Das neue Auszahlungssystem der Arbeitslosenkassen beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) funktioniert offenbar weiter nicht wie gewünscht. Als Folge können Stellensuchende keine Arbeitsbemühungen nachweisen oder auf der Plattform Job-Room nach freien Stellen suchen. Ferner kommt es bei der
Auszahlung der Taggelder für die über 140'000 Arbeitslosen in der Schweiz zu Verzögerungen.
Diese Situation hält mittlerweile seit mehr als einer Woche an. Das
Seco musste eingestehen, dass das neue Auszahlungssystem "Asal 2.0" nicht wie erwartet arbeite. Als Grund für die Störung wurde eine instabile Verbindung zwischen zwei zentralen Systemkomponenten genannt. Die Schwierigkeiten bei Benutzerschnittstellen wie Job-Room deuten ausserdem auf eine Überlastung des Systems hin, die durch vorgängige Last-Tests hätte vermieden werden können.
Allen Herausforderungen mit der Informatik zum Trotz hatte das Seco stets betont, die fristgerechte Auszahlung der Arbeitslosengelder sei gewährleistet. Stimmen von Betroffenen, die zum Beispiel das Online-Portal '
20 Minuten' gehört hat, sprechen eine andere Sprache.
Seco muss in Ständeratskommission
Für die Ursachen der technischen Probleme und die Konsequenzen für die Arbeitslosen interessiert sich mittlerweile auch die Politik. Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP) wandte sich Anfang Woche mit einem Antrag an die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats. Sie wollte vom Seco unter anderem erfahren, ob die fristgerechte Auszahlung der Arbeitslosenversicherungstaggelder garantiert sei. Und welche Massnahmen ergriffen wurden oder werden, um die Auszahlung sicherzustellen.
Weiter sollten sich die Vertreter des Staatssekretariats zu allfälligen Mehrausgaben für die Nacharbeiten am Auszahlungssystem äussern. Und auch zu den personellen Auswirkungen wie Überstunden, Kündigungen oder Ausfällen während der Umstellung in den vergangenen Monaten.
Hinter verschlossenen Türen
Über die konkreten Antworten der Seco-Verantwortlichen in der Kommission gibt es keine Angaben. Einem Bericht von '
SRF' zufolge seien sich Linke wie Bürgerliche nach dem Treffen jedoch einig gewesen, dass es eine politische Aufarbeitung brauche. Wasserfallen wird dort mit den Worten zitiert: "Die Situation ist kritisch und sehr schwierig, und der Fokus muss jetzt unbedingt auf der Auszahlung der Gelder liegen."
Das Seco hat sich laut 'SRF' nach dem Treffen nicht öffentlich äussern wollen. Die Vertreterinnen und Vertreter hätten jedoch glaubhaft aufgezeigt, dass das Seco sowie die Kassen mit Hochdruck daran arbeiten, die Gelder so schnell wie möglich auszuzahlen. Viele Probleme seien in den vergangenen Tagen gelöst worden, so dass bis am Montag 89% der Gelder, die die Arbeitslosenkassen bis dahin hätten auszahlen müssen, auch überwiesen wurden.