In Genf beginnt das SAP-Grossprojekt

1. Dezember 2023 um 13:39
image
Foto: Christopher Politano / Unsplash

Die Genfer Stadtverwaltung sucht einen Dienstleister für die Migration auf S/4Hana. Bis 2026 soll der Wechsel vollzogen sein.

Die Stadt Genf startet das Migrationsprojekt von SAP ECC6 auf S/4Hana. In einer Ausschreibung sucht sie Leistungen zur Begleitung der Migration. Dass es sich um ein Grossprojekt handelt, macht allein der Umfang des Pflichtenheftes deutlich: 106 Seiten.
In den Unterlagen, die inside-it.ch vorliegen, heisst es: "Gegenstand dieses Vertrages sind alle notwendigen Leistungen zur Unterstützung der Ville de Genève bei der Migration der SAP-ECC6-Lösung (auf Hana in Rise PTO) auf die SAP S/4Hana-Lösung in den Bereichen Finanzen, Logistik, Ressourcen und Personal, einschliesslich technischer Teil." Unter anderem erfordert die Migration, dass die Implementierung der neuen Finanzbuchhaltung abgeschlossen wird. Im Bereich Logistik wird die Einrichtung einer "Einkaufsnomenklatur" in Form einer angepassten Datenstruktur integriert.

Besonderes Augenmerk auf Sicherheit

Vom Wechsel verspricht sich Genf, von den von SAP angekündigten Verbesserungen in Bezug auf Reporting und Autonomie für Endbenutzer profitieren zu können. "Insbesondere durch die Embedded-Analytics-Lösung, die als Schlüsselinnovation angekündigt wird", heisst es im Pflichtenheft.
Weiter wird betont, dass die Stadt angesichts der deutlich steigenden Risiken von Cyberangriffen und Betrug ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit ihrer IT-Systeme legt. "Daher haben wir ein laufendes Projekt zur Überwachung und Vereinfachung der Nutzung der verschiedenen und zahlreichen Anwendungsrollen und zur strikten Einhaltung der Aufgabentrennung." Man werde mit dem SAP Performer-Tool ein Audit durchführen. "Die Behebung etwaiger Anomalien oder Mängel, die die Produktion verhindern, liegt in der Verantwortung des Integrators."

Strenger Zeitplan mit Bonus-Malus-System

Auch beim Zeitplan macht Genf deutlich, dass man hier wohl keine grossen Verzögerungen bei den Meilensteinen duldet. Angesichts der betrieblichen Einschränkungen sei die Einhaltung des gewünschten Produktionsstarttermins am 1. April 2026 entscheidend für den Erfolg des Projekts. Um die Chancen zur Erreichung dieses Ziels zu maximieren, habe man in wichtigen Phasen ein Bonus-Malus-System eingeführt.
Wie viel das Grossprojekt schlussendlich kostet, ist noch nicht klar. Im Genfer Finanzplan 2024 bis 2035 findet sich der Posten "Erneuerung des integrierten Softwarepakets SAP". Hier sind einmalige Kosten von rund 10,4 Millionen Franken veranschlagt. Hinzu kommen jährlich 3 Millionen Franken Betriebskosten.
Zum Vergleich: Der Bund hat im vergangenen September seine S/4Hana-Migration abgeschlossen. Die Dimensionen des Programms "Superb" sind gewaltig: Budgetiert sind dafür 420 Millionen Franken.
Möchten Sie uns unterstützen?
Inside IT steht für unabhängigen und qualitativ hochwertigen Journalismus. Unsere Inhalte sind kostenlos verfügbar und bleiben dies auch weiterhin. Umso mehr würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit und unsere Recherchen mit einem Betrag Ihrer Wahl unterstützen. Vielen Dank!
Jetzt unterstützen



Loading

Mehr zum Thema

image

Auslieferungsanhörung von Wikileaks-Gründer Assange hat begonnen

Liefert Grossbritannien Julian Assange an die USA aus oder nicht? Das entscheidet heute und morgen letztinstanzlich der High Court in London.

publiziert am 20.2.2024
image

OpenAI sichert sich in der Schweiz "GPT" als Markenname

Die USA haben die Eintragung als Marke nicht akzeptiert, in der EU ist ein Löschungsverfahren hängig. Eine Einschätzung.

publiziert am 20.2.2024
image

St. Galler Kantonsrat bewilligt Nachtragskredite für Steuersoftware

Mitte-EVP und GLP wollten die Entwicklung einer neuen Steuersoftware für die Steuerverwaltung stoppen, wurden aber von der Mehrheit überstimmt. Dem 74-Millionenprojekt steht nichts mehr im Weg.

publiziert am 20.2.2024
image

EU knöpft sich Big Tech vor

Im Rahmen des Digital Services Act will die Europäische Union Tiktok untersuchen. Bei Apple steht ebenfalls Ungemach vor der Tür.

publiziert am 20.2.2024