Massenentlassung in Zürich: Googler protestieren mit Walkout

15. Februar 2023 um 13:03
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Foto: ts

Exklusiv: Auch in Zürich wird es Entlassungen geben, wissen Zoogler. 250 von ihnen haben heute gegen den "Missbrauch ihres Vertrauens" protestiert.

Rund 250 Beschäftigte von Google Zürich haben sich heute Morgen für eine Protest-Pause in der Gasse zwischen zwei Googlebauten auf dem Hürlimannareal versammelt. Die "Zoogler" wissen mittlerweile, dass auch in Zürich Massenentlassungen anstehen. Ansonsten tappen sie im Dunkeln: Wen erwischt es? Wie viele sind es genau? Wer kann in der Schweiz bleiben? Die Stimmung am Anlass vor der Brandschenkenstrasse 110 ist angespannt.
"Die Unsicherheit in der Belegschaft ist gross, besonders die Kollegen aus Russland und der Ukraine haben Angst, das Land verlassen zu müssen", sagt Paul, der anders heisst, aber bereitwillig Auskunft gibt. Er steht in einer international bunt zusammengewürfelten Gruppe. Einer, Leandro* aus Portugal, hat von den Entlassungen in einem Videocall in die USA erfahren. "Es ist unwürdig für Google, uns so auf die Strasse zu stellen", betont er.

Google bestätigt Verhandlungen

Google muss die Massenentlassung beim Amt für Wirtschaft und Arbeit deponieren, wie das im Gesetz zur Meldepflicht vorgesehen ist. Beim AWA will man den Eingang einer Meldung aber nicht bestätigen. Man nehme keine Stellung zu einzelnen Firmen, heisst es auf Anfrage.
Google lässt via PR-Agentur ausrichten, dass bereits am 20. Januar angekündigt worden sei, "weltweit die Belegschaft zu verkleinern". Man sei sich bewusst, dass dies eine unsichere Zeit für die Mitarbeitenden sei und informiere bei gegebener Zeit über die nächsten Schritte. "Angesichts der laufenden Konsultationsphase sind wir jedoch nicht in der Lage, die Angelegenheit weiter zu kommentieren", bestätigt der Konzern die Verhandlungen.
Bis heute wissen die Beschäftigten bei Google kaum etwas über die Vorgänge in Zürich, ausser dass verhandelt wird. In New York gingen bei den Entlassenen die Badges am Morgen beim Einchecken nicht mehr, sie mussten wieder nach Hause. Das sorgt auch auf dem Hürlimann-Areal für Diskussionen. "So geht man nicht mit seinen Beschäftigten um", sagt Paul. Das Image von Google als coole Gross-WG mit Tischtennisplatte und Edelcafé bröckelt.
Dieses Bild ist vermutlich auch der Grund, warum kein Journalist am Anlass zu sehen ist, bislang waren die Zoogler höchst verschwiegen. Zu stark war die Identifikation mit dem Konzern. Das bestätigt auch Damian*, der aus Polen stammt und bislang nie mit Journalisten gesprochen hat. Es sei vor allem das Geld, das ihm bei einer Entlassung für das teure Zürich fehlen würde, sagt er. Ob er in der Schweiz bleiben dürfte? Er weiss es nicht.
Auf einer Treppe am Google-Gebäude sagt einer in geschliffenem Englisch ins Megafon: "Wir haben einen Migrationsexperten gefunden, der euch helfen kann." Um dann zu ergänzen, dass man die alte Kultur der "coolen Firma" bewahren müsse. Eine Frau ruft etwas holprig von der Treppe: "Google hat unser Vertrauen missbraucht."

Syndicom: "Wir erwarten Alternativen"

Der Widerspruch zwischen der Wut auf die Shareholder-Ausrichtung Googles und der Identifikation mit der coolen Firma entfaltet sich gerade. Auch Paul sagt, Google habe ohne Not und in höchster Eile einen Kahlschlag beschlossen, um die Aktionäre zu beruhigen.
Mittlerweile sind in den Google-Bauten Beschäftigte an den Fenstern zu sehen. Es ist 12.30 Uhr, die ersten Grüppchen lösen sich aus dem Pulk, zurück an die Arbeit. Vorne sagt einer: Sprecht miteinander, lernt euch kennen. Der Kampf ist noch nicht vorbei.
Nach dem Ende des Anlasses verschickt die Gewerkschaft Syndicom eine Mitteilung: "Die Google-Angestellten fordern vom Konzern, Alternativen zum Personalabbau eingehend und ernsthaft im Dialog mit dem Personal zu prüfen. Sind Entlassungen nicht abwendbar, so erwarten sie vom Konzern, mit einem guten Sozialplan die Folgen für die Betroffenen zu minimieren."
*Die Auskunftspersonen wurden pseudonymisiert.
Update 16:25 Uhr: Statement von Google eingefügt.

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