Heftige Kritik an Dazit-Teilprojekt "Passar"

13. April 2022, 09:40
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Grenzübergang Basel-St. Louis. Foto: Shutterstock

Dicke Post für das Bundesamt für Zoll- und Grenzsicherheit: Namhafte Wirtschaftsverbände kritisieren Passar, das geplante digitalisierte Handelswarensystem, heftigst.

"Die Einführung von Passar ist das nächste grosse Highlight", schwärmte Isabelle Emmenegger, Programmleiterin Dazit, im Interview mit uns. Sie freue sich auf die Einführung, "das werden wir hinkriegen", so Emmenegger im Dezember 2021.

"Passar ist zu teuer und bringt wenig"

Doch die Umsetzung des digitalisierten Handelswarensystems kommt offenbar nicht wie gewünscht voran, wie die 'NZZ' berichtet. Zehn Wirtschaftsverbände hätten in einem Schreiben ans Bundesamt für Zoll- und Grenzsicherheit (BAZG; ehemals Zollverwaltung) eindringliche Kritik geäussert.
Darin beurteilen die Absender, darunter Economiesuisse und Branchenverbände aus Exportindustrie, Handelskammern, Verbände des Transport- und Logistiksektors, den Stand der Softwareentwicklung als "sehr kritisch", so der Bericht. Die Lösung müsse ein Jahr vor Einführung fertig sein, damit die Wirtschaft genügend Zeit für Tests zur Integration habe. Es sei eine Verschiebung und eine technische Übergangslösung zu diskutieren, zitiert die 'NZZ' aus dem Brief der Verbände.

Wirtschaft fühlt sich zu wenig eingebunden

Die Kritik am Dazit-Teilprojekt ist aber grundsätzlicher Natur: "Wir stellen fest, dass die Einführung von Passar im Vergleich zum bestehenden System lediglich minimale Vereinfachungen ermöglicht, aber zu unverhältnismässigen zusätzlichen Aufwänden für die Wirtschaft führt." Die Verbände fühlen sich offenbar übergangen: Es fehle generell an der Einbindung der Anliegen der Wirtschaft seitens des Bundesamts, wird im Brief weiter kritisiert.
Dieser Punkt widerspricht diametral den Aussagen Emmeneggers im Interview. "Es gibt eine Begleitgruppe Wirtschaft, die seit Anfang dabei ist und die regelmässig über Fortschritte informiert wird. Da sind Economiesuisse, Industrievertreter und weitere grosse Verbände dabei. Zudem gibt es auch Arbeitsgruppen, in denen Wirtschaftsvertreter mitarbeiten können", sagte die Programmleiterin Dazit damals gegenüber inside-it.ch.

Wie geht es weiter?

Statt wie ursprünglich im Juni 2023 soll der erste Teil von Passar erst Ende 2023 eingeführt werden. Das sei fast schon beschlossene Sache, schreibt die 'NZZ' und zitiert das BAZG: "Zurzeit werden verschiedene Handlungsoptionen geprüft, darunter auch eine Verlängerung des Parallelbetriebs." Zudem sei das Bundesamt überzeugt, dass die Nutzenziele des Transformationsprogamms eingehalten würden. Man werde sich Ende April ausführlich gegenüber den verschiedenen Wirtschaftsverbänden äussern und eine breit abgestützte Lösung anstreben.

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