KI-Schwachstellensucher: Segen oder Fluch?

8. April 2026 um 09:13
  • security
  • Künstliche Intelligenz
  • Anthropic
image
Illustration: Erstellt durch Inside IT mit Le Chat

Ein neues KI-Modell von Anthropic kann selbstständig Sicherheitslücken in weit verbreiteter Software finden und Exploits dafür entwickeln.

Das neue KI-Modell "Claude Mythos Preview" hat laut Anthropic schon viele schwerwiegende Sicherheitslücken in Software gefunden, unter anderem eine 27 Jahre alte Sicherheitslücke in einem viel genutzten Betriebssystem.
Das neue KI-Modell sei so gut darin, bisher unentdeckte Software-Schwachstellen zu finden, dass es in den falschen Händen zu einer verheerenden Cyberwaffe werden könnte, sagt Anthropic selbst. Deshalb wolle man es nicht öffentlich machen, lasse aber Unternehmen wie Apple, Amazon und Microsoft damit Sicherheitslücken in deren Programmen suchen und stopfen. Unter den weiteren Kooperationspartnern sind die Linux-Stiftung, die IT-Sicherheitsfirmen Crowdstrike und Palo Alto Networks sowie der Netzwerk-Spezialist Cisco.

Besorgniserregende Fähigkeiten

Das KI-Modell Claude Mythos Preview fand unter anderem eine 27 Jahre alte Schwachstelle im als besonders sicher geltenden Betriebssystem OpenBSD, wie Anthropic mitteilte. Insgesamt habe man mit Mythos bereits "tausende" schwerwiegende Schwachstellen entdeckt, auch in allen breit genutzten Betriebssystemen und Webbrowsern. In der Videosoftware FFmpeg spürte das Modell demnach eine seit 16 Jahren schlummernde Lücke auf.
Mythos Preview sei auch in der Lage gewesen, binnen weniger Stunden Exploits, also Programme zum Ausnutzen dieser Schwachstellen zu entwickeln. Experten hätten dafür laut Anthropic wohl mehrere Wochen gebraucht.
Einer frühen Version der Software wurde in einem Versuch die Aufgabe gestellt, aus einer abgeschirmten Computer-Umgebung auszubrechen und das dem Tester zu melden. Die Software umging laut Anthropic die Sicherheitsvorkehrungen, verschaffte sich selbst weitreichenden Internet-Zugang und schickte einem Mitarbeiter eine überraschende E-Mail, während dieser mit einem Sandwich im Park sass.

Mythos nicht öffentlich verfügbar

Man habe das Modell nicht speziell darauf trainiert, das alles zu können, hiess es weiter. Mit dem schnellen Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz sei davon auszugehen, dass solche Fähigkeiten recht bald auch Online-Angreifern zur Verfügung stehen könnten, warnte Anthropic.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Ransomware-Angriff auf Berner Stiftung Autismuslink

Die Cyberkriminellen haben sehr persönliche Daten von Klienten und Klientinnen sowie Mitarbeitenden erbeutet.

publiziert am 24.7.2026
image

Datenabfluss bei Genfer Erwachsenenbildung weitet sich aus

Die Ransomware-Bande Dragonforce hat das gestohlene Datenpaket von Ifage publiziert. Auch Daten zu Studierenden befinden sich darin.

publiziert am 24.7.2026
imageAbo

Swissgrid zahlt Millionen für die IT-Sicherheit

Bis zu 13,7 Millionen Franken erhalten Oneconsult und Redguard. Sie sollen die IT-Sicherheit bei Swissgrid bis 2031 unterstützen.

publiziert am 24.7.2026
image

Kühne+Nagel profitiert von KI-Boom

Der Logistikkonzern transportiert zunehmend Komponenten für KI-Rechenzentren und will zugleich mit Künstlicher Intelligenz die eigene Produktivität steigern.

publiziert am 23.7.2026