KAIO sichert sich externes Personal für über 55 Millionen Franken

13. Juli 2022, 13:02
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Foto: Jana Leu / Unsplash

In 5 Losen wurden in Bern für die nächsten 5 Jahre Aufträge im Umfang von 323'000 Arbeitsstunden vergeben. Gesucht wurden agile IT-Fachkräfte und Business Analysten.

Die kantonale Verwaltung Bern hat Bedarf an verschiedenen Fach­per­sonen in agilen Rollen und Business-Analystinnen. Aus diesem Grund will der Kanton einen zentralen Pool an IT-Fachkräften aufbauen, aus welchem flexibel und zeitnah diverse Rollen abgerufen werden können. Eine solche Förderung von agilen Arbeitsweisen sei insbesondere in der kantonalen ICT-Strategie vorgesehen, schreibt das Amt für Informatik und Organisation des Kantons Bern (KAIO) im Pflichtenheft zu einer Ausschreibung.
In insgesamt 5 Losen wurden dabei Aufträge im Umfang von ca. 323'000 Arbeitsstunden oder mehr als 55 Millionen Franken an verschiedene IT-Dienstleister vergeben. Der Gesamtpreis bezieht sich dabei auf die maximale Vertragslaufzeit von 5 Jahren. Die Leistungen sollen schlussendlich in Mini­tender-Verfahren abgerufen werden können.
Die Ausschreibung umfasste insgesamt 4 Lose für Fachpersonen im agilen Umfeld und ein Los für die Arbeit eines Business Analysten. Für die Lose 1 und 5 wurden jeweils vier Zuschläge erteilt, für die Lose 2, 3 und 4 jeweils 3. Neben dem Preis (30%) waren die ausschlaggebenden Kriterien für die Vergaben die Qualifikationen des Anbieters und der zuständigen Fachperson sowie die Präsentation (jeweils 20%). Mit lediglich 5% bewertet wurden nichtfunktionale Anforderung und eine nachhaltige Entwicklung. Wir haben uns die Vergabe genauer angeschaut:

Scrum Master

In Los 1 wurden für die Rolle eines Scrum Masters 100'000 Arbeitsstunden vergeben. Insgesamt wurden 3 Zuschläge an Swissq Consulting, Adesso Schweiz und Avega IT erteilt. Für das Los sind total 15 Angebote eingegangen. Wegen einer hängigen Beschwerde eines Anbieters seien vorerst aber nur 3 der 4 vorgesehenen Zuschläge erteilt worden, ist der Begründung zu ent­neh­men. Der letzte Zuschlag soll dann nach dem Abschluss des Beschwerde­ver­fah­rens eröffnet werden.
Die offerierten Gesamtpreise lagen zwischen 17,1 Millionen (Swissq Con­sul­ting) und 18,4 Millionen Franken (Avega IT). Das Angebot von Adesso Schweiz habe sich durch eine besonders hohe Qualifikation der Fachpersonen sowie eine hohe Erfüllung der nichtfunktionalen Anforderungen und der nach­hal­tigen Entwicklung ausgezeichnet. Das Angebot von SwissQ Consulting AG habe bei guter Erfüllung aller qualitativen Kriterien einen relativ günstigen Preis aufgerufen, heisst es in der Begründung.

Release Train Engineer & Product Manager

Wie schon in Los 1 konnte sich auch bei Los 2 die Avega IT aus Bern durch­setzen. Für den Zeitraum von 5 Jahren wurden hier Arbeitsleistungen im Umfang von 27'000 Stunden für die Rolle eines Release Train Engineers und Product Managers gesprochen. Für den Auftrag gab es 3 Bewerbende, be­rück­sichtigt würde bis jetzt aber nur die Avega IT für 4,9 Millionen Franken – weil auch hier noch eine Beschwerde hängig ist. Das Unternehmen habe die Zuschlagskriterien am besten erfüllt und weise eine ausgezeichnete Qualifikation der Fachpersonen auf, begründet KAIO den Zuschlag.

Agiler Enterprise- & Team-Coach

Aufgrund der Beschwerde wurden auch im dritten Los für einen Agil-,Team- und Enterprise-Coach nur 2 der 3 Aufträge vergeben. Von den 4 eingereichten Angeboten haben sich schlussendlich Erni mit einer Offerte über 16 Millionen und Avega IT mit einer über 14,7 Millionen Franken durchgesetzt. Gemäss dem KAIO haben die beiden Zuschlagsempfänger die Kriterien für die 81'000 budgetierten Arbeitsstunden am besten erfüllt. Das Angebot von Avega IT habe den günstigsten Preis und eine gute Qualifikation aufgewiesen. Das von Erni habe durch hoch qualifizierte Fachpersonen, eine gute Qualifikation des Anbieters und eine hohe Erfüllung der nicht funktionalen Anforderungen überzeugt, heisst es in der Begründung.

Agiler Test Engineer

Für die Rolle eines agilen Test Engineers wurden in Los 4 Zuschläge für 45'000 Arbeitsstunden an Elca und an Swissq Consulting vergeben. Während Elca seine Offerte mit 7,8 Millionen veranschlagte, waren es bei Swissq lediglich 6,6 Millionen Franken. Auch hier wurde aufgrund des bereits genannten Rechtsstreits wieder nur 2 der 3 Zuschläge vergeben. Gemäss dem KAIO wurden auch hier die Zuschlagskriterien am besten erfüllt. Insgesamt haben sich die beiden Unternehmen gegen 3 weitere Bewerber durchgesetzt.

Business Analystin oder-Analyst

Im fünften und letzten Los der Ausschreibung wurde ein Auftrag für die Arbeit eines Business Analysten oder Analystin im Umfang von 70'000 Stunden vergeben. Hier wurden 3 Zuschläge an Ironforge Consulting (11,2 Mio.), Linkyard (11,3 Mio.) und Adesso Schweiz (11,9 Mio.) erteilt. Für das Los sind insgesamt 14 Angebote eingegangen, wobei auch wieder nur 3 der 4 vorgesehenen Zuschläge gesprochen wurden.
Ob all die vereinbarten Leistungen schlussendlich auch abgerufen werden, wird sich erst im Verlaufe der fünfjährigen Vertragslaufzeit zeigen.

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