Die "Microsoft Ignite 2022" im US-amerikanischen Bundesstaat Seattle ist noch im vollen Gange. Der Tech-Riese hat seine Userinnen und User mit zahlreichen Updates für die Teams-Plattform überhäuft. Anpassbare Avatare, ein "Premium"-Angebot und mehr Integrationen mit Dynamics 365 gehören zu den grössten Neuerungen für die Collaborations-Plattform, die der Tech-Gigant an der Messe angekündigte. Viele sind mit künstlicher Intelligenz gesteuert.
Auch eine Kollaboration mit Cisco ist in der Pipeline. Für den Einstieg ins Metaverse soll ein neu gebildetes "Industrial Metaverse Core"-Team das Ruder übernehmen.
KI-getriebene Tools
Statt mit eingeschalteter Kamera im Meeting können Teams-Nutzende bald animierte Avatare von sich selbst erstellen. Die sogenannten Mesh-Avatare könnten Mixed Reality revolutionieren, so Microsoft-CEO Satya Nadella an der Messe.
Im Dezember 2022 soll anschliessend eine Vorschau des Add-ons "Teams Premium" kommen. Zusätzlich zum vertrauten Angebot will Microsoft seine Plattform mit weiteren Funktionen ausbauen. Premium-User erhalten beispielsweise einen erweiterten Schutz bei Meetings, neue Möglichkeiten für Webinare und geplante virtuelle Termine sowie ein eigenes Branding für Meetings, wie es weiter heisst. Zu den neuen Funktionen gehören auch eine intelligente Suche nach Transkripten, Echtzeit-Übersetzungen für Untertitel und KI-generierte Aufgaben.
Die allgemeinen Funktionen sollen im Februar 2023 ausgerollt werden. Der Launch für die KI-basierten Funktionen sei für die erste Jahreshälfte 2023 geplant.
Ausserdem hat der Tech-Gigant weitere Neuerungen für die Dynamics-365-Plattform in der Pipeline. Ab November könnten Teams-Kunden etwa ohne zusätzliche Gebühren auf Business-Central-Daten zugreifen. Für Dynamics 365 Customer Services integriere Microsoft KI-generierte Gesprächszusammenfassungen.
Insgesamt habe Microsoft über 100 neue Teams-Dienste in petto. Ein weiteres KI-getriebenes Tool ist beispielsweise "Intelligent Recap", das Sitzungen effizienter gestalten soll. Mit "Places" könne man zudem künftig die Büroräume ökonomischer nutzen. Teams Phone Mobile soll den Dienst in die Telefonfunktion eines Smartphones integrieren – ein Tool, das laut Microsoft auch Swisscom bald anwenden werde.
Microsoft Teams auf Cisco-Geräten
Auch Cisco springt auf den Teams-Zug. Der Konzern will die Plattform zu seinen Geräten hinzufügen, schreibt
'Reuters'. Erste mit Teams zertifizierte Cisco-Geräte sollen Anfang 2023 erhältlich sein. Die Videokonferenz-App Webex bleibe aber weiterhin bestehen.
"Interoperabilität stand schon immer im Vordergrund unserer hybriden Arbeitsstrategie, da wir verstehen, dass Kunden eine Zusammenarbeit zu ihren Bedingungen wünschen – unabhängig von Gerät oder Meeting-Plattform", schreibt Jeetu Patel, EVP und GM Security & Collaboration bei Cisco, in einer Mitteilung. "Unsere Partnerschaft mit Microsoft bringt zwei Kollaborationsführer zusammen, um die hybride Arbeitserfahrung komplett neu zu erfinden."
"Office" hat ausgedient
Der Markennamen "Office" geht nach 30 Jahren in den Ruhestand. Der Softwarekonzern wolle seine Angebote nun nur noch unter dem Namen "Microsoft 365" vermarkten. Das Rebranding wurde schon vor einigen Jahren gestartet, als die kostenpflichtigen Abonnements "Office 365" bereits neu benamst wurden.
In den kommenden Monaten werden Office.com, die Office-App für mobile Geräte und alle Office-Anwendungen für Windows schrittweise auf den neuen Namen wechseln, wie die Redmonder verkünden. Ab November 2022 beginne die Umstellung bei Office.com mit neuen Logos und Designs. Ab Januar 2023 sollen schlussendlich die restlichen Anwendungen neu vermarktet werden. Lediglich der Vertrieb der alleinstehenden Versionen für die Desktop-Installation für Privat- und Firmenkunden behalte die "Office"-Marke, bis Office 2021 und Office LTSC auslaufen.
Neues Team fürs Metaverse
Um Kundinnen und Kunden den Einstieg ins Metaverse zu erleichtern, hat Microsoft gemäss
'The Information' intern ein neues Team gegründet. Das sogenannte Industrial Metaverse Core Team will dabei helfen, immersive Softwareschnittstellen für die Steuerungssysteme hinter Elektrizitätswerken, Industrierobotern und Transportnetzwerken zu entwickeln. Dafür stützen sie sich laut 'The Information' auf die Technologie des Startups Bonsai, das 2018 von Microsoft übernommen wurde. Insbesondere Branchen wie das Gesundheitswesen, die Produktion, der Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Energie sollen unterstützt werden.
Der ehemalige Bonsai-CEO Mark Hammond werde das neue Team leiten, der langjährige technische Microsoft-Mitarbeiter Eric Traut wurde zum Leiter Technik und Wissenschaft ernannt. Auch der COO-Veteran des Business-AI-Teams Harald Winkmann wechselt zum Metaverse-Team und übernimmt dort die Produktplanung, schreibt 'The Information' weiter. Vertiefte Details zur Führung oder Bonsai-Technologie sind bisher nicht bekannt.
Erst kürzlich hat Microsoft-CEO Nadella auch eine Partnerschaft
mit Meta bekanntgegeben. Die beiden Konzerne kooperieren im Zuge eines neuen VR-Headsets, in das auch Microsoft-Anwendungen eingebunden werden sollen.