Meinung: SwissID-Zwang der Post ist ein Denkfehler

13. April 2022 um 12:52
  • politik & wirtschaft
  • die post
  • e-id
  • meinung
  • e-government
image
Reto Vogt, Chefredaktor von inside-it.ch

Die Schweizerische Post zwingt seiner Kundschaft die SwissID auf. Das ist ein Fehler. Wenn man jemandem eine Technik aufzwingen muss, ist sie nicht gut genug.

Im Oktober letzten Jahres hat die Post die Übernahme der SwissSign Group bekannt gegeben. Das Joint-Venture aus bundesnahen Betrieben, Finanzunternehmen, Versicherungsgesellschaften und Krankenkassen wurde aufgelöst und der Gelbe Riese somit alleiniger Besitzer der Organisation, die vor allem einen Zweck hat: Die "SwissID" herauszugeben und zu verwalten.

Zwangsmigration kommt nicht überraschend

Jetzt, rund ein halbes Jahr später, hat die Post – wenig überraschend – den SwissID-Zwang für 2023 angekündigt. Die Übernahme muss sich ja irgendwie auszahlen, also wird das eigene Post-Login fix abgeschafft. De facto per sofort: Wer noch kein Benutzerkonto hat, kann sich nur noch mittels SwissID registrieren. 2,7 Millionen Nutzerinnen und Nutzern müssen sich eine SwissID zulegen (oder eine vorhandene mit dem Post-Login verknüpfen). Betroffene Personen sollen ab Juni dieses Jahres gestaffelt "über die Login-Umstellung informiert werden." Schönsprech für "zwangsmigriert".
"Unser höchstes Gebot ist, unseren Kundinnen und Kunden Vertraulichkeit und Sicherheit zu gewährleisten – und dies in Anwendungen, die gleichzeitig einfach sind. Deshalb ist es ein logischer Schritt, dass die Post künftig auf die SwissID als Login-Lösung setzt", lässt sich Post-Chef Roberto Cirillo zitieren.

SBB hat sich von SwissID wieder verabschiedet

Ausbaden muss diesen Entscheid nicht nur die IT-Abteilung der Post, welche die Migration durchführen muss (und wohl auch intern begründen, weshalb sich geschätzt 74,37% der Nutzerinnen und Nutzer dagegen entscheiden), sondern auch alle Nutzer selbst: Diese werden ohne ihren Willen zu einer SwissID gezwungen, die sonst praktisch nirgends zum Einsatz kommt. Erst Ende März hat sich die SBB, notabene ehemaliger Joint-Venture-Partner der Post, davon verabschiedet. "Aus wirtschaftlichen Gründen und aus Mangel an Kundeninteresse", wie uns die SBB damals mitteilten.
Auch bei der Post selbst stösst das Login bislang nicht auf grosses Interesse. "1,7 Millionen Postkundinnen und -kunden nutzen die SwissID", teilt das Unternehmen mit. Das sind Stand jetzt 15% weniger, als man sich für Ende 2020 vorgenommen hatte.
Seiner Kundschaft eine Technik aufzuzwingen, die sie nicht will, hat noch selten zu einer höheren Zufriedenheit geführt. Im Gegenteil. Wenn man jemandem eine Technik aufzwingen muss, ist sie einfach nicht gut genug.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Bernmobil erneuert seine SAP-Flotte

Die Städtischen Verkehrsbetriebe Bern modernisieren schrittweise ihre SAP-Systeme. Den Anfang machte das ERP, gefolgt von Controlling, HR und dem CRM.

publiziert am 16.10.2026
imageAbo

EFK bemängelt Datenmanagement beim Bund

Die Bundesverwaltung setzt die Vorgaben für ein einheitliches Datenmanagement erst ansatzweise um.

publiziert am 15.10.2026
image

Bundesrat will Jugendschutz in der Plattformregulierung

Nach der Vernehmlassung ergänzt die Regierung den Gesetzesentwurf mit schärferen Jugendschutzmassnahmen. Bis Ende Juni 2027 soll die Botschaft vorliegen.

publiziert am 14.10.2026
image

"Massive technische Mängel": Ombudsmann kritisiert Citysoftnet

Das Fallführungssystem sorgte nach Bern auch in Zürich für Klagen. Laut dem Schlussbericht des Ombudsmanns wurden Warnzeichen ignoriert.

publiziert am 14.10.2026