René Zierler, Country Manager HPE Schweiz. Foto: zVg
HPE-Schweiz-Chef René Zierler spricht gemeinsam mit seinem Channel-Verantwortlichen und CTO über den Erfolg der "kleinen Schweiz" und darüber, wie KI und die "Rückholung" von Cloud-Workloads das Wachstum beschleunigen.
Zum vierten Mal in Folge schliesst HPE ein Quartal mit einem zweistelligen Umsatzplus ab. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 15%. Die "kleine Schweiz" trage als erfolgreichstes Land der Region Zentraleuropa einen beträchtlichen Beitrag zum Ergebnis bei, sagte René Zierler, Country Manager Schweiz. Inside-it.ch hat ihn sowie Channel Manager Serge Bourgnon und Martin Casaulta, Chief Technologist & Presales Manager, zum Interview getroffen.
Herr Zierler, Sie haben Ihre Rolle als Country Manager Schweiz vor rund eineinhalb Jahren angetreten. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
René Zierler: Im Grunde sind es drei zentrale Ziele. Erstens ist es klar die Business-Performance. Die Schweiz war im Geschäftsjahr 2024 das erfolgreichste Land in der HPE-Vertriebsregion Zentraleuropa. Dadurch entsteht natürlich auch eine Erwartungshaltung, die es zu erfüllen gibt. Zweitens wollen wir auf langfristige Kundenbeziehungen setzen, ebenso wie drittens die Mitarbeiterentwicklung. Wir wollen uns nachhaltig entwickeln.
Wie sieht es mit der Performance in der Schweiz aus? Konnten Sie die Erwartungen erfüllen?
René Zierler: Konkrete Zahlen weisen wir zu den einzelnen Ländern nicht aus. Die Schweiz hatte allerdings ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2024. Schaut man etwa die IDC-Zahlen an, hat HPE bei Compute einen Marktanteil von über 50%. Haupttreiber für das Geschäft sind klar Künstliche Intelligenz und Hybrid Cloud mit unseren Greenlake-Services.
Das Gespräch fand vor der Präsentation der letzten Finanzzahlen statt. Im ersten Quartal verbuchte HPE einen Umsatz von 7,9 Milliarden Dollar (+16%) und einen Gewinn von 598 Millionen Dollar. Mit den Ergebnissen hat HPE die Erwartungen übertroffen. Allerdings enttäuschte der US-Konzern mit seiner Jahresprognose und kündigte gleichzeitig ein Sparprogramm an, von dem rund 5% der Belegschaft betroffen sein werden. Gegenüber Analysten erklärte HPE, dass der Auftragsbestand für KI-Systeme im Vergleich zum Vorjahr um fast 30% angestiegen sei. Gleichzeitig aber habe man im Geschäft mit traditionellen Server mit Preisnachlässen zu kämpfen gehabt.
Zuletzt erklärte HPE, dass über 60% des Geschäfts über den Channel abgewickelt werden. Wie entwickelt sich das in der Schweiz?
Serge Bourgnon: Diese Zahl stimmt immer noch, wobei der Anteil eher steigt. Viele unserer Partner verzeichnen sehr starkes Wachstum, was natürlich erfreulich ist.
Serge Bourgnon, Country Sales Manager Channel HPE Schweiz. Foto: zVg
Zierler: Einige haben eine Schallmauer durchbrochen. Dabei handelt es sich nicht nur um die grossen Platin-Partner, sondern auch um solche, die im KMU-Umfeld unterwegs sind.
Sie bezeichneten Hybrid Cloud einen wichtigen Wachstumstreiber. Können Sie das näher erläutern?
Zierler: Das Greenlake-Portfolio, also unsere Hybrid-Cloud-Lösung, ist vor allem bei Grosskunden sehr erfolgreich. Es gibt praktisch keinen Grosskunden in der Schweiz, der nicht auf Greenlake setzt. Ein wichtiger Vorteil ist die Skalierbarkeit, von kleinen bis zu sehr grossen Installationen.
Martin Casaulta: Wir beobachten aktuell einen interessanten Trend zur Repatriierung. Viele Unternehmen haben vor einigen Jahren eine Cloud-Strategie definiert. Sie bedeutete häufig "Public Cloud first". Mittlerweile sehen wir, dass viele Workloads zurückgeholt werden. Ein Grund dafür ist Künstliche Intelligenz. Denn aufgrund der grossen Datenmengen, die mit KI verbunden sind, sind Public-Cloud-Konstrukte nicht immer attraktiv.
Am Thema Künstliche Intelligenz dominiert derzeit sämtliche Diskussionen. Wie gehen Sie damit um?
Zierler: Ja, KI ist durch ChatGPT in aller Munde, aber wir haben schon viel früher mit Machine Learning und Deep Learning begonnen. Grosse Kunden wie Roche oder Nestlé nutzen KI bereits lange, etwa bei der Betrugserkennung. HPE hat drei Dimensionen definiert: "AI for IT" zur Betriebsoptimierung, "AI for Business" für neue Geschäftsmodelle und Effizienzsteigerung, und "AI for Future" mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Generative KI hat das Thema jetzt aus dem "Keller" geholt und für alle greifbar gemacht.
Was sind die grössten Herausforderungen bei der KI-Implementierung?
Martin Casaulta, Chief Technologist & Presales Manager, HPE Schweiz.
Casaulta: Viele Unternehmen brauchen Unterstützung beim Finden der richtigen Use Cases. Aber es gibt mittlerweile durchaus solche, die klar sind, und entsprechend schnell in Produktion gehen. Dabei geht es vor allem darum, Unternehmenswissen schneller und einfacher zugänglich zu machen und darum, die Produktivität zu steigern. Ein wichtiger Trend sind "Retrieval Augmented Generation"-Systeme, mit denen die grossen Sprachmodelle mit Unternehmenswissen angereichert werden.
Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Umsetzung von KI-Projekten?
Zierler: Unseren Kunden helfen wir beispielsweise durch schlüsselfertige Lösungen wie die HPE Private Cloud AI, aber auch durch Beratung und Systemintegration. Weiter unterstützen wir unsere Kunden gemeinsam mit unseren Partnern, etwa solchen aus dem Consulting-Bereich, sowie mit ISVs und den Systemintegratoren. Künstliche Intelligenz ist auch für unsere Partner ein wichtiges Thema, wobei einige weiter sind als andere.
Bourgnon: Die Partner sind extrem gefordert. Denn KI steht bei jedem CIO oben auf der Agenda. Entsprechend haben wir auch ein Education-Programm aufgesetzt und unterstützen mit Consulting-Leistungen.
Interessenbindung: Das Interview wurde im Rahmen der HPE Discover Barcelona geführt, zu der die Autorin vom Konzern eingeladen wurde (Flug, Unterkunft).