wohl kaum jemanden erstaunen, dass das Kürzel KI darin sehr oft vorkommt.
- KI-native Entwicklungsplattformen verwenden generative KI, um schneller und einfacher Software programmieren zu können als bisher möglich. Sie reichen von Tools, die Codeschnipsel aufgrund eines einzigen Prompts generieren über "Vibe-Coding"-Tools, die die Entwicklung von Apps in einem Dialog mit der KI auch ohne technische Kenntnisse ermöglichen sollen bis zu KI-Agenten, die weitgehend selbstständig komplette Lösungen zusammenstellen.
- KI-Supercomputing-Plattformen sollen die enorme Rechenleistung bieten, die für das Training und den Betrieb fortschrittlicher KI-Modelle erforderlich ist. Solche Systeme kombinieren Hochleistungsrechner (HPC), spezielle Prozessoren und skalierbare Architekturen, um datenintensive Workloads zu bewältigen.
- Confidential Computing nutzt hardwarebasierte Trusted Execution Environments (TEEs), um Daten während ihrer Verarbeitung zu schützen und unbefugten Zugriff zu verhindern, selbst durch Cloud-Anbieter, die die Daten hosten. Gartner weist allerdings darauf hin, dass mehr Kontrolle über die Daten auch gleichzeitig mehr Komplexität und höhere Kosten bedeutet.
- Multiagentensysteme (MAS) sind Sammlungen spezialisierter KI-Agenten, die zusammenarbeiten, um komplexe Arbeitsabläufe zu erledigen. Jeder Agent übernimmt eine bestimmte Aufgabe, wodurch die Effizienz und Skalierbarkeit im Vergleich zu monolithischen KI-Lösungen verbessert werden soll.
- Domänenspezifische Sprachmodelle (DSLMs) sind KI-Modelle, die auf speziellen Datensätzen für bestimmte Branchen oder Geschäftsfunktionen trainiert worden sind und eine höhere Genauigkeit und Compliance bieten sollen als generische grosse Sprachmodelle.
- Physikalische KI bringt Intelligenz in die reale Welt, durch Roboter, Drohnen, Fahrzeuge oder andere intelligente Geräte, die wahrnehmen, entscheiden und handeln. Diese Systeme kombinieren Sensoren, Aktoren und KI-Modelle, um Aufgaben in der physischen Welt zu automatisieren.
- Präventive Cybersicherheit (PCS) nutzt fortschrittliche KI-gesteuerte Techniken, um Cyberangriffe zu antizipieren, zu unterbinden und zu neutralisieren, bevor sie stattfinden, und geht damit über herkömmliche Erkennungs- und Reaktionsmassnahmen hinaus. Notwendig werden diese Technologien, weil auch Cyberattacken immer öfter auf KI basieren und von traditioneller Security-Software oft nicht mehr abgewehrt werden können.
- Digitale Herkunftsnachweise (Digital Provenance) erlauben die Verfolgung und Überwachung der Herkunft und Integrität von Software, Daten und Medien mithilfe von Tools wie Stücklisten (BOMs), Beglaubigungsdatenbanken und Wasserzeichen. Sie soll Transparenz und Vertrauen in Systeme garantieren, die auf Komponenten von Drittanbietern, Open-Source-Modulen oder auch KI-generierten Inhalten basieren.
- KI-Sicherheitsplattformen konsolidieren Mechanismen, um sowohl KI-Dienste von Drittanbietern als auch massgeschneiderte eigene KI-Anwendungen zu sichern. Sie sollen KI-spezifische Risiken wie Prompt Injection, betrügerische Aktionen von Agenten oder Datenlecks ausschalten.
- Geo-Repatriierung (Geopatriation) ist die Verlagerung von Workloads aus globalen Hyperscale-Clouds in souveräne oder lokale Umgebungen, um geopolitische Risiken zu reduzieren. Dazu gehören Strategien wie die Verlagerung in souveräne Cloud-Regionen oder die Rückführung von Workloads in lokale Umgebungen. Gartner glaubt, dass bis 2030 weltweit rund 75% aller Unternehmen solche Massnahmen vornehmen werden.