Der KI-Boom hilft dem Logistiker Kühne+Nagel, weil er Infrastruktur für Rechenzentren um die halbe Welt transportieren kann. Dies sorgte im zweiten Quartal für einen Umsatzsprung im Luftfrachtgeschäft. Die hochkomplexen Elemente für Rechenzentren müssen häufig von Asien nach Nordamerika geflogen werden. Konkret erwähnt wurde etwa ein Auftrag von Google für die Cloud-Infrastruktur.
"Der Haupttreiber für dieses Wachstum war das Technologiegeschäft", sagte CEO Stefan Paul an einer Medienkonferenz. Es habe rund 90% zum Plus beigesteuert. Nun will Kühne+Nagel die KI aber auch selbst nutzen, um das profitable Wachstum voranzutreiben. Das Unternehmen nannte dabei erstmals ein Ziel. Es will die Produktivität dank KI bis Ende 2027 um 100 bis 150 Millionen Franken steigern.
Mehr KI, gleicher Personalbestand
"Unser Bestreben ist es, dank KI mit dem gleichen Personalbestand höhere Volumina abzuwickeln", führte Paul aus. Er sehe somit KI nicht primär als Instrument, um die Kosten zu senken. Allerdings betonte der CEO auch: "Schafft es ein Geschäftsbereich mit KI nicht, die Volumina zu steigern, dann muss man natürlich über die Kosten nachdenken."
Die "Gretchenfrage" ist laut dem CEO bei all dem, wo die Produktivitätsfortschritte letztlich ankommen. Manche Analystinnen und Analysten befürchten, dass sie lediglich zu Preissenkungen führen, nicht aber zu Margenverbesserungen. Paul hofft auf das Gegenteil. "Als profitorientiertes Unternehmen sind wir natürlich bestrebt, einen Teil der Verbesserungen als Marge bei uns zu behalten." Die Kundschaft werde aber auch dann profitieren, betonte er – zum Beispiel in Form einer höheren Servicequalität oder schnelleren Reaktionszeiten.
Ziele angehoben
Alles in allem stieg der Nettoumsatz des Unternehmens im zweiten Quartal um 8% auf 6,62 Milliarden Franken. Das Betriebsergebnis (Ebit) nahm in der Folge um 11% auf 381 Millionen Franken zu und der Reingewinn um 10% auf 276 Millionen. Mit den Zahlen habe Kühne+Nagel die Erwartungen der Analystinnen und Analysten deutlich übertroffen.
Im Ausblick wird das Unternehmen nun optimistischer. Im laufenden Geschäftsjahr strebt der Konzern neu einen Ebit von 1,35 bis 1,55 Milliarden Franken an, bisher hatte eine Bandbreite von 1,25 bis 1,40 Milliarden gegolten. "Wir haben deutlich Fahrt aufgenommen und erwarten, dass sich die positive Entwicklung fortsetzen wird", sagte CFO Markus Blanka-Graff dazu.